Sternekoch privat Ein Tag im Leben von Robin Pietsch

Wie sieht der Alltag eines Sternekochs aus? Neben der Führung seines Restaurants "Zeitwerk" ist Robin Pietsch auch als Fernseh- und Radiokoch unterwegs. MDR SACHSEN-ANHALT hat ihn einen Tag lang begleitet.

Olga Patlan
Bildrechte: MDR/Alexander Friederici

von Olga Patlan, MDR SACHSEN-ANHALT

Robin Pietsch sitzt auf der Couch.
In seiner Wohnung in Blankenburg ist der junge Sternekoch zu Hause. Hier kommt er zur Ruhe. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Er ist der einzige Sternekoch Sachsen-Anhalts: Robin Pietsch. Neben der Führung seines Michelin-Star gekrönten Restaurants "Zeitwerk" in Wernigerode ist er als Radio- und Fernsehkoch unterwegs. MDR SACHSEN-ANHALT hat Robin Pietsch einen Tag lang begleitet und ihm über die Schulter geschaut.

So einen richtig klassischen Tagesabauf gibt es nicht, weil jeder Tag etwas anderes mit sich bringt.

Robin Pietsch, Sternekoch

Ca. 08:00 Uhr – Aufstehen

Der Wecker klingelt pünktlich im Hause Pietsch. Auch wenn für den Koch der Tag nicht zwingend früh beginnen muss, so wird er zeitig von dem Wecker seiner Freundin Laura geweckt. "Dann gehe ich mich duschen, trinke einen Kaffee und fahre zur Arbeit", erzählt Pietsch. Für Frühstück bleibt im Alltag meist keine Zeit. Für den ersten Blick aufs Handy schon. Beim Kaffee beantwortet er bereits die ersten E-Mails, Nachrichten und Anrufe. Wenn dann doch mal Zeit ist für Frühstück, wird auf dem Balkon seiner Wohnung in Blankenburg gespeist. "Das ist auch mein Lieblingsort in der Wohnung, die Aussicht über die Stadt ist traumhaft", sagt Pietsch.

Bevor es aus der Tür geht, steht der 30-jährige Koch vor der Qual der Wahl. Im Flur vor seiner Wohnung stehen ungefähr 60 Paar Schuhe: "Frauen haben viele Kleider, ich habe viele Schuhe", sagt er lachend und schlüpft schnell in ein Paar hinein.

Bis 10:00 Uhr – Auf dem Weg zur Arbeit

Dann geht es zur Arbeit. Zur Arbeit – das heißt in sein Restaurant "Zeitwerk" in Wernigerode. Als er ankommt, steht schon der erste Lieferant vor der Tür. Bevor es reingeht, gibt es kurzen Small Talk mit der Betreiberin des Ladens neben seinem. Man kennt sich, man mag sich und es ist eben auch eine Kleinstadt. Das merkt man.

Ca. 10:30 Uhr – Teambesprechung

Rein durch die Tür, sieht er gleich die abgestrichene To-Do-Liste. Heute ist sein Team bereits da. Häufig sei er der erste im Laden, so Pietsch: "Ich habe Glück, dass ich so ein gut funktionierendes Team habe, die Absprachen laufen unkompliziert und wir können eigentlich alle entspannt zur Arbeit kommen". Es ist ein kleines und junges Team, das Pietsch beschäftigt. Gerade mal acht Menschen schmeißen das Sternerestaurant – Köche, Servicepersonal und Chef inklusive. Der Altersdurchschnitt liegt irgendwo bei Mitte 20.

