Kritik aus Altmark "Digitale Agenda" soll Breitbandausbau vorantreiben

Wie kann Sachsen-Anhalt den Breitbandausbau schneller vorantreiben und die Digitalisierung aktiv mitgestalten? Mit diesen Fragen setzt sich ab Mittwoch die "Digitale Agenda" der Landesregierung auseinander. Rund 250 Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft werden zur Konferenz in Magdeburg erwartet. Tangerhüttes Bürgermeister Brohm warnte vorab, dass man Bürger nicht vorgaukeln dürfe, dass etwas passiere, um sie dann mit einer veralteten Technologie abzuspeisen.

Die Landesregierung unternimmt einen neuen Anlauf, Sachsen-Anhalt flächendeckend mit schnellem Internet zu versorgen. Rund 250 Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft, darunter Landräte, Bürgermeister und Unternehmer, haben sich am Mittwoch zur Auftaktkonferenz der "Digitalen Agenda" in Magdeburg getroffen. Ziel der Veranstaltung ist es, einen Fahrplan zur Digitalisierung zu erstellen.

Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagte dem MDR, die Landesregierung wolle in den nächsten Monaten mit den verschiedenen Akteuren sprechen. Dabei gehe es zum Beispiel um die Datensicherheit und das Zusammenspiel von Bildung und digitaler Welt. Bis September will die Landesregierung eine Beschlussfassung zur "Digitalen Agenda" erarbeiten.

Bürgermeister Brohm: Pläne schon jetzt veraltet

Ziel der Landesregierung ist es, bis Ende 2018 alle Privathaushalte mit 50-Megabit-Leitungen zu versorgen. Bei Unternehmen sollen es 100 MBit pro Sekunde sein. Dem Bürgermeister von Tangerhütte, Andreas Brohm, geht das nicht weit genug. Brohm sagte dem MDR, die Pläne seien schon jetzt veraltet. Er befürchte, dass am Bedarf vorbei gebaut werde, "nur um ein politisches Ziel zu erreichen".

"Wer ländliche Räume nach vorn bringen will, investiert in die sogenannte FTTH-Architektur, also in Glasfaserkabel bis in die Häuser der Kunden. Damit können derzeit Daten in einem Volumen von einem Gigabit pro Sekunde übertragen werden", so Brohm.

Man dürfe Bürgern nicht vorgaukeln, dass etwas passiere, sie dann aber mit einer veralteten Technologie abspeisen. Der Bürgermeister aus Tangerhütte fordert einen Ausbau mit Gigabit-Geschwindigkeiten und setzt dabei auf Glasfaserkabel. Laut Brohm ist das besonders in den dünn besiedelten Regionen wichtig. Durch schnellere Internetverbindungen würde der Lebensraum attraktiver. Zudem würden Arbeitsplätze der Zukunft entstehen.

Schnelles Internet als Standortfaktor

Auch Klaus Olbricht, der Präsident der Industrie- und Handelskammer Magdeburg, ist skeptisch, ob die vom Land angestrebte Geschwindigkeit ausreicht. Olbricht sagte dem MDR, schnelles Internet sei für jedes Wirtschaftsunternehmen ein Standortfaktor. Wer es nicht habe, sei abgeschnitten von der Welt.

Wirtschaftsminister Willingmann warnte stattdessen davor, die Ziele beim Internetausbau zu hoch zu stecken. Er sagte dem MDR, man müsse zunächst den von der Landesregierung gesetzten Plan umsetzen. Dass man dann in einigen Jahren weiterdenken werde, verstehe sich von selbst. Man müsse die Technik verbauen, die man im Moment bezahlen könne. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte dazu, langfristig brauche es Gigabit-, also schnellere Geschwindigkeiten.

Neben Investitionen der privaten Netzbetreiber stehen für den Breitband-Ausbau in Sachsen-Anhalt etwa 200 Millionen Euro zur Verfügung. Laut Wirtschaftsministerium können derzeit rund die Hälfte der 1,1 Millionen Haushalte in Sachsen-Anhalt mit 50 Mbit surfen.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08.02.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2017, 20:30 Uhr

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2 Kommentare

09.02.2017 06:19 rollle 2

Wie wäre es mal mit Schul Agenda oder Kinderbetreungs Agenda?????? So viele Leute machen sich einen Kopf wie man die Digitale Agenda stemmen kann. Da soll sich die freie Wirtschaft drum kümmern. Der Markt reguliert sich selbst! Oder man legt den ausbau in die Hand der Kommunalen Versorgungsbetriebe. Leute da wird das Geld verpulvert!!!!!

08.02.2017 20:04 Kurt Schulze 1

Wer Internet über Kupferkabel favorisiert, der sollte sich auch für Dampfloks als ICE-Antrieb einsetzen. Glasfaser ist zukunftsträchtig oder neudeutsch nachhaltig. Wer in Kupfer investiert, investiert veraltete Technik und verschaukelt die Bevölkerung.