Digital leben | Folge 18 Green Tech – Verschlimmert die Digitalisierung den Klimawandel oder kann sie ihn bekämpfen?

Klimawandel und Nachhaltigkeit sind in aller Munde. Doch während uns die Digitalisierung die Informationen über diese liefert, ist sie gleichzeitig eine der stärksten Stromfresser weltweit. Lässt sich dagegen etwas tun?

Marcel Roth
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Marcel Roth, MDR SACHSEN-ANHALT

#Warum reden wir darüber?

Fridays for Future, ein Youtuber, der der Bundesregierung komplettes Versagen beim Klimaschutz vorwirft und Bündnis90/Die Grünen, die gerade erstaunliche Wahlergebnisse und Umfragewerte liefern – Klimawandel, Nachhaltigkeit und unser Wirtschaften liegen als Themen auf dem Tisch, auch in der IT. Mit stromsparendem Programmieren haben sich zum Beispiel auch die Magdeburger Developer Days im Mai beschäftigt.

Experten schätzen, dass bald ein Fünftel des weltweiten Strombedarfs auf den IT-Sektor entfällt. Die Energie, die Internet, Video-Streaming, das Aufladen unserer Smartphones und so weiter benötigen, würde so viel Kohlendioxid erzeugen wie der weltweite Flugverkehr. Lässt sich dagegen etwas tun? Gibt es Ideen aus Sachsen-Anhalt dazu? Oder schädigt allein die Rohstoffgewinnung für Rechner, Bildschirme, Kopfhörer und Smartphones die Umwelt?

#Wen haben wir getroffen?

Zu Gast bei "Digital leben" ist Marina Köhn, die beim Umweltbundesamt für Green-IT zuständig ist. Ihr ist vor allem lahme Software ein Dorn im Auge, denn während die Hardware immer effizienter geworden ist, würde die Software immer langsamer. Neben ihr im Studio sitzt Christian Kroll. Er hat die Suchmaschine ecosia in Wittenberg gegründet. Für sämtliche Gewinne von ecosia werden Bäume gepflanzt – bislang fast 60 Millionen. Ecosia nutzt ausschließlich Ökostrom und will klimaneutral sein. Für Christian müssen Wirtschaft und Klimaneutralität kein Widerspruch sein – gerade in der IT.

Getroffen haben wir Dr. Siegmar Otto von der Uni Magdeburg. Er ist Umweltpsychologe und sagt, beim Umweltschutz geht es vor allem um Motivation. Wie motiviert ist jemand, nicht mit dem Flugzeug in den Urlaub zu fliegen, Ökostrom zu beziehen oder weniger Fleisch zu essen? Otto sagt auch, dass die Menschheit und ihre Werkzeuge schon immer in einer Art Effizienzfalle sitzen: Denn jedes Mal, wenn wir etwas effizienter machen, wird mehr davon hergestellt. Weil zum Beispiel Bildschirme heute effizienter hergestellt werden können als früher, besitzen wir heute so viele wie noch nie. Und weil mit der Effizienz auch immer der Komfort kommt, ist es oft so schwierig, sich umweltverträglich zu verhalten.

#Was hat uns überrascht?

Wie einfach es ist, digitale Technologien ökologisch zu verdammen. Und: Wie einfach es ist, mit digitalen Technologien ökologisch Sinnvolles zu tun. Schließlich werden die Rohstoffe für jede Hardware kaum ökologisch und sozial gewonnen – auf der anderen Seite kann Ecosia damit Geld verdienen, um Bäume zu pflanzen. Überrascht hat uns auch, dass "Green IT" in der Digitalen Agenda Sachsen-Anhalts praktisch nicht vorkommt. Es finden sich nur blumige Worte, um Unternehmen beim Austausch alter Geräte zu unterstützen und die Feststellung, dass digitale Technologien in der Landwirtschaft die Umwelt ökologisch entlasten können.

#Und sonst so?

Auch in Sachsen-Anhalt gibt es die eine oder andere ökologisch sinnvolle Idee, die nur dank der Digitalisierung entstehen kann oder konnte. Netzbetreiber und Stromerzeuger Avacon zum Beispiel will Strom aus Windkraft speichern und erprobt Wasserstoff und Batteriespeicher. Denn gerade in der Altmark stehen die Windkrafträder an vielen Tagen still, weil der Strom nicht abtransportiert werden kann.

Batteriespeicher entwickelt auch Tesvolt aus Wittenberg. Das Besondere: Das intelligente Batteriemanagement von Tesvolt analysiert die Batterie und verteilt den Strom von den stärkeren auf die schwächeren Speicherelemente. Das führt dazu, dass der komplette Strom auch tatsächlich benutzt werden kann.

Damit Rohstoffe länger genutzt werden können, hat Lubey aus Halle eine Onlineplattform für Abfälle und Sekundärrohstoffe entwickelt. Das Unternehmen will Abfälle als Wertstoffe behandeln und sorgt sich auch darum, wie sich solche Wertstoffe möglichst nachhaltig transportieren lassen, in dem der Transport entsprechend geplant wird. Und bei Kilenda aus Magdeburg können Eltern Kinderklamotten mieten und so dafür sorgen, dass Kinderklamotten nachhaltiger genutzt werden.

Achja, und Sängerin/Songwriterin Alexa Feser lässt uns auf ihr Smartphone blicken.

Marcel Roth
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über Marcel Roth Marcel Roth arbeitet seit 2008 als Redakteur und Reporter bei "MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir". Nach seinem Abitur hat der gebürtige Magdeburger Zivildienst im Behindertenwohnheim gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und in München die Deutsche Journalistenschule absolviert. Anschließend arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk in Köln. Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Außerdem ist er Gastgeber des MDR-SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben".

#Wo der Podcast zu hören ist:

Quelle: MDR/pat

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Zuletzt aktualisiert: 03. Juli 2019, 19:44 Uhr

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