Wünsche an die Landesregierung So wollen junge Sachsen-Anhalter die Digitalisierung

Rund 30 Jungen und Mädchen zwischen 12 und 27 Jahren haben eine Woche lang in Wolmirstedt diskutiert und Forderungen an die Politik formuliert. Die will sich nun teilweise der Ideen annehmen.

von Christine Warnecke, MDR SACHSEN-ANHALT

Junge Menschen sitzen auf Stühlen
Beim "Digicamp" werden Ideen für die digitale Zukunft in Sachsen-Anhalt gesammelt. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

"Gegen Fake News vorgehen" steht auf einem roten Pappschild an einer Flip Chart. Mehr Projektarbeiten statt Frontalunterricht, mehr Beamer und Whiteboards auf anderen Schildern. Aber auch: Lehrer im Umgang mit Medien bilden und Datenschutz erklären, mehr öffentliches WLAN, oder ein Medizintechnik-Studiengang, der Digitales und medizinische Forschung verbindet. Die Ideen und Wünsche junger Sachsen-Anhalter sind so vielfältig wie ihre persönlichen Hintergründe.

Notizen auf einer Flip Chart
Die Ideen sind vielfältig. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Fünf Tage lang haben sie Ideen gesammelt, diskutiert, dutzende Plakate und Karteikarten beschrieben. Am Freitagnachmittag dann bekamen sie Besuch von drei Politikerinnen der SPD, der Linken und der Grünen sowie Vertretern des Bildungs-, Sozial- und Wissenschaftsministeriums. "Sie haben dem Engagement und den vielen Ideen vor allem Respekt gezeigt", resümiert Organisatorin Juliane Jesse von fjp-media, der Verband junger Medienmacher Sachsen-Anhalt.

Mehr Camps, mehr Ideen und Diskussionen

Einige Ideen sollen nun konkret werden. Eine ist, die "Mediascouts" der fjp-media auszuweiten. Junge Menschen, die mit dem Internet umgehen können, könnten anderen – auch Lehrern – Fortbildungen geben. Auch die Uni und das Bildungsministerium könnten in dieses Netzwerk einbezogen werden. Auch soll zusammen mit dem Bildungsministerium versucht werden, ein "Open Education Ressources"-Camp nach Sachsen-Anhalt zu holen. Der Verein bietet digitale und offene Lern-Materialien an – für mehr digitale Lehrmethoden. "Das sind konkrete Ansatzpunkte – wir brauchen aber noch mehr Camps, weil die Themen so vielfältig sind", betont Jesse.

Forderung nach Medien-Ausbildung für Lehrer

Das "Digicamp" ist ein Ergebnis der digitalen Agenda, die die Landesregierung letztes Jahr verabschiedet hat. Einmal im Jahr sollen nun junge Interessierte den Stand der Digitalisierung diskutieren und Vorschläge machen.  Vieles dreht sich bei der ersten Auflage um Schule und Bildung. "Es ist doch schwierig, dass die Lehrer nicht richtig im Umgang mit Medien geschult werden", sagt Malte Stolpe, Medienpädagogikstudent aus Magdeburg. "Man müsste ihnen erklären, warum das so wichtig ist und könnte die Schüler so mehr abholen. Es ist doch paradox: Sie können kaum 45 Minuten im Unterricht stillsitzen – aber sechs Stunden am Handy ist kein Problem."

"Viel auf der Strecke geblieben"

Junger Mann in einem Raum
Malte Stolpe wünscht sich, dass Lehrer im Umgang mit Medien besser geschult werden. Bildrechte: MDR/Christine Warnecke

Für Stolpe liegt ein weiteres Problem darin, dass vorhandene Möglichkeiten nicht genutzt werden. "Aus Pizzakartons und zwei Linsen, also einem Aufwand von drei Euro, kann man sich zum Beispiel eine Virtual Reality-Brille basteln. Die, die über digitale Projekte entscheiden, wissen aber leider oft nicht, was alles möglich ist."

Und manchmal fehlt wohl auch der Mut, etwa für eine Bildungsreform generell. "Skandinavische Länder haben Fächer abgeschafft, Stunden gestrichen, erlauben weniger Hausaufgaben – und stehen trotzdem bei der PISA-Studie oben", erzählt der Student. Auch andere Länder seien sehr viel weiter: "Ein Freund von mir hat in einem litauischen Kloster Glasfaserkabel verlegt. Davon können wir in Deutschland und Sachsen-Anhalt doch meist nur träumen." Litauen forciere digitale Themen aber auch schon seit Jahren – in Deutschland sei da vieles auf der Strecke geblieben.

Vielleicht wird nun manches mehr angeschoben, hofft auch Juliane Jesse. "Es wird in den nächsten Wochen eine zehnseitige Zusammenfassung geben, die wir den Ministerien zukommen lassen. Was dann passiert, werden wir sehen." Es soll nicht das erste und letzte "Digicamp" gewesen sein.

Christine Warnecke
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über die Autorin Christine Warnecke ist gebürtige Niedersächsin und arbeitet seit September 2017 bei MDR SACHSEN-ANHALT für die Radio- und Online-Redaktion, insbesondere das Studio Magdeburg. Davor hat sie in Praktika bei der Bild-Zeitung Hannover, bei Radio mephisto 97.6 und der Zeitung "Costa del Sol"-Nachrichten in Spanien Erfahrung gesammelt. Sie studierte Journalistik an der Universität Leipzig und volontierte bei der Neuen Westfälischen Zeitung in Bielefeld. Nach diesem Abstecher in den Teutoburger Wald fühlt sie sich nun fast überall nahe der elbischen Fluten wohl.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Juli 2018 | 12:06 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2018, 20:44 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.