"Einschulung" steht auf einem Plakat
Einschulungsfotos können mit dem Datenschutz in Konflikt kommen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

Schulanfang Einschulung: Balance-Akt zwischen Erinnerungsfotos und Datenschutz

Der Samstag ist für Erstklässler in Sachsen-Anhalt ein großer Tag: Sie werden eingeschult. Familien wollen den Moment oft mit Fotos festhalten. Aber das kann Datenschutzrechte verletzen. Wie Grundschulen den Konflikt lösen.

"Einschulung" steht auf einem Plakat
Einschulungsfotos können mit dem Datenschutz in Konflikt kommen. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO

In Sachsen-Anhalt ist am Samstag Einschulung. Für Erstklässler und ihre Familien ein ganz besonderer Tag. Das Einschulungsfoto als Erinnerung gehört für viele dazu. Doch nicht jeder will bei der Veranstaltung fotografiert werden – oder Fotos seines Kindes danach etwa in sozialen Medien sehen.

Drei Wege für Umgang mit Fotos bei Einschulung

Für Grundschulen bedeutet das, dass sie sowohl den Wunsch nach einem Einschulungsfoto als auch den Datenschutz beachten müssen. Das wird bei einer Einschulungsfeier noch zusätzlich erschwert, denn das ist eine Veranstaltung mit Anwesenheitspflicht. Wer nicht fotografiert werden will, kann den Termin also nicht einfach auslassen. Das Bildungsministerium schreibt in einer Handreichung, dass die Schulen grundsätzlich drei Optionen haben, um die Rechte der Kinder und Familien zu wahren:

  1. Die Schule macht von ihrem Hausrecht Gebrauch und verbietet das Fotografieren während der Veranstaltung ganz.  
  2. Sie verbietet das Fotografieren während der Veranstaltung, bietet danach aber einen gesonderten Ort für Fotos an. Wer nicht fotografiert werden will, kann diesen Ort meiden.
  3. Sie holt von allen Teilnehmern eine Erlaubnis ein, dass sie fotografiert werden dürfen. Wer das nicht will, kann ein Erkennungszeichen tragen.

Komplettes Fotoverbot führt zu Problemen

Abc-Schützen mit Schultüte.
Ein komplettes Fotoverbot ist bei dem besonderen Erlebnis Einschulung schwer durchzusetzen. Bildrechte: Colourbox.de

Das Bildungsministerium räumt ein, dass Option 1 – ein komplettes Fotoverbot – wahrscheinlich auf Ablehnung stoßen würde. Ein Ministeriumssprecher sagte MDR SACHSEN-ANHALT, ein generelles Verbot führe meist zu Problemen.

Dennoch sagte die Vorsitzende des Grundschulverbands Sachsen-Anhalts, Thekla Mayerhofer, dass sich zunehmend Schulen dafür entscheiden würden, ein grundsätzliches Verbot auszusprechen, um auf der sicheren Seite zu sein. Diesen Weg ist nach Recherchen von MDR SACHSEN-ANHALT beispielsweise die Grundschule in Niegripp bei Burg gegangen. Mit Schildern weist die Schule auf das Verbot hin.

Einverständniserklärung vor Einschulung verteilt

Die meisten von MDR SACHSEN-