Herdenschutz Schäfer kämpft mit Radio gegen Wölfe

Schäfer Frank Seide aus Prettin lebt für seine Schafe. Deshalb gibt er jetzt alles, um sie vor den Wölfen zu schützen. Bei zwei Attacken im vergangenen Monat auf der Weide in Lindwerder im Landkreis Wittenberg hat er 30 Tiere verloren – alle Lämmer und viele Mutterschafe. Seitdem verbringt er jede Nacht bei seiner Herde und setzt auf unterschiedliche Methoden.

von Yvonne Hensel, MDR SACHSEN-ANHALT

Schäfer Seide vor seiner Schafsherde
Schäfer Frank Seide lässt nichts unversucht, um seine Schafsherde zu schützen. Bildrechte: MDR/Yvonne Hensel

Auf der Weide ist es still, zu still, man hört kein Blöken. Die Schafe sind ruhig, bleiben eng beeinander und zupfen am Gras. Schäfer Seide erklärt die Stille: "Das Rufen der Lämmer nach ihren Müttern gibt es seit den Wolfsangriffen nicht mehr." "Die Lämmer wurden alle gefressen", sagt Seide traurig. Nach der letzten Attacke hat Seide ans Aufgeben gedacht. Er will seine Schafe nicht an die Wölfe füttern. Aber: Er kann auch nicht ohne seine Schafe.

Deshalb hat er die Weide jetzt sicherer gemacht. Durch den Elektrozaun jagt er jetzt mehr Strom. Nachts macht er ein Radio laut an, damit die Wölfe verscheucht werden. Außerdem schaltet er eine Rundumleuchte ein, um mit Lichtsignalen das Rudel zu verscheuchen. Dazu passt er selbst auf.

Schlaflose Nächte auf der Weide

Schafsherde
Am Tage können die Schafe unbekümmert auf der Weide weilen, bei Nacht muss Schäfer Seide sie vor Wölfen schützen. Bildrechte: MDR/Yvonne Hensel

Jeden Abend fährt Seide mit seinem Wagen zur Weide, leuchtet das gesamte Gebiet ab, kontrolliert die Zäune und bleibt am Rand im Wagen. "Die Schafe waren nach dem letzten Wolfsangriff furchtbar durch den Wind", sagt Seide. "Seitdem kommen sie immer in die Nähe des Zauns, wo mein Auto steht. Hier legen sie sich nieder. Hier fühlen sie sich sicher."

Seide bewacht seine Schafe, hört auf jedes Geräusch. Nach ein paar Stunden fallen ihm fast die Augen zu, dann fährt er in eine Unterkunft in der Nähe, legt sich auf eine Pritsche – aber nur kurz – dann klingelt der Wecker und wieder geht es zur Weide.

Das Gefühl, das gerade jetzt etwas passieren könnte, macht mich hellwach, auch wenn ich weiter schlafen möchte.

Schäfer Frank Seide

Vierbeinige Unterstützung

Seit ein paar Tagen hat der Schäfer vierbeinige Unterstützung – von Arthus und Frieda. Die beiden Hunde stammen vom Herdenschutzhundezentrum in Wiesenburg. Sie kennen sich mit Schafherden aus. Der flauschige Arthus versuchte sofort, mit den Schafen Kontakt aufzunehmen. Doch die Schafe schrecken noch vor ihm zurück. "Sie sind traumatisiert, vermuten wohl einen Wolf im Schafspelz", meint Seide. Doch er hofft, dass die Hütehunde bald seinen Nachtjob übernehmen können. Das täte auch seiner Familie gut. Die sieht der Schäfer im Moment nur noch selten.

Schäfer Seide mit Hütehund
Schäfer Frank Seide mit einem seiner Hütehunde. Sie sollen nun seine Schafe vor Wölfen schützen. Bildrechte: MDR/Yvonne Hensel

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. Oktober 2018 | 11:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2018, 16:56 Uhr

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2 Kommentare

22.10.2018 15:45 Nordharzer 2

@1, volle Zustimmung. Manche müssen sich schnellstens von romantischen Träumereien verabschieden. Der Wolf gehört nicht zu unserer Natur, er GEHÖRTE dazu. Auch der Bär war hier einst heimisch, das ist Vergangenheit. Seitdem lebt hier ein mehrfaches an Menschen. Hier ist nicht die Wildnis Osteuropas oder Skandinaviens. Damit muss man sich abfinden, auch damit dass man den Bestand nicht unkontrolliert anwachsen lassen kann, ohne sich eine Vielzahl an Problemen heran zu züchten.

22.10.2018 09:15 K.Morasch 1

Ja so ist das. Die kleine Leute dürfen durch viel Arbeit und Leid die politischen Träumereien ausbaden. (Nicht nur beim Thema Wolf)
Die Politik wird wohl noch 20 Jahre brauchen bis sie den Wolf regulär bejagen lässt um eine verträgliche Populationsgröße zu erreichen. Solange werden viele Schäfer vermutlich nicht durchhalten.

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