Der Tag beginnt mit einer Teambesprechung. Manchmal wird auch gemeinsam gefrühstückt. Dabei wird der Vorabend ausgewertet: Was lief gut, was kann besser laufen? Anschließend wird der anstehende Tag besprochen: die Reservierungen, das Menü, der Einkauf und anstehende Veranstaltungen. Mit dem zunehmenden Bekanntheitsgrad Pietschs und des Restaurants nehmen auch zusätzliche Veranstaltungen und Events zu, die auch vorbereitet werden müssen. Das bedeutet eine Herausforderung für das gesamte kleine Team. Das jungste Teammitglied, Monti Bertolt, darf und soll sich kreativ ausleben und ein neues Gericht für ein Event kreieren. Robin gibt die Grundzutaten und die Richtung vor.

12:00 Uhr – Büro und Mails

Nach der Besprechung geht es ins Büro. Es befindet sich im Obergeschoss des "Zeitwerks". Hier checkt Robin E-Mails, führt Telefonate, managt Termine, trägt Reservierungen ein. Und hat Raum für eine seiner anderen Leidenschaften – die Fotografie. Als Radio-Koch bereitet er regelmäßig Rezepte für seine wöchentliche Sendung "Küchenradio" bei MDR SACHSEN-ANHALT auf. Dafür hat sich der junge Koch Fotografie angelernt, um die Gerichte festzuhalten und sie bestens in Szene zu setzen. Wenn er die Bilder bearbeitet, läuft laute Musik. Er arbeitet schnell und konzentriert. Zeit ist Geld. Der Blick auf den an der Wand hängenden Kalender verrät, wie voll der Wochenplan des Sternekochs ist. Neben den vier Tagen, an denen das Restaurant geöffnet hat, fährt er immer häufiger bundesweit zu Auswärtsterminen, kocht auf Messen, Veranstaltungen oder in Fernseh-Shows.

14:00 Uhr – Besucher im Restaurant

Am Nachmittag kommen die restlichen Lieferungen. "Wir versuchen, viel regional einzukaufen. Die Dinge, die wir regional nicht bekommen, wie Salz oder Olivenöl, das kaufen wir schon in einem Großmarkt ein. Das Fleisch, die Gemüse und Kräuter – das kommt alles aus dem Harz", so Pietsch. Auch der Wein wird geliefert. Der kommt zwar aus aller Welt, jedoch von einem Lieferanten aus Wernigerode.

Mit seinen Produzenten arbeitet Pietsch seit Jahren zusammen, sie sind sogar in seiner Menü-Karte aufgelistet. "Wenn man aus der Region kommt, dann kennt man sich. Wir haben wirklich tolle Produzenten hier", sagt Pietsch stolz. Auch wenn der junge Koch zu all seinen Lieferanten ein gutes und langjähriges Verhältnis pflegt, so ist eine Lieferantin besonders: seine Oma Christa. Sie hat einen kleinen Garten, aus dem sie auch für das "Zeitwerk" erntet. Omas Repertoire: Von Kräutern wie Petersilie über Tomaten bis hin zu Himbeeren bringt sie alles mit, was gerade wächst. Die Lieferung übernimmt Christa Pietsch häufig persönlich: "Seine Zeit ist sehr bemessen, das weiß ich auch, aber ich habe ja Zeit, ich bin Rentnerin. Also setze ich mich ins Auto und düse nach Wernigerode, dann trinken wir mal ein Käffchen zusammen und wir drücken uns und sind glücklich." Zu ihr hat der Koch ein besonderes Verhältnis und so versuche er immer, in seiner Freizeit vorbeizukommen und sich mal selbst bekochen zu lassen.

18:00 Uhr – Showtime im Restaurant

Um 18 Uhr öffnet das "Zeitwerk" seine Pforten. Vorher haben er und sein Team in der Küche gestanden und die Gerichte vorbereitet: Saucen, Sude, Suppen, Brioches, Konfitüren etc. Die Vorbereitungen werden in einer Vorbereitungsküche im Erdgeschoss abgeschlossen. Diese ist mit einem Keller, in dem zum Beispiel Selbsteingelegtes aufbewahrt wird. Saisonal und regional zu kochen, gehört zur Philosophie des Küchenteams. Daher gehört es dazu, Lebensmittel haltbar zu machen.

