Landkreis Wittenberg Nach Tötung eines Rentners: Massengentest in Zahna-Elster beginnt

Mit einem Massengentest will die Polizei in Zahna-Elster ein Tötungsverbrechen aus dem Jahr 2019 aufklären. In den kommenden Tagen sollen 1.900 Männer untersucht werden.

Das Bild eines älteren Mannes
Mit Hilfe eines Massengentests soll der Tod von Wolfhard L. aufgeklärt werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Zahna-Elster im Landkreis Wittenberg hat am Montag ein Massengentest für 1.900 Männer begonnen. Am Montag sind alle Betreffenden per Post informiert worden. Im Laufe der Woche will die Polizei dann von Haus zu Haus ziehen, um jeden männlichen Bewohner ab 15 Jahren um eine Speichelprobe zu bitten. Die Ermittler beginnen dabei in Zahna-Nord, also im unmittelbaren Umfeld des Opfers. Gibt es dabei keinen Treffer, soll nach und nach der Radius auf die ganze Stadt und die Ortsteile ausgeweitet werden.

Mit der Aktion soll ein Tötungsverbrechen aufgeklärt werden. Im Januar 2019 war der Rentner Wolfhard L. von seiner morgendlichen Runde mit seinem Hund nicht zurückgekehrt. Einen Tag später wurde der 77-Jährige tot an einem Flutgraben entdeckt. Der Mann ist ertrunken, ihm wurden zuvor mit stumpfer Gewalt schwere Verletzungen zugefügt. An der Leiche konnten die Ermittler bislang unbekannte DNA-Spuren sichern.

#MDRklärt: Massengentests

Mit Substanzen gefüllte Petrischalen, mit Schrift im Vordergrund.
Bildrechte: MDR/imago/Science Photo Library
Mit Substanzen gefüllte Petrischalen, mit Schrift im Vordergrund.
Bildrechte: MDR/imago/Science Photo Library
Eine Grafik, mit dem Umriss einer auf dem Boden liegenden Person, einem blaugefärbten Mann und einer Frau.
Bildrechte: MDR
Eine Grafik, bei der im Hintergrund das Abbild von Justitia zu sehen ist und im Vordergrund ein blauer Richter-Hammer.
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Eine Grafik, auf der sechs Männer zu sehen sind, von denen fünf ein blaues und einer ein rotes Blatt halten.
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Eine Grafik mit Schrift, bei der eine männliche Person im Fokus einer übergroßen Lupe ist.
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Eine Grafik, bei der ein Mann ein Blatt in einen Papier-Schredder gibt.
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Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. März 2020 | 07:30 Uhr

Quelle: MDR/fl
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Teilnahme ist freiwillig

Die Polizei weist daraufhin, dass die Teilnahme an dem Gentest freiwillig ist. Angeordnet wurde er vom Amtsgericht Dessau. Eine Übereinstimmung der DNA würde nach Polizeiangaben nicht automatisch bedeuten, dass es sich auch um den Täter handelt. Aber natürlich würden sich dadurch neue Ermittlungsansätze ergeben. In etwa zwei Wochen sollen die Ergebnisse vorliegen. Mit Abschluss der Untersuchungen sollen die Ergebnisse aller "negativ-Untersuchten" – also derjenigen, deren DNA nicht mit den gefundenen Spuren übereinstimmt – gelöscht werden.

Gentests werden laut Behörden ausschließlich nach Schwerverbrechen durchgeführt. Bei Männern ist das demnach meistens bei Sexualstraftaten oder Kapitaldelikten wie Mord oder Totschlag der Fall. Aufgrund des sozialen Drucks würden oft auch die Täter teilnehmen, erklärte Oberstaatsanwalt Hans-Jürgen Neufang, als er zu einem anderen Fall befragt worden war.

Staatsanwalt: "Gentest sorgen für Druck der Umwelt"

Im Zuge eines Gentests in Weißenfels, wo ein getöteter Säugling gefunden wurde, sagte Neufang MDR SACHSEN-ANHALT: "Viele Leute glauben, dass der Täter nicht mitmacht. Aber wenn man sieht, wie oft die Untersuchungen bei männlichen Tatverdächtigen wie Sexualstraftätern erfolgreich waren, wird man ganz schnell eines Besseren belehrt. Das ist auch so ein bisschen Druck der Umwelt. Wenn wir bekanntgeben, dass wir beispielsweise alle 18 bis 20-jährigen zum Test bitten, dann ist das auch der Druck: "Warst du schon beim Test?", "Warum nicht?"." Zudem würde die Polizei anschließend überprüfen, warum jemand nicht an einem derartigen Test teilgenommen habe.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. März 2020 | 07:30 Uhr

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