Digital leben | Folge 2 Wie Sachsen-Anhalt Digitalisierung gestalten will

Schnelles Internet, digitales Leben und Technik für die Menschen. All dies ist auch Teil der politischen Agenda: In Folge 2 von Digital leben geht es um den Digitalisierungsbeirat Sachsen-Anhalts.

von Marcel Roth, MDR SACHSEN-ANHALT

Digital leben, Digitalpodcast Logo 51 min
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#Warum reden wir darüber?

Mit großem Tamtam hat die Landesregierung ihre "Digitale Agenda" vorgestellt. Die Agenda hat 68 Seiten und beschreibt, wie die Landesregierung sich die digitale Zukunft vorstellt. Sie plant mehr als 150 Maßnahmen. Zum Beispiel will sie bezahlbares Internet für Endkunden fördern, Bahnen und Busse mit USB-Ladesteckdosen ausstatten und Online-Anträge für BAföG und Elterngeld ermöglichen. In der "Digitalen Agenda" wird auch ein Digitalisierungsbeirat berufen. Das Experten-Gremium hat 14 Mitglieder, darunter nur zwei Frauen und sechs Professoren. Die Altmark ist nicht vertreten. Ob der Beirat optimal besetzt ist – darüber lässt sich streiten.

Digitalisierung
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Der Digitalisierungsbeirat – Zusammensetzung Der Beirat hat 14 ordentliche Mitglieder – darunter vor allem Forscher und Wissenschaftler, ein Vertreter einer Krankenkasse, eine Bürgermeisterin und ein Geflügelzüchter. Im Beirat sind nur zwei Frauen vertreten. Von den 14 Experten sind sechs Professoren. Acht der Mitglieder wohnen entweder in Halle, Magdeburg oder Dessau. Jedes Ministerium in Sachsen-Anhalt sollte zwei Experten benennen. Das Bildungsministerium und die Staatskanzlei haben jeweils einen Experten benannt. Das Justiz- und Gleichstellungsministerium hat keine ordentlichen Mitglieder. Gastrecht haben die Gleichstellungsbeauftragte, der Datenschutzbeauftragte und der Landesbeauftragte für Informationstechnik. Im Beirat ist niemand jünger als 40 Jahre. Blogger, Medienschaffende oder Onlinehändler aus Sachsen-Anhalt sind nicht vertreten. Und auch die Altmark ist nicht vertreten.

#Wen haben wir getroffen?

Natürlich den Vorsitzenden des Digitalisierungsbeirates, Marco Langhof. Er ist zu Gast bei "Digital leben" und er ist auch der Chef des IT-Verbandes Sachsen-Anhalt und Langhof sagt: "Sachsen-Anhalt muss sein Profil schärfen. Das Land wird nicht hipper als Berlin oder Leipzig; muss es aber auch nicht." Auf jeden Topf passe ein Deckel. Langhof will die Herausforderungen der Digitalisierung, vor denen Sachsen-Anhalt steht, in Sachsen-Anhalt lösen.

Auch zu Gast bei "Digital leben" ist Steffi Trittel. Sie ist eine der zwei Frauen im Digitalisierungsbeirat und Bürgermeisterin der Gemeinde Hohe Börde und hat uns gesagt, dass eine verantwortungsvolle Verwaltung auch Neues ausprobieren und Risiken aufnehmen müsse. "Man muss auch Mut haben. Wer von seinem Tun überzeugt ist, macht nicht mehr als 10 Prozent falsch. Ohne Fehler keine Erfahrungen. Das gilt auch bei der Digitalisierung."

Vorm Mikro hatten wir auch Armin Willingmann (SPD), der als Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung den Beirat ins Leben gerufen hat. "Der Beirat soll einen kritischen Blick haben, Anregungen geben und die Ministerien kritisch begleiten." Weil die Zusammensetzung so gemischt sei, sei der Beirat kreativ und könne aus verschiedenen Erfahrungen schöpfen.

