Nummern statt Namen? Datenschutz auf Klingelschild: Debatte auch in Sachsen-Anhalt

In Wien hat sich ein Mieter darüber beschwert, dass sein Name auf dem Klingelschild an der Haustür steht. Er sah seine Privatsphäre nicht mehr geschützt – und bekam Recht. Die Folge ist, dass in der österreichischen Stadt nun mehr als 200.000 Klingelschilder abgeschraubt werden müssen. Auch in Sachsen-Anhalt wird jetzt über den Sinn und Unsinn dieses Vorhabens diskutiert.

Unzählige Klingelschilder eines Studentewohnhauses ohne Namen.
Tragen die Klingelschilder der Zukunft Nummern statt Namen? Rechtlich ist das möglich. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Sind Klingelschilder an der Haustür wegen datenschutzrechtlicher Bedenken bald Geschichte? Wohl eher nicht – auch, wenn ein Fall aus Wien nun auch in Sachsen-Anhalt diskutiert wird. Ein Mieter hatte dort wegen seines Namens auf dem Klingelschild seine Privatsphäre als nicht ausreichend geschützt angesehen – und bekam Recht.

Theoretisch ist so etwas auch in Sachsen-Anhalt möglich. Datenschutzanwalt Thomas Bodis aus Magdeburg sagte MDR SACHSEN-ANHALT, das Problem sei nicht neu. "Schon nach dem alten Bundesdatenschutzgesetz war es Pflicht, dass man eine Einwilligung benötigt, wenn man personenbezogene Daten verwendet", erklärte Bodis.

Bedeutet im Klartext: Bereits vor Inkrafttreten der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung hätten Vermieter theoretisch eine Einwilligung benötigt, wenn sie auf das Klingelschild den Namen von Mietern kleben. Passiert ist das wohl in den wenigsten Fällen, denkt auch Thomas Bodis. Die Einwilligung sei in den meisten Fällen konkludent erteilt worden. Bodis betont aber auch: "Wenn der Mieter selbst das Schild anbringt, stellt sich die Frage nicht."

Vermieter sollten nach Ansicht des Datenschutzanwalts nun aber nicht sämtliche Klingelschilder abmontieren. "Wenn ich als Vermiter verunsichert bin, kann ich eine schriftliche Einwilligung des Mieters einholen, dass ich seinen Namen auf Briefkasten- und Klingelschild verwenden darf", so Bodis.

Klingelschild
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Name oder Nummer am Klingelschild: Was finden Sie besser?

73% 326 Stimmen   Name
22% 97 Stimmen   Nummer
5% 21 Stimmen   Ist mir egal

Stand: 19.10.2018 15:41:28 Uhr 444 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Danke fürs Mitmachen! Die Abstimmung ist beendet.

Klingelschild
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Dass nun eine Klagewelle folgt, glaubt der Anwalt aber nicht. Es gebe zwar Datenschutzbehörden, die nun genauer auf so etwas achteten. Viele Menschen würden sich vielleicht aufregen, hätten aber nicht die Lust und Muße, daraus direkt einen Rechtsstreit zu machen.

Unterdessen haben Wohnungsgesellschaften aus Halle und Stendal auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT betont, dass sie in der Frage keinen Handlungsbedarf sehen. Bislang habe sich niemand über den Namen auf Klingelschildern beschwert. Auch würden Mieter ohnehin schon umfassend über die Verarbeitung persönlicher Daten informiert, hieß es.

Klingelschild
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Die Diskussion in Wien Weil ein Bewohner sich über mangelnden Datenschutz beschwert hat, verlieren in Wien rund 220.000 Mieter ihre Namensschilder an der Haustür. Der Mieter einer Gemeindewohnung hatte auf die Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union (DSGVO) hingewiesen und argumentiert, seine Privatsphäre werde wegen des Namens auf dem Klingelschild gestört.

Und tatsächlich: Die Verbindung von Wohnungsnummer und Nachnamen auf einem Klingelschild verstößt gegen die DSGVO. In rund 2.000 Wohnanlagen werden deshalb nun Klingelschilder von rund 220.000 Wohnungen ausgetauscht. Künftig stehen nur noch Wohnungsnummern auf dem Schild. Wer dennoch seinen Nachnamen auf dem Schild sehen will, muss eigenmächtig einen Aufkleber aufbringen.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16.10.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2018, 16:25 Uhr

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26 Kommentare

19.10.2018 13:48 Wolpertinger 26

@18.10.2018 19:35 Wolfgang Faßmann
Mensch Herr Faßmann, schön, dass Sie so sachlich bleiben.

19.10.2018 12:00 Möwe 25

Das ist doch lächerlich, genau wie die Abschaffung der Zeitumstellung. Das sind dekadente Probleme einer satten Gesellschaft.

19.10.2018 01:45 Ralf 24

Datenschutz hin und Datenschutz her, langsam verstehe ich die Leute nicht. Wie kann man darüber diskutieren? Denn Zweck für den Namen an der Klingel, scheinen einige vergessen zu haben! Wie soll ein Notarzt,Postbote, Anlieferer den Kunden erreichen, wenn kein Name an der Klingel mehr steht??? Hellseher gibt es nicht und das jeder die Pflicht hat eine Hausnummer und den Familien Namen bekannt zu geben, damit ein schnelles Handel möglich ist auch für Notfälle, ist für mich kein Thema. Die Personen, die über so etwas noch diskutieren, würden am lautesten Schreien wenn ein Notarzt wegen Namenssuche auf der Klingel den Patienten nicht erreichen kann! Wer bezahlt die verlorene Zeit, den Einsatz oder die nicht zugestellt Post, wenn der Briefkästen auch keinen Name mehr haben darf? Ich bin der Meinung, dass die Leute die über so etwas noch diskutieren etwas zu verheimlichen haben. Dann kommt als nächstes, das der Hausarzt den Patienten im Sprechzimmer nicht aufrufen darf,wegen Datenschutz