"Sauenfang" soll Abhilfe schaffen Wildschweine verwüsten Friedhof bei Wittenberg – Totenruhe gestört

Sie zerwühlen Vorgärten, verwüsten Sportplätze und sorgen auch in Parkanlagen für erhebliche Schäden: Wildschweine sind vielerorts in Sachsen-Anhalt eine echte Plage geworden. Auch in Wittenberg. Im Ortsteil Dobien fallen ganze Wildschweinrotten regelmäßig über den Friedhof her. Die Einwohner im Ort wehren sich nun.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Provisorisches Schild an Zaun zu Friedhof mit Kapelle.
Der Friedhof von Dobien im Norden Wittenbergs – Besucher werden gebeten, zum Schutz vor Wildschweinen das Tor zu schließen. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Reinhard Minnich kämpft mit den Tränen: "Hier liegt meine Schwester begraben, das sieht nun aus, als ob ein Panzer durchgefahren ist." Der Rentner aus Dobien ist entsetzt über die Verwüstungen, angerichtet von Wildschweinen. Die Schwarzkittel wüteten dort nicht zum ersten Mal: "Dreimal habe ich das Grab schon neu bepflanzt." Und dreimal haben die Wildschweine alles wieder zerstört. Auch Johanna Schanda ist fassungslos. "Das ist schlimm und tut in der Seele weh."

Acht Vorfälle im vergangenen Jahr – Totenruhe nachhaltig gestört

Die Totenruhe in Dobien im Norden Wittenbergs ist nachhaltig gestört. Allein im vergangenen Jahr haben Wildschweinrotten acht Mal den Friedhof verwüstet, Grabsteine beschädigt, Bepflanzungen zerstört, den Boden aufgewühlt – so tief "dass fast die Urnen zu sehen waren", beklagt Reinhard Minnich.

Wir haben die Schnauze voll von den Schweinereien auf dem Friedhof.

Johanna Schanda, Einwohnerein von Dobien

Die Friedhofsverwaltung hat die Schäden schnellstmöglich behoben und die Grabanlagen wieder hergerichtet. Das hat mehrere Tausend Euro gekostet. Auf den Rasenflächen am Rand sind die Spuren der nächtlichen Wildschwein-Attacken aber noch deutlich zu sehen. Spürbar sind auch die seelischen Wunden bei vielen der 1.200 Dobienern. "Wir haben die Schnauze voll von den Schweinereien auf dem Friedhof", wird Johanna Schanda deutlich.

Wittenberger wehren sich gegen Wildschweine

Treppenaufgang zu Kirche auf Friedhof.
Im Wittenberger Ortsteil Dobien verwüsten Wildschweinrotten regelmäßig den Friedhof. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Treppenaufgang zu Kirche auf Friedhof.
Im Wittenberger Ortsteil Dobien verwüsten Wildschweinrotten regelmäßig den Friedhof. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Provisorisches Schild an Zaun zu Friedhof mit Kapelle.
Um dem vorzubeugen, wurden Hinweisschilder angebracht: Besucher werden gebeten, immer das Tor zum Friedhof zu schließen. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Wäldchen
Das Schwarzwild kommt durch die anliegenden Wälder zu dem Friedhof, der idyllisch auf einem Berg liegt. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Mann zeigt auf verwüstete Grabflächen.
Ortsbürgermeister Reinhard Rauschning war bislang machtlos gegen die Schwarzkittel. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Menschen stehen auf Friedhof zusammen und blicken traurig.
Die Einwohner von Dobien haben die Nase voll von den Verwüstungen. Doch nun scheint eine Lösung in Sicht: Ein sogenannter Sauenfang soll die Wildtiere einfangen. Bildrechte: MDR/Martin Krause
Provisorisches Schild an Zaun.
Außerdem ist jeder Einzelne gefragt: Türen schließen nach jedem Besuch lautet die Devise.

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. Februar 2020 | 09:10 Uhr

Quelle: MDR/agz
Bildrechte: MDR/Martin Krause
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Der Friedhof im Wittenberger Ortsteil liegt idyllisch auf einem Berg, das Gelände ist von vielen Bäumen umgeben. Hier fühlen sich die Schwarzkittel offenbar wohl. Und obwohl die Lutherstadt mehr als 10.000 Euro in einen neuen Zaun investiert hat, ist der Friedhof vor den hungrigen Borstentieren nicht sicher. "Wir können auf dem Friedhof aber nicht jagen", sagt Ortsbürgermeister Reinhard Rauschning. In der Nähe stehen Wohnhäuser. "Durch die Grabsteine würden wir Querschläger riskieren". Zu gefährlich, weiß der Ortsbürgermeister.

Köder sollen Wildschweine in "Sauenfang" locken

Dennoch soll's den Schwarzkitteln in Dobien nun an den Kragen gehen. Mit drastischen Maßnahmen. In der Nähe des Friedhofs wurde ein sogenannter Sauenfang aufgestellt. Gerhard Korges von der Jagdgenossenschaft Dobien will allerdings nicht verraten, wo genau die Falle steht – aus Sicherheitsgründen.

Der Sauenfang besteht aus einem Eisengestell. Mit Ködern werden Schweine in die Falle gelockt, eine Klappe verschließt den Ausgang. "Dann bekommt der Jäger ein Signal und erlegt das Schwein", sagt Korges.

Die untere Jagdbehörde hat den Sauenfang genehmigt, so Korges. Anders lässt sich der Wildschweinplage auf dem Dobiener Friedhof offenbar nicht mehr Herr werden. Mindestens zwei Borstentiere sind bereits in die Falle getappt. "Die Schweine sind auch pfiffig, die werden dadurch verprellt", hofft Ortsbürgermeister Rauschning. Er spricht den Einwohnern damit aus dem Herzen. Die Dobiener wünschen sich nichts mehr, als dass endlich wieder Ruhe auf dem Friedhof einkehrt.

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Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 20. Februar 2020 | 09:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2020, 14:16 Uhr

2 Kommentare

Pumukl vor 6 Wochen

Totenruhe gestört??? Wie soll ein Wildschwein wissen, dass es etwas Verbotenes macht und die Totenruhe stört? Das kann doch nun wahrlich kein Straftatbestand bei einem Wildschwein sein, oder? Und wenn es geschnappt wird? Gefängnis oder Platz auf einem Restaurantteller?

husar vor 6 Wochen

Wer war zuerst da, die Schweine oder die Toten? Schweine jeglicher Art haben es zur Zeit nicht leicht.

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