Mehrere kleine bunte Bilder hängen an einer Wand
"Nicki" war früher eine gängige Bezeichnung für T-Shirts. Bildrechte: MDR/ André Damm

Ausstellung Wortschätze in der Stadtbibliothek Wittenberg

Es gibt Wörter, die hört man nur noch selten. Oder sie verschwinden komplett, weil sie gar nicht mehr genutzt werden. In Wittenberg kann man sich besondere Wortschätze nun ansehen.

von André Damm, MDR SACHSEN-ANHALT

Mehrere kleine bunte Bilder hängen an einer Wand
"Nicki" war früher eine gängige Bezeichnung für T-Shirts. Bildrechte: MDR/ André Damm

"Tausendsassa", "Oheim" oder auch "Zwicker" – es gibt Wörter, die mit den Jahren verschwinden. Sie kommen abhanden, weil sie einfach nicht mehr genutzt werden. Solche besonderen Wortschätze werden derzeit in der Wittenberger Stadtbibliothek in einem separaten Raum präsentiert. Der Verein der Wittenberger Bücherfreunde hatte im Reformationssommer dazu aufgerufen, selten gewordene Wörter zu sammeln. In der kleinen, aber feinen Schau in Wittenberg stößt man so wieder auf die netten Begriffe "blümerant" oder "bauchpinseln". Vor nicht allzu vielen Jahren gehörten sie noch zur Alltagssprache, drückten aus, wenn sich jemand komisch fühlt oder nicht gerade uneigennützig Komplimente verteilt.

Kinder haben Bilder gemalt

Insgesamt 75 derartige Wortschätze sind in der Stadtbibliothek zu betrachten – dank der Kinder von der Cranach-Malschule konnten sie kunstvoll in Bildern eingebettet werden. Die Bilder hängen an einer Schnur im Ausstellungsraum. Man kann und sollte sie umdrehen. Während auf der Vorderseite zum Beispiel ein vermummter Mann mit Geldsack wegrennt, steht auf der Rückseite das Wort "Halunke". Das ist das Prinzip. Und das funktioniert. Denn jeder in der Ausstellung fragt sich natürlich, wann er das letzte Mal Wörter wie "Naseweis", "Augenstern", "Posemuckel" oder "Backfisch" benutzt hat. Bei "Backfisch" ist übrigens nicht die Ware aus dem Fischgeschäft gemeint, sondern ein heranwachsendes unreifes Mädchen.

Wörter vor dem Vergessen bewahren


Ein Mann schmiert sich mit einem Pinsel Farbe auf den Bauch
Die Wittenberger Stadtbibliothek stellt selten genutzte Wörter aus, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Ein Beispiel ist "bauchpinseln", also jemandem nicht ganz uneigennützig schmeicheln. Bildrechte: MDR/ André Damm
Ein Mann schmiert sich mit einem Pinsel Farbe auf den Bauch
Die Wittenberger Stadtbibliothek stellt selten genutzte Wörter aus, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Ein Beispiel ist "bauchpinseln", also jemandem nicht ganz uneigennützig schmeicheln. Bildrechte: MDR/ André Damm
Mehrere kleine bunte Bilder hängen an einer Wand
Kinder der Cranach-Malschule haben die Wörter kunstvoll in Bildern eingebettet. Bildrechte: MDR/ André Damm
Mehrere kleine Bilder hängen an einer Wand, darauf stehen zum Beispiel die Worte "Kaffeekränzchen" und "Halunke"
Die Bilder hängen an einer Schnur im Ausstellungsraum. Während auf der Vorderseite zum Beispiel ein vermummter Mann mit Geldsack wegrennt, steht auf der Rückseite das Wort "Halunke". Bildrechte: MDR/ André Damm
Auf einer Papierrolle stehen unterschiedliche Worte, zum Beispiel "Shitstorm", "Selfiestick" und "simsen"
Gezeigt werden aber auch Begriffe, die zuletzt modern wurden. Bildrechte: MDR/ André Damm
Regale voller Bücher in der Wittenberger Stadtbibliothek
Insgesamt kann man 75 Wortschätze in der Stadtbibliothek betrachten – und wenn man schon mal da ist, auch in dem ein oder anderen Buch schmökern. Bildrechte: MDR/ André Damm
Die Wittenberger Stadtbibliothek von außen
Die Ausstellung soll einige Monate in der Wittenberger Stadtbibliothek zu sehen sein. Der Eintritt ist frei.

Dieses Thema im Progamm:
MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. März 2018 | 14:40 Uhr

Quelle: MDR/kb
Bildrechte: MDR/ André Damm
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Heutzutage viele Anglizismen

Kathrin Hanß, die Leiterin der Wittenberger Stadtbibliothek, war von einigen Wortschätzen überrascht: "Da ist das Wort Nicki. Das war früher die Bezeichnung für T-Shirts. Jeder hat damals Nicki dazu gesagt. Heutzutage gibt es diesen Begriff gar nicht mehr. Er ist verschwunden, verloren gegangen."

Für die Chefin der Bibliothek sind die neue Begrifflichkeiten auch eine Generationenfrage. Um zu den jungen Besuchern eine Brücke zu schlagen, steht in einer Ecke der Ausstellung ein auffälliges Kunstwerk. Ein Mund, aus dem sich mit einer Kurbel beschriebenes Papier herausdrehen lässt: Und plötzlich sind sie da – die Wörter der Neuzeit wie "Hashtag", "spammen" und "Brexit". Für die Jugend von heute ist das absolut kein Firlefanz.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. März 2018 | 14:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. März 2018, 10:44 Uhr

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1 Kommentar

09.03.2018 13:10 Hartmut 1

Ich werde die Asstellung auf jeden Fall besuchen.
Hier ein kleiner Beitrag von mir: Schapanettchen.
Ausdruck für Jacke. Vielleicht kennt es ja Jemand.
MfG