Digital leben | Folge 7 Künstliche Intelligenz: Wo Sachsen-Anhalt mitspielt und warum sie uns so philosophisch macht

In der siebten Folge des Digital-Podcasts geht es um Künstliche Intelligenz und die Frage, welche Rolle sie in Sachsen-Anhalt spielt. Marcel Roth und Stephan Schulz haben Praktiker, Visionäre und Forscher getroffen.

von Marcel Roth, MDR SACHSEN-ANHALT

#Warum reden wir darüber?

Der Bundestag hat eine neue Enquete-Kommission gegründet: "Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche Potenziale". Zwei der 19 Abgeordneten kommen aus Sachsen-Anhalt; und auch ein stellvertretendes Mitglied ist Sachsen-Anhalter. Und die Bundesregierung will noch dieses Jahr ihren detaillierten KI-Masterplan vorstellen, mit dem Deutschland und die EU sich dem weltweiten KI-Wettbewerb stellen wollen. Werden dann neue Forschungseinrichtungen oder Behörden geschaffen, will Sachsen-Anhalt seinen Hut in den Ring werfen.

#Wen haben wir getroffen?

Praktiker, Visionäre und Forscher. Fabian Westerheide @bootstrappingme zum Beispiel investiert in KI-Unternehmen und veranstaltet jedes Jahr die Konferenz "Rise of AI".

Eine selbst entwickelte und industriereife KI hat in Sachsen-Anhalt niemand entwickelt. Aber Thomas Patzelt von Govii hat mit Hilfe der KI von Microsoft den ersten Chatbot für Behörden entwickelt.

Und Prof. Sanaz Mostaghim von der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg forscht an Schwarm-Intelligenz, einem Teilgebiet der KI. In ihrem SwarmLab arbeitet sie mit selbst gebauten Drohnen und auch mit kugeligen Robotern.

Über KI im Arbeitsalltag denkt Prof. Dr. Anne-Katrin Neyer von der Martin-Luther-Universität Halle nach. Sie ist Professorin für Personalwirtschaft und Business Governance. Und weil Unternehmen KI-Methoden zum Beispiel bei der Suche nach neuen Mitarbeitern einsetzen können, schaut Neyer sich die Technologie genau an.

Christoph Bernstiel ist Bundestagsabgeordneter für Halle und wie Petra Sitte Mitglied in der KI-Kommission des Bundestages. Er erzählt uns, warum wir eher die Chance als die Risiken von KI sehen sollten.

Was ist Künstliche Intelligenz? Eine einheitliche Definition für künstliche Intelligenz gibt es nicht. Das liegt auch daran, dass schon eine allgemein anerkannte Definition von Intelligenz scheitert. Am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz gilt eine Arbeitsdefinition. Danach zeigt ein IT-System künstliche Intelligenz, wenn es ähnliche kognitive oder motorische Fähigkeiten wie der Mensch aufweist. Eine Art selbstlernende Maschine. Ein solches System verfügt in unterschiedlichen Anteilen über situatives Wahrnehmen, Verstehen, Kommunizieren, Handeln, Schlussfolgern oder Lernen. Einige Experten unterscheiden zwischen starker und schwacher bzw. enge KI. Eine schwache KI kann nur bestimmte Aufgaben lösen, zum Beispiel Schach spielen, ein Auto oder ein Flugzeug steuern. Eine starke KI zielt auf den künstlichen Menschen mit einem maschinellen Bewusstsein und dem Willen zur Macht. Eine solche KI gibt es nicht. Noch nicht, sagen ihre Verfechter.

#Was hat uns überrascht?

Wie viel KI-Technologie es im Alltag schon gibt und an welchen beeindruckenden Anwendungen Wissenschaftler forschen. Vor allem in Forschungslaboren wirken die Ergebnisse der KI oft wie Magie: Sie erkennt Depressionen anhand der Stimme, schätzt Menschen anhand von Facebook-Likes besser ein als deren Partner und lernt Poker spielen nur durch Zuschauen. Beruhigend ist, dass die Experten, mit denen wir gesprochen haben, eine allwissende KI in naher Zukunft nicht sehen. Aber wirklich überrascht hat uns, wie schnell das Nachdenken über Maschinen zum Nachdenken über den Menschen und die Welt wird.

#Und sonst so?

Irgendwie haben wir das Gefühl, dass zurzeit KI auf vielen IT-Produkten und Dienstleistungen steht, obwohl sich dahinter "nur" ein ziemlich smarter Algorithmus verbirgt. KI ist zwar ein Trend und Marketing-Begriff, hat aber großes Potenzial und kann unser Leben verändern.

Marcel Roth
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Marcel Roth Ich bin 1977 in Magdeburg geboren und zwölf Jahre lang in Cracau zur Schule gegangen. Das alles ohne Handy. Aber ab der elften Klasse mit einem Computer. Der war türkisgrün. Wirklich! Nach dem Abi habe ich in einem Behindertenwohnheim Zivildienst gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und an der Deutschen Journalistenschule in München Journalismus gelernt. Beim WDR in Köln habe ich Radio gemacht und bin seit 2008 Redakteur und Reporter beim Radio von MDR SACHSEN-ANHALT. Das Display meines ersten richtigen Smartphones hat nach drei Wochen Bekanntschaft mit dem Kopfsteinpflaster auf dem Werder in Magdeburg gemacht und sich dann verabschiedet.
Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichte ich über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Über alles also, was wir mit neuen Technologien anstellen und was die Technologien mit uns anstellen. Weil das viel mehr ist, als ins Radio passt, rede ich mit meinem Super-Radiokollegen Stephan Schulz und mit Sachsen-Anhaltern einmal im Monat darüber, in "Digital leben – ein Podcast von MDR SACHSEN-ANHALT".

#Wo der Podcast zu hören ist

Ein Mikrofon in Nahaufnahme. Im Vordergrund sind die Logos von MDR SACHSEN-ANHALT, der ARD Audiothek und von iTunes zu sehen.
Bildrechte: MDR/ARD/Apple

Quelle: MDR/agz

MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir

Zuletzt aktualisiert: 26. Oktober 2018, 16:57 Uhr

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2 Kommentare

27.10.2018 20:33 Ilka Bickmann 2

Nächstes Jahr ist Wissenschaftsjahr des BMBF "Künstliche Intelligenz" und es gibt mindestens 2 Projektanträge aus Sachsen-Anhalt zu dem Thema. Gern also weitermachen mit der regionalen Forschung dazu und auch Berichterstattung.

27.10.2018 08:23 Kritiker 1

Also ich bin begeistert. Künstliche Intelligenz ist DIE Lösung, auch Sachsen-Anhalt hat Anspruch auf intelligentes Leben. Satire aus!