Studienergebnis Ostdeutsche fühlen sich benachteiligt

Ostdeutsche sehen sich als Bürger zweiter Klasse, ebenso wie Muslime. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung. Dem stimmen auch von MDR SACHSEN-ANHALT befragte Wittenberger zu – mit Einschränkungen.

Ostdeutsche empfinden sich gegenüber Westdeutschen benachteiligt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Etwa jeder dritte Ostdeutsche nimmt sich demnach als Bürger zweiter Klasse wahr. Ähnlich bewerten sie die Lage der Muslime: Auch diese würden als zweitklassig behandelt, sagte ebenfalls etwa ein Drittel der befragten Ostdeutschen. Menschen in Ostdeutschland fühlten sich "unten platziert", so die DeZIM-Leiterin Naika Foroutan. Fast jeder zweite Ostdeutsche meinte demnach, dass sie deutlich mehr leisten müssten als Westdeutsche, um das Gleiche zu erreichen – ähnlich wie Muslime.

Foroutan sagte zudem, dass Ostdeutschen und Muslimen von Westdeutschen ähnlich oft vorgeworfen werde, sich ständig als Opfer zu sehen. Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) kritisierte, dass Migranten wie auch Ostdeutsche in der Kritik an ihrer Benachteiligung nicht ernst genommen würden. Stattdessen degradiere man sie zu "Jammerossis oder Opfern".

Ähnliches Stimmungsbild in Wittenberg

Bei einer Umfrage von MDR SACHSEN-ANHALT stimmten Wittenberger der Studie nur eingeschränkt zu. Einerseits fühlen sie sich Westdeutschen gegenüber durchaus ebenbürtig, gleichzeitig aber auch benachteiligt, gerade beim Thema Geld. Eine Wittenbergerin sagte: "In den alten Bundesländern liegen die Renten viel, viel höher. Einen Lehrer mit 1.000 Euro Rente gäbe es in den alten Bundesländern nicht."

Eine andere Befragte meinte: "Wir Ostdeutsche werden schon benachteiligt, das enttäuscht mich." Eine weitere Frau sagte: "Ich habe selbst zwölf Jahre in den alten Bundesländern gearbeitet und sehe, wie die Unterschiede sind."

Geschlossene Systeme im Westen

Die Unterschiede zwischen Ost und West beschäftigen auch Siegrun Höhne. Sie ist Studienleiterin an der Evangelischen Akademie in Wittenberg. Sie sagte, im alten Bundesgebiet gäbe es seit Jahrzehnten sogenannte geschlossene Systeme. Wer beispielsweise an einer bestimmten Bildungseinrichtung studiere, habe beste Chancen auf einen Spitzenjob. "In diese Systeme kommt man von außen nicht rein", so Höhne.

Ein Vergleich mit Muslimen sei tatsächlich möglich, sagte sie: "Wahrscheinlich sind für jemanden, der türkische Wurzeln hat und in der dritten Generation in Deutschland lebt, alle Türen verschlossen. Genauso wie Ostdeutschen, egal wie gebildet, intelligent, qualifiziert oder engagiert man ist."

Ungleichgewicht zwischen Ost und West

Auch Wittenbergs Bürgermeister Jochen Kirchner beklagt ein Ungleichgewicht. "Den Eindruck kann man haben, wenn man sich die Proportion der Chefposten anschaut, sowohl in der Verwaltung als auch in der Industrie." Für die gleiche Leistung westlich und östlich der Elbe würden immer noch unterschiedliche Gehälter gezahlt. "Das sollte kein Ergebnis der deutschen Vereinigung sein", so Kirchner.

Studie mit 7.200 Befragten

Für die Analyse der DeZIM mit dem Titel "Konkurrenz um Anerkennung" sind über 7.200 Menschen in West- und Ostdeutschland in Telefoninterviews befragt worden. Die Zahl der befragten Muslime war nicht repräsentativ. Aus der Studie ergeben sich noch weitere Fragen, wie die Forscher erklärten. Es bleibe etwa zu untersuchen, ob die Ergebnisse der Studie zum Teil mit Demokratieunkenntnis zu erklären seien.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 02. April 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. April 2019, 20:32 Uhr

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28 Kommentare

05.04.2019 11:18 Bernd 28

fuehle ich mich benachteiligt - nein. Aber es gibt Dinge die nerven. So die grundlose Ueberheblichkeit mancher Westdeutscher wie auch hier wieder zu finden. .

05.04.2019 11:11 Hans Frieder Leistner 27

@ Otto. Warum immer nur auf der CDU/CSU herumhacken? Ist ihnen nicht bekannt, daß 1989 am Tag des Mauerfalls der Westberliner Bürgermeister Momber (SPD) von historischer Lüge sprach? Wie war der SPD und Linke Vorsitzende Lafontain gegen die Wiedervereinigung. Wenn sich diese Herren durcvhgesetzt hätten wäre die ExDDR heute wirtschaftlich mit Rumänien und Bulgarien zu vergleichen.
Und dann ihre Meinung zu den CSU Ministern. Bayern ist das Bundesland, das über die Hälfte des LFA zahlt. Wäre das mit Luschen möglich? Lesen sie mal meinen Beitrag von gestern.

05.04.2019 10:53 Dieter 26

Otto 25:
Ich stimme ihnen zu, aber die Ausfälle im Kabinett sind anderswo (UvL, Karlicek, Maas, Widman-Kauz, Schulze etc) und nicht unbedingt die CSU-Minister.--

Verehrte Foristen, bitte springt nicht über jedes Stöckchen, das Mediator, Peter und Co hinhalten.
Das ist es genau, was die beiden wollen. Jedes Forum braucht auch seine Trolle zur Erheiterung.

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