Zwei Schüler imitieren eine Wolfsbegegnung vor einer Tafel im Klassenzimmer
Die Schüler imitieren eine Begegnung mit dem Wolf, um besser vorbereitet zu sein, wenn die Situation tatsächlich eintritt. Bildrechte: Larsen Sechert

Aufklärung in der Schule Keine Angst vorm Wolf

Er sorgt vielerorts für Angst und Schrecken: der Wolf. Seit sich wieder mehrere Rudel in Sachsen-Anhalt angesiedelt haben, ebben die Diskussionen nicht ab. Schäfer klagen, Kleintierhalter sind besorgt, Spaziergänger meiden den Wald. Von einem normalen Umgang mit den Raubtieren ist die Gesellschaft weit entfernt. Ein Schulprojekt im Kreis Wittenberg soll da nun für Abhilfe sorgen.

von Martin Krause, MDR SACHSEN-ANHALT

Zwei Schüler imitieren eine Wolfsbegegnung vor einer Tafel im Klassenzimmer
Die Schüler imitieren eine Begegnung mit dem Wolf, um besser vorbereitet zu sein, wenn die Situation tatsächlich eintritt. Bildrechte: Larsen Sechert

Sie heulen wie die Wölfe. Maria, Amelie und Nick stehen in einem Klassenraum der Sekundarschule in Kemberg. Eifrig und mit großer Freude imitieren die Kinder den Ruf des Raubtieres.

Erste Erfahrungen mit dem Wolf

Die Elfjährigen haben ihre eigenen Erfahrungen mit Wölfen gesammelt. Nick hat in der Dübener Heide sogar schon einmal einen Wolf gesehen: "Ich war erschrocken, aber es war nicht so schlimm, dass ich eine Wechselhose brauchte", sagt der aufgeweckte Kemberger lachend.

Amelie und Maria haben ähnliches erlebt. "Bei unseren Nachbarn war der Wolf auf der Weide, hat viele Schafe gerissen". Allein im Wald fühlen sich die beiden Mädchen schon ein wenig unwohl, seit es wieder Wolfsrudel in der Dübener Heide gibt.

Aufklärung gegen Urängste

Diese Sorgen und Vorbehalte kennt Larsen Sechert. Der 42-Jährige ist Theaterpädagoge und leitet die Wolfsprojekte an den Schulen im Kreis Wittenberg. "Der Wolf an sich ist ja nicht böse, wir projizieren in den Wolf viele Dinge, die in uns sind". Diesen Urängsten setzt Sechert Aufklärung entgegen.

Er hat gemeinsam mit dem Naturparkverein Dübener Heide ein Konzept für Schulen entwickelt. Dabei sollen die Kinder sich ein eigenes Bild machen, sie sollen umfassend über den Wolf informiert werden. Sechert nutzt dabei spielerische Mittel. Im Kurs schlüpfen die Schüler in verschiedene Rollen. Maria trägt einen Wolfspelz, schleicht dabei durch den Raum.

Schüler in einem Klassenzimmer ziehen Grimassen
Die Kinder an der Kemberger Schule zeigen Zähne – sie haben keine Angst mehr vor dem Wolf. Bildrechte: Larsen Sechert

Eigene Meinung ohne Vorbehalte bilden

"Der Wolf ist ein Raubtier, weil die Augen nach vorn gerichtet sind". Dafür bekommt Nick Lob vom Theaterpädagogen. Sechert fragt die Kinder nun, ob die Wölfe den Mond anheulen. "Nein, sie verständigen sich so", sagt die Elfjährige Amelie. Wieder nickt der Projektleiter. Dann gibt es ein neues Spiel. Diesmal sollen die Kinder überlegen, wie sie den Wolf finden, wenn sie Schafzüchter, Politiker, Jäger oder Naturschützer wären. Unaufgeregt und sachlich tauschen sie in der anschließenden Diskussion Argumente aus. Sechert ist zufrieden: "Die Kinder können sich nun ohne Vorbehalte eine eigene Meinung bilden, das ist ja das Ziel des Projekts".

Kein Einzelprojekt

Der Kurs an der Kemberger Schule ist gut besucht. Der Bedarf ist groß: "Der Wolf ist in der Dübener Heide ständig Gesprächsthema in den Familien, dabei gibt es auch viele Fehlinformationen", sagt Lehrerin Ute Ammerschuber. Sie und auch viele Eltern finden gut, dass das Projekt bereits vielerorts in der Dübener Heide angeboten wird, etwa in Tornau, Rösa, im sächsischen Bad Düben und eben in Kemberg. Hier haben die Kinder inzwischen viel über den Wolf erfahren. Auch wie man sich verhält, wenn man im Wald einem Rudel begegnet. "Da mach ich mich einfach groß und schreie laut Bockwurst – das versteht der Wolf nicht, aber er erschreckt sich". Der Elfjährige Nick hat nach den Projektstunden jedenfalls keine Angst mehr vor den scheuen Raubtieren.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – das Radio wie wir | 09. April 2019 | 10:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2019, 14:06 Uhr

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28 Kommentare

11.04.2019 08:15 Kritiker 28

@Thorsten Hardel, ich bin jetzt ganz bei Ihnen, denn nur nicht gut überlegende Kinder begrüßen naiv das Wolfsprojekt. Wo Licht ist, ist auch Schatten und das der Wolf nicht nur ein harmloses Kuscheltier ist sollte eigentlich jedem vernünftigem Menschen klar sein.

10.04.2019 18:14 Thorsten Hardel 27

Wenn man hier so einige Kommentate liest, vom erneuten Ansiedeln des Wolfes oder mit Wiederansiedlung von Dinosauriern vergleicht, wird verständlich, warum sich solche Projekte schlecht für Erwachsene eignen. Mit den gefestigten Fehlinformationen und Vorurteilen der Großen, würde sich so ein Projekt ewig hinziehen. Tolle Sache und sinnvolle Aufklärung unbelasteter Kinder.

10.04.2019 15:59 Kritiker 26

Langsam muss man sich fragen, wann der Säbelzahntiger oder der Thyrannus Saurus Rex wiederbelebt und ausgesiedelt wird. Gibt bestimmt auch dafür noch Befürworter.

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