Ein Backsteinhaus
Das Oberlandesgericht soll entscheiden, ob die Zwangsräumung des "Königreichs" von Peter Fitzek rechtmäßig war. (Archivbild) Bildrechte: MDR/André Damm

Ehemaliges Klinikgelände bei Wittenberg Zwangsräumung des "Königsreichs" geht in nächste Instanz

Die Zwangsräumung eines ehemaligen Klinikgeländes bei Wittenberg geht in die nächste Instanz. Das Gelände, auf dem der selbsternannte König von Deutschland, Peter Fitzek, sein Reich ausgerufen hatte, ist laut Landgericht Dessau unrechtmäßig zwangsgeräumt worden. Nun soll das Oberlandesgericht entscheiden.

Ein Backsteinhaus
Das Oberlandesgericht soll entscheiden, ob die Zwangsräumung des "Königreichs" von Peter Fitzek rechtmäßig war. (Archivbild) Bildrechte: MDR/André Damm

Die Zwangsräumung des ehemaligen Klinikgeländes bei Wittenberg geht in die nächste Instanz. Das Gelände, auf dem der selbsternannte König von Deutschland, Peter Fitzek, sein Reich ausgerufen hatte, ist im Mai 2017 zwangsgeräumt worden. Das Landgericht Dessau urteilte, dass die Räumung unrechtmäßig war. Das Gericht gab damit den 18 Mietern Recht, die ihre Wohnung verlassen mussten und gegen die Räumung geklagt hatten. Nun soll das Oberlandesgericht in Naumburg den Fall erneut entscheiden. Das erfuhr MDR SACHSEN-ANHALT vom Projektentwickler für den aktuellen Besitzer des Grundstücks, Helmut Rehhahn. Das Gelände gehört der Firma Wittenberg Gemüse.

Mögliche Schadensersatzansprüche der ehemaligen Mieter

Der frühere Landwirtschaftsminister Rehhahn hat für Wittenberg Gemüse 2017 das Gelände über einen Insolvenzverwalter für mehr als 600.000 Euro erworben. Rehhahn sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass die 18 Mieter nun womöglich Schadensersatz geltend machen könnten. Eine Rückkehr der Mieter in die Wohnungen sei aber keine Option.

Käufer Rehhahn zeigte sich im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT gelassen. Wittenberg Gemüse habe das Gelände zwar gekauft, um dort polnische Erntehelfer unterzubringen. Die Zwangsräumung sei jedoch nicht von der Firma veranlasst worden, sondern vom Insolvenzverwalter. Mit etwaigen Schadensersatzansprüchen müsse sich daher der Insolvenzverwalter auseinandersetzen.

Gelände gehörte Peter Fitzek

Das ehemalige Klinikgelände hatte zuvor dem Wittenberger Fitzek gehört. Dieser hatte das Gelände 2012 zu seinem Reich erklärt – und sich selbst zum König. Die Raten für das Grundstück soll er aber nie abbezahlt haben. Fitzek sitzt derzeit im Gefängnis. Zuletzt ist er im August 2017 zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden: Er hatte unter anderem ohne Genehmigung mit einer Art eigenen Krankenkasse 360.000 Euro eingenommen.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. April 2018 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. April 2018, 14:28 Uhr

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2 Kommentare

06.04.2018 15:21 Jens Horn 2

"Er hatte unter anderem ohne Genehmigung mit einer Art eigenen Krankenkasse 360.000 Euro eingenommen. " Man könnte auch sagen, er hat eine Krankenkasse gegründet mit einem Fond i.H.v. 360.000 Euro für seine Gefolgschaft. Das hat nicht er sich in die Tasche gesteckt.

06.04.2018 13:33 Enrico Pelocke 1

Das müßte auch Insolvenzverwaltern und Amtsrichtern bekannt sein: Kauf bricht Miete nicht. Das hätte auch ich ihnen sagen können. Dazu hätte es keine Richter bedurft. Bei Eigentümerwechsel von Grundstück bzw. Haus bleiben die Mietverträge gültig. Der neue Eigentümer tritt als Vermieter in die Rolle des alten Eigentümers. Er kann dann höchstens auf Eigenbedarf klagen. Schlimm, wenn nicht nur der Insolvenzverwalter, sondern auch der Amtsrichter keine Ahnung von den Gesetzen haben.