Zum Kochen geht es letztlich in die erste Etage. Hier befindet sich eine offene Küche, in der alle Gerichte zubereitet werden. Das Besondere: Die Gäste gehen direkt an den Köchen vorbei. Diese kochen quasi mittendrin, haben direkten Kontakt zu Gästen. Das ist Teil des besonderes Konzepts eines Wohnzimmer-Restaurants, wie Pietsch sein "Zeitwerk" selbst nennt. Robin Pietsch ist mittendrin und kocht mit seinem Team, bringt die Gerichte sogar zum Gast, auch wenn er es immer seltener tun kann. "Das ist das typische Klischee: Der Fernsehkoch, der ist doch gar nicht mehr in seinem Restaurant", so Pietsch. Aber auch, wenn es Auftritte auswärts gibt, die er nicht ausschlagen kann, so versuche er trotzdem, so oft wie möglich da zu sein. "Ich habe aber das große Glück, dass bei mir im Restaurant Leute arbeiten, auf die ich mich 110 Prozent verlassen kann. Und das macht es aus, dass ich auch mal sagen kann, ich fahre hier mal zum Dreh", so Pietsch.

Robin Pietsch und sein Team.
Robin Pietsch (Mitte) und sein Team in der offenen Kochküche seines Restaurants Bildrechte: MDR/Olga Patlan

20:00 bis 1:00 Uhr – Feierabend, nach Hause kommen

Nach dem Trubel im Restaurant neigt sich der Tag irgendwann dem Ende zu. Wann, das ist unterschiedlich: "Es gibt Tage, da stehe ich um 7 Uhr auf und gehe erst um 1 Uhr nach Hause." Dann gehe es nur unter die Dusche und ins Bett. Manchmal geht noch der Fernseher zum Einschlafen an. Für Privatleben und Hobbies bleibt da nicht sehr viel Zeit. "Wenn ich es schaffe, gehe ich zum Sport, ansonsten nutze ich die freie Zeit, um sie mit meiner Familie und Freundin zu verbringen", sagt Pietsch.

Es gibt Tage, da stehe ich um 7 Uhr auf und gehe erst um 1 Uhr nach Hause.

Robin Pietsch, Sternekoch

Der Tag endet, wie er begann – an der Seite von Freundin Laura. "Nach Hause kommen bedeutet Abschalten, Entspannen, glücklich sein, wenn die Partnerin zu Hause wartet", so Pietsch. Das Abschalten vom Job falle dem 30-Jährigen allerdings schwer: "So ist es eben bei Selbstständigkeit, man ist selbst und ständig". Gestresst fühlt er sich trotzdem nicht: "Weil mir mein Job Spaß macht", sagt Pietsch zufrieden und verabschiedet ich, um wieder fit zu sein für den nächsten Tag.

Olga Patlan
Bildrechte: MDR/Alexander Friederici

Über die Autorin Olga Patlan ist seit 2015 freie Redakteurin und Reporterin bei MDR SACHSEN-ANHALT. Hier schreibt sie Online-Artikel, betreut die Social Media-Kanäle und moderiert Interviews und Videos auf dem Facebook- und Instagram-Kanal von MDR SACHSEN-ANHALT. Sie lebt seit zehn Jahren in Magdeburg. Hier studierte sie an der Otto-von-Guericke Universität Germanistik und Psychologie, spezialisierte sich aber bereits früh im Studium auf Medien. Erste journalistische Erfahrungen sammelte sie bei Radio SAW. In ihrer Freizeit bereist sie gern die Welt und entdeckt Neues. Daher rührt auch ihre Leidenschaft für den Beruf als Journalistin, sich immer wieder in neue Inhalte zu denken, Menschen und Inhalte darzustellen.

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Quelle: MDR/pat

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2019, 11:56 Uhr

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