Digital leben | Folge 1 Wie Bitcoin die Wirtschaft verändert

Wie eine komplizierte Technologie Banken, Versicherungen, öffentliche Register und die Wirtschaft verändern könnte: In Folge 1 von Digital leben sprechen Marcel Roth und Stephan Schulz über Bitcoins und Blockchains.

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#Warum reden wir darüber?

Drama, Krimi und Goldrausch: Bitcoins war die perfekte Geschichte für die Medien. Der Hype treibt den Kurs der bekanntesten Kryptowährung auf schwindelerregende Höhen, Kriminelle klauen Bitcoins, Staaten verbieten sie und schließlich fällt der Kurs massiv.

Bitcoin
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Bitcoins Der Bitcoin entstand auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, funktioniert völlig unabhängig von jeder Bank und gilt als fälschungssicher. Angeblich hat ihn ein japanischer Programmierer vor neun Jahren entwickelt. Im Internet kann jeder Bitcoins kaufen. Sie werden auf Smartphone oder Computer in einer digitalen Brieftasche, dem Wallet, gespeichert. Viele Banken halten nichts von dem digitalen Geld. Zum einen, weil damit wild spekuliert wird. Zum anderen, weil die Finanztransaktionen unabhängig von den Banken erfolgen und anonym sind. Die Anonymität zieht auch Kriminelle an, die im Darknet mit Bitcoins zum Beispiel Waffen oder Drogen kaufen. In Deutschland hat das Bundesfinanzministerium klargestellt, dass Umtausch und Verwendung von Bitcoins umsatzsteuerfrei sein. Bitcoins sind hierzulande also Zahlungsmittel, zumindest eine Rechnungseinheit, eine Art privates Geld.

#Wen haben wir getroffen?

Auch Sachsen-Anhalter spekulieren mit Bitcoins oder sehen sie als Wertanlage. Stephan hat sogar einen Mann getroffen, der fest davon überzeugt ist, dass ein Bitcoin irgendwann eine Million Euro wert sein wird. Experten hingegen sind uneins, was sie von Kryptowährungen halten sollen. Manche warnen davor, weil es keinen reellen Gegenwert gibt, andere sagen, jeder muss sich mit der Technologie dahinter auskennen, allen voran die Banken. Marcel hat den Unternehmensberater Alexander Henk getroffen. Er sagt: Wenn Bankmanager noch nie etwas von der Blockchain gehört hätten, sei das so, als wüssten Automanager nicht, was ein Elektromotor sei. Blockchain ist auch ein Thema für die Linken-Bundestagsabgeordnete Petra Sitte aus Halle. Sie ist im politischen Beirat des relativ neuen Bundesverbandes Blockchain, der sich für die Technologie einsetzt. Sitte kennt viele Beispiele, wo die Blockchain-Technologie unser Zusammenleben verändern kann.

Blockchain Die Blockkette, deutsch für Blockchain, ist eine verteilte Datenbank. Sie enthält Informationen über Transaktionen. Sie ist also eine Art digitales Kassenbuch oder Register. In ihr kann zum Beispiel stehen, wer wem wie viel Geld überwiesen hat, wer wem ein Auto verkauft hat oder wer wie viel Strom verbraucht. Diese Informationen werden verschlüsselt und ständig als Block an die Datenbank gehängt. Die Blockchain ist auf den Rechnern aller Beteiligten gespeichert. Und weil jeder neue Block auf die vorhergehenden Blöcke aufbaut, würde sofort auffallen, wenn jemand versucht, die Blockchain zu manipulieren.

#Was hat uns überrascht? Was haben wir gemacht?

An Bitcoins zu kommen, ist ziemlich einfach. Wir haben es ausprobiert. Stephan hat seinen 50-Euro-Einsatz wieder komplett aus dem System geholt und trotzdem noch einen Bruchteil eines Bitcoins in seinem Wallet. Marcels 50 Euro sind derzeit keine 30 mehr wert.

Überrascht hat uns, dass auch ein Magdeburger Professor an einer Blockchain baut. Professor Elmar Lukas von der Uni Magdeburg schaut sich Initial Coin Offerings an: Wenn Firmen mithilfe der Blockchain Geld sammeln, ist das eine neue Art von Crowdfunding, sagt Prof. Lukas.

Marcel Roth
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Marcel Roth Ich bin 1977 in Magdeburg geboren und zwölf Jahre lang in Cracau zur Schule gegangen. Das alles ohne Handy. Aber ab der elften Klasse mit einem Computer. Der war türkisgrün. Wirklich! Nach dem Abi habe ich in einem Behindertenwohnheim Zivildienst gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und an der Deutschen Journalistenschule in München Journalismus gelernt. Beim WDR in Köln habe ich Radio gemacht und bin seit 2008 Redakteur und Reporter beim Radio von MDR SACHSEN-ANHALT. Das Display meines ersten richtigen Smartphones hat nach drei Wochen Bekanntschaft mit dem Kopfsteinpflaster auf dem Werder in Magdeburg gemacht und sich dann verabschiedet.
Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichte ich über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Über alles also, was wir mit neuen Technologien anstellen und was die Technologien mit uns anstellen. Weil das viel mehr ist, als ins Radio passt, rede ich mit meinem Super-Radiokollegen Stephan Schulz und mit Sachsen-Anhaltern einmal im Monat darüber, in "Digital leben – ein Podcast von MDR SACHSEN-ANHALT".

#Wo der Podcast zu hören ist

Ein Mikrofon in Nahaufnahme. Im Vordergrund sind die Logos von MDR SACHSEN-ANHALT, der ARD Audiothek und von iTunes zu sehen.
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Zuletzt aktualisiert: 06. April 2018, 16:15 Uhr

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