Spannend war das Interview mit Tobias Kremkau. Er ist in Magdeburg aufgewachsen und heute unter anderem Coworking-Manager vom St. Oberholz in Berlin, einem renommierten Coworking Space. Kremkau bemängelt die Zusammensetzung des Gremiums und fragt sich vor allem, wie Sachsen-Anhalter an der Arbeit des Beirates teilhaben können und schlägt Werkstattgespräche dafür vor.

Internetkabel und Glasfaser
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Der Digitalisierungsbeirat in der "Digitalen Agenda" Zitat aus der "Digitalen Agenda": "Der Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung beruft einen Beirat ein, der aus externen Experten zur Digitalisierung besteht. Der Beirat berät den Minister in strategischen Fragen der Digitalisierung, bei der Fortschreibung der Digitalen Agenda, der Nachjustierung strategischer Ziele und Handlungsfelder sowie mit Stellungnahmen und Voten zu konkreten Digitalisierungsprojekten. Jedes Ressort schlägt bis zu zwei Beiratsmitglieder vor. Im Beirat kann neben dem Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit sowie der Landesbeauftragten für Frauen- und Gleichstellungspolitik ein Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften LEOPOLDINA mitarbeiten."

#Was hat uns überrascht?

Am meisten, dass Tobias Kremkau am liebsten nach Stendal ziehen würde, um dort einen Coworking Space aufzumachen. Stendal hätte bald schnelleres Internet als Berlin und es gäbe dort auch günstigere und freie Büroflächen. Für Startups, die sich in einem Coworking Space in Stendal einmieten wollten, seien besonders die Zugverbindungen nach Hamburg, Hannover und Berlin ein Pluspunkt. Toll auch, wie Steffi Trittel sagt, dass sie sich davor sträubt, im Beirat lange Aufsätze zu verfassen. Lieber will sie neue Dinge anpacken. Oder wie begeistert Marco Langhof von den Bürgermeistern in Sachsen-Anhalt ist, die die Digitalisierung in ihren Gemeinden gestalten wollen.

#Und sonst so?

Leichtathletin und Weitsprung-Olympiasiegerin Heike Drechsler hat uns auf ihr Smartphone schauen lassen. Kaum eine Überraschung allerdings: Auch sie nutzt am häufigsten Whatsapp.

Marcel Roth
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Marcel Roth Ich bin 1977 in Magdeburg geboren und zwölf Jahre lang in Cracau zur Schule gegangen. Das alles ohne Handy. Aber ab der elften Klasse mit einem Computer. Der war türkisgrün. Wirklich! Nach dem Abi habe ich in einem Behindertenwohnheim Zivildienst gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und an der Deutschen Journalistenschule in München Journalismus gelernt. Beim WDR in Köln habe ich Radio gemacht und bin seit 2008 Redakteur und Reporter beim Radio von MDR SACHSEN-ANHALT. Das Display meines ersten richtigen Smartphones hat nach drei Wochen Bekanntschaft mit dem Kopfsteinpflaster auf dem Werder in Magdeburg gemacht und sich dann verabschiedet.
Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichte ich über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Über alles also, was wir mit neuen Technologien anstellen und was die Technologien mit uns anstellen. Weil das viel mehr ist, als ins Radio passt, rede ich mit meinem Super-Radiokollegen Stephan Schulz und mit Sachsen-Anhaltern einmal im Monat darüber, in "Digital leben – ein Podcast von MDR SACHSEN-ANHALT".

#Wo der Podcast zu hören ist

Ein Mikrofon in Nahaufnahme. Im Vordergrund sind die Logos von MDR SACHSEN-ANHALT, der ARD Audiothek und von iTunes zu sehen.
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. Mai 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Mai 2018, 10:10 Uhr

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1 Kommentar

09.05.2018 13:18 Leser 1

Eisleben sollte in diesem Jahr komplett mit 50.000er Leitungen versorgt werden. Nun hat man um mindestens 1 Jahr verschoben. Schön, dass das Internet fast täglich zusammen bricht. Danke.