Digital leben | Folge 24 Sprechen übers Podcasten

Den Begriff "Podcast" gibt es schon seit 2004. Als Audioblogs haben sie angefangen und sind heute nicht mehr wegzudenken aus dem Internet. Und gerade scheint ein wahrer Podcast-Boom ausgebrochen zu sein. In Sachsen-Anhalt ist die Podcast-Szene überschaubar. Wir sprechen mit zwei Podcastern. Und: Die geben sogar Tipps.

Marcel Roth
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Marcel Roth, MDR SACHSEN-ANHALT

#Warum reden wir darüber?

Experten glauben, dass es etwa 5.000 Podcasts in Deutschland gibt. Die Amazon-Tochter Audible will im kommenden Jahr 500 neue Audiotitel veröffentlichen, darunter nicht nur Podcasts, sondern auch Hörspiele und Hörbücher. Auch die Bertelsmann-Tochter Audio Now plant Groß-Investitionen. Die Musikstreamingdienste Deezer und Spotify mischen auch mit. Letzterer hat vor kurzem "Daily Drive" gestartet – ein Angebot, bei dem Radionachrichten in den persönlichen Musikstream der User gemischt werden. Ein Riesenmarkt: In den USA nehmen Podcasts durch Werbung fast eine halbe Milliarde Dollar im Jahr ein. Alles Gründe, um über Podcasts zu reden.

#Wen haben wir getroffen?

Katrin Rönicke
Katrin Rönicke ist Macherin mehrerer Podcasts und hat auch eigenes Label gegründet. Bildrechte: CC-BY-SA 2.0 Fiona Krakenbürger

Katrin Rönicke: Sie ist in Wittenberg geboren und steht hinter Podcasts wie "Wochendämmerung" oder "Anekdotisch Evident". Ihren ersten eigenen "Lila Podcast – Feminismus aufs Ohr" gibt es seit sechs Jahren. Außerdem hat Katrin das Podcast-Label "Hausein.fm" gegründet.

Dort produziert sie ihre Podcasts, nimmt aber auch Auftragsproduktionen zum Beispiel von Greenpeace oder der Süddeutschen Zeitung an. "Hauseins.fm" schaltet auch Werbung und über die Plattform "Steady" können Hörer den Podcast-Machern direkt Geld zukommen lassen. So kann Katrin sich und den anderen Moderatoren etwa 250 Euro pro Folge zahlen.

Daniel Krüger
Der Magdeburger Daniel Krüger gehört zu den wenigen Podcastern in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: Daniel Krüger

Auch Daniel Krüger ist da. Er ist Magdeburger und hat in diesem Jahr angefangen zu podcasten: "Digitale Provinz" heißt sein Projekt. Darin will er zeigen, wie die Digitalisierung auch die vermeintliche Provinz voranbringen kann. Seine Themen sind Co-Working, Breitbandausbau oder Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Daniel hat die Agentur "Korrektur nach oben" gegründet, die sich auf digitale Kommunikation, Content Creation und Online-Marketing spezialisiert hat. Er plant, im kommenden Jahr ein Podcast-Label zu gründen.

#Was hat uns überrascht?

Wie schnell wir uns einig waren, dass Podcasts eigentlich schnell gemacht sind – aber sie eben doch ein bisschen Arbeit machen. Anders als Marcel ist Katrin auch weniger skeptisch, wenn viele Podcasts jetzt ausschließlich auf kommerziellen Plattformen veröffentlicht werden. Überrascht hat uns, dass es viel zu wenige Podcaster in Sachsen-Anhalt gibt. Aber es gibt welche: Die beiden Regionalzeitungen machen Podcasts, der ADFC hat mit seinem "Fahrradstadt Magazin" schon mehr als 70 Folgen "auf dem Buckel" und Maria Anna Schwarzberg redet in "Proud to be Sensibelchen" über ihr Leben mit Hochsensibilität. Und in Sachsen-Anhalt wird auch Technologie entwickelt, um live und interaktiv Podcasts zu machen: "Mycrocast" heißt die Firma aus Magdeburg.

#Und sonst so?

Praktische Tipps von Katrin: Nicht am Headset sparen. Sie schneidet mit dem Schnitt-Programm "Reaper". Darin nutzt sie das Plugin "Studio Link", um mit anderen Podcastern – und auch mit uns – zu sprechen.

Musik schafft sie auch selbst mit der Software "Garageband" auf dem Mac. Damit ist sie auf Nummer sicher, was das Urheberrecht angeht. Common Creative Lizenzen schließen in der Regel eine kommerzielle Nutzung aus – aber Katrin sagt, es ist letztendlich nicht klar, ob es eine kommerzielle Nutzung ist, wenn sie Geld von den Hörern nimmt? Katrin empfiehlt auch die Webseite Sendegate – dort finden Podcaster Antworten zu allen praktischen Fragen.

Und unsere Hörempfehlungen:

#Hörtipps von Katrin: "Rice and Shine" und "Denkangebot" von Katharina Nocun, die auch schon bei uns zu Gast war: Folge 16 "Fuck you Digitalisierung".

#Hörtipps von Daniel: "This American life" und "Alles gesagt".

#Hörtipps von Marcel: "180 Grad Geschichten gegen den Hass", "Mensch Mutta" und das tolle Hörspiel "Caiman Club".

Kurz nachdem die Folge erschien, hat sich Iris Hinneburg aus Halle gemeldet. Sie ist Medizinjournalistin und macht selbst den Podcast "Evidenzgeschichten" https://evidenzgeschichten.podigee.io/ Darin geht es um Wissenschaftsgeschichte, Studien und Medizin. Davon erzählt Iris am Anfang von Folge 25 von "Digital leben" und sie erzählt auch, welche Podcasts aus Sachsen-Anhalt sie noch mag: "Underdocs" von der Uni Halle, in dem Nachwuchswissenschaftler vorgestellt werden und auch die Podcasts von Mirko Gutjahr: "Angegraben" https://buddler.atria.uberspace.de/ und "Das geheime Kabinett" in denen es um Skurriles aus der Archäologie und der Geschichte geht.

Ein großer Mann mit Locken und Brille steht vor einer Betonwand.
Bildrechte: MDR/Viktoria Schackow

Über Marcel Roth Marcel Roth arbeitet seit 2008 als Redakteur und Reporter bei "MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir". Nach seinem Abitur hat der gebürtige Magdeburger Zivildienst im Behindertenwohnheim gemacht, in Bochum studiert, in England unterrichtet und in München die Deutsche Journalistenschule absolviert. Anschließend arbeitete er für den Westdeutschen Rundfunk in Köln. Bei MDR SACHSEN-ANHALT berichtet er über Sprachassistenten und Virtual Reality, über Künstliche Intelligenz, Breitbandausbau, Fake News und IT-Angriffe. Außerdem ist er Gastgeber des MDR-SACHSEN-ANHALT-Podcasts "Digital leben".

#Wo der Podcast zu hören ist:

Ein Mikrofon in Nahaufnahme. Im Vordergrund sind die Logos von MDR SACHSEN-ANHALT, der ARD Audiothek und von iTunes zu sehen.
Bildrechte: MDR/ARD/Apple

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 19. Dezember 2019 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2020, 15:49 Uhr

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