Digitalpakt zwischen Bund und Ländern Wlan, Tablets und smarte Tafeln für Sachsen-Anhalt

Seit Monaten wird über den Digitalpakt gestritten, nun wird er wohl kommen: Der Bund gibt den Ländern für die zeitgemäße technische Ausstattung von Schulen mehrere Milliarden Euro. Wie Schulen in Sachsen-Anhalt profitieren, was genau sie dafür tun müssen und wie viel Geld es gibt – hier die Fragen und Antworten.

Mit wie viel Geld können die Schulen in Sachsen-Anhalt rechnen?

Wenn der Digitalpakt Mitte März tatsächlich so unterschrieben wird, wie er jetzt geplant ist, bekommen die Schulen in Sachsen-Anhalt vom Bund insgesamt 130 Millionen Euro. Die werden von 2019 bis 2022 zur Verfügung gestellt.

Insgesamt sollen deutschlandweit fünf Milliarden Euro verteilt werden. Das geschieht nach dem Königsteiner Schlüssel. Im Jahr 2019 soll bereits die erste Milliarde Euro ausgezahlt werden.

Wie viele Schulen könnten davon profitieren?   

Jede Schule in Sachsen-Anhalt kann in den Genuss der Förderung kommen, das heißt alle 763 öffentlichen Schulen sowie die etwa 100 freien Schulen. Egal ob Grundschule, Förderschule, Gymnasium – bei den Schulformen gibt es ebenfalls keinerlei Einschränkung.

Was genau wird gefördert?

Laut Bildungsministerium Sachsen-Anhalt wird die schulische Infrastruktur gefördert: Wlan für das Schulgebäude, die Strukturen dafür (eine Schule mit 600 Schülern, an der 600 Geräte gleichzeitig online sein wollen, braucht Infrastruktur wie ein großes Unternehmen), technische Ausstattung wie interaktive Smartboards oder auch Endgeräte wie Tablets – wobei Grundschüler natürlich andere Geräte benötigen als die Schüler am Gymnasium.

Was müssen die Schulen tun, um die Förderung zu bekommen?

Unbedingt notwendig ist ein pädagogisches Konzept. Die Schulen können nicht einfach Technik kaufen wollen, ohne genau zu wissen, wofür sie sie nutzen. Sie müssen auflisten, in welchem Umfang sie welche Technik brauchen und sie in den Unterricht einbinden werden. Das muss nicht jede Schule für sich allein entscheiden: Die Schulen sprechen sich auch untereinander ab, sind in Netzwerken organisiert und geben sich Tipps.

Ein Kind tippt auf App-Icons.
Der Digitalpakt soll moderne Technik in die Klassenzimmer bringen. Bildrechte: imago/epd

Das pädagogische Konzept müssen die Schulen laut Bildungsministerium zusammen mit dem Schulträger erarbeiten – also beispielsweise mit dem Landkreis oder den Kommunen. Die sind für die Ausstattung der Schulen zuständig, vom Toilettenpapier über Stühle und Tische bis hin zur Technik.

Steht das Konzept, kann die Schule einen Antrag ausfüllen und samt des Konzepts beim Bildungsministerium Sachsen-Anhalt einreichen. Der Antrag wird dann geprüft. Wie schnell die Zusage und das Geld kommen, kann das Ministerium aber noch nicht einschätzen. Erst muss der Digitalpakt Mitte März unterschrieben sein.

Kind am Laptop
Laut Lehrplan ist der Umgang mit digitalen Medien eine Schlüsselkompetenz. Bildrechte: Colourbox.de

Was ist der Digitalpakt? Der Bund will den Ländern Geld geben – das soll in die technische Ausstattung der Schulen investiert werden. Seit Jahren wird darüber diskutiert. Die Länder haben grundsätzlich nichts dagegen, verzögerten den Prozess jedoch. Der Grund: Sie sollten denselben Teil, den der Bund gibt, aus eigener Tasche zuzahlen. Dazu sah sich beispielsweise Sachsen-Anhalt nicht in der Lage.

Außerdem gibt es das Kooperationsverbot von Bund und Ländern. Demnach darf der Bund keinen Einfluss auf die Schulpolitik der Länder nehmen, denn Bildung ist laut Grundgesetz Ländersache. Die Bundesregierung darf also nicht einfach Geld geben – es sei denn, das Grundgesetz wird geändert. Das muss und soll für den Digitalpakt auch passieren.

Bekommt jede Schule einen festgesetzten Betrag?

Die Verteilung ist noch nicht klar. Beim letzten Digital-Förderprogramm in Sachsen-Anhalt war es so, dass es pro Schule eine Obergrenze von 200.000 Euro gab. Da wurden 13,3 Millionen Euro ausgeschüttet und etwa 100 Schulen gefördert.

Was hat es mit dem Datum 15. März auf sich? Gilt der Digitalpakt ab dann?

Dem Digitalpakt müssen Bund und Länder zustimmen. Der Bundestag soll das noch am Donnerstag tun. Geht die für den Digitalpakt notwendige Grundgesetzänderung dort durch, stimmt auch der Bundesrat ab – und das am 15. März.

Am 15. März tagt zudem die Kultusministerkonferenz. Sie könnte laut sachsen-anhaltischem Bildungsministerium dann gleich die notwendige Verwaltungsvereinbarung unterzeichnen. Dann stünde die eine Milliarde Euro für die deutschen Schulen im Jahr 2019 tatsächlich zur Verfügung und auch Sachsen-Anhalt bekäme seinen Teil.

Ist Sachsen-Anhalt auf die Verteilung des Geldes vorbereitet?

Man habe laut Stefan Thurmann, Pressesprecher des Bildungsministeriums Sachsen-Anhalt, bereits Erfahrung mit Vorgängerprojekten. Bis zum 15. März versuche man, alles vorzubereiten. Bereits seit 2016 diskutiere man über den Digitalpakt, das komme nicht überraschend. Zudem habe man die Förderrichtlinien vom Vorgängerprojekt. Die müssten nur noch angepasst werden. In den Richtlinien geht es darum, was die Schulen genau liefern müssen und wie sie die Förderung beantragen.

Was halten die Schulen davon?

Für viele Schulen ist die Aussicht auf die 130 Millionen Euro für Wlan und Technik ein Segen. "Das ist für uns richtig viel Geld", sagte der Schulleiter des halleschen Christian-Wolff-Gymnasiums Andreas Slowig MDR SACHSEN-ANHALT. Rein rechnerisch könnte jede Schule etwa 150.000 Euro bekommen. "Man kämpft sonst jahrelang für ein Computerkabinett, was 30.000 Euro kostet", berichtet der Schulleiter.

Sein größter Wunsch für seine mehr als 800 Schüler und 80 Lehrkräfte: schnelles Internet und Wlan. Bis vor wenigen Jahren habe es noch 25 Minuten gedauert, um eine Homepage zu öffnen – deshalb nutzte der Schulleiter, der beispielsweise Geschichte unterrichtet, das Computerkabinett mit seinen Klassen nicht mehr. Jetzt sei man immerhin bei einer Minute Ladezeit angekommen.

Das ist für uns richtig viel Geld

Andreas Slowig Schulleiter in Halle

Am Konzept, das jede Schule für die Förderung einreichen muss, feilt man an dem halleschen Gymnasium schon seit einem Jahr. In den neuen Lehrplänen steht der Umgang mit digitalen Medien als Schlüsselkompetenz. Das heißt, jedes Fach muss dafür seinen Beitrag leisten. Das sei laut Slowig Pflicht. Das Wolff-Gymnasium notiere, was es in welchen Fächern und auch fachübergreifend inhaltlich vorhabe und was man dafür an Technik brauche. Laptops und internetfähige Beamer gehören dazu. Bisher habe man drei interaktive Tafeln in der Schule und dazu mehrere Beamer, die jedoch nicht internetfähig sind.

Ein Problem kann die neue Technik laut Schulleiter Slowig nicht lösen: Das der Wartung der IT. Bisher kümmert sich eine Lehrerin am Wolff-Gymnasium darum, der er dafür im Jahr 40 Stunden anrechnet. Sie brauche aber schon jetzt mehr als 300 Stunden für alles. "Es braucht dringend Administratoren, die keine Lehrer sind", so Slowig. Das Wartungs-Problem löse der Digitalpakt nicht. "Es reicht nicht, neue Technik hinzustellen", ist er sich sicher, wenn die dann wegen technischer Fallstricke nicht genutzt werden könne.

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Quelle: MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE – Das Radio wie wir | 21. Februar 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 17:06 Uhr

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7 Kommentare

23.02.2019 13:25 Dieter 7

Fremdschämen 4:
Nomen est Omen?
Was soll an einer Tafel mit Kreide und an Büchern schlecht sein? Weshalb soll es sich mit einer smarten Tafel und einem E-Book besser lernen?
In unseren Schulen gibt es Probleme mit Lesen, Schreiben, Mathematik etc- das liegt wohl kaum an der fehlenden Technik.

22.02.2019 21:15 Ferminator 6

Digital"PAKT" klingt nett.
Immer wenns was zu tun gibt schliesst die Politik einen PAKT.
Mit wem eigentlich? Den Schulen wohl kaum.
In sehr vielen Schulen fehlt es schon an geeigneten Sitzmöbeln für die Schüler.
8h und länger auf einem Holzstuhl ist wenig zeitgemäß. Bei den Gebäuden sieht es ähnlich aus.
Es fehlt vorne und hinten.

Ein schicker Pakt mit etwas Internet und nem Tablet wirds nichts reissen.

22.02.2019 20:34 böse-zunge 5

Interessant die Sätze über die techn. Vorraussetzungen "eine Schule mit 600 Schülern, an der 600 Geräte gleichzeitig online sein wollen, braucht Infrastruktur wie ein großes Unternehmen ... Es braucht dringend Administratoren, die keine Lehrer sind"
Wie findet sich DAS im Pakt wieder?
Und was ist mit der Abwägung von 'verfügbar' und 'nötig'?
Muss es wirklich eine "smarte" Tafel sein um Schulanfängern Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen?
Im mdr-Nachrichtenblock wies heute ein Uni-Professor darauf hin - vor dem 12. Lebensjahr ist High-Tech nicht von Nöten.
Also, sollten Notwendigkeiten - unter Berücksichtigung von Unterhaltsaufwendungen - klug (!) durchdacht und abgewogen werden ... damit das Geld sinnvoll ausgegeben wird.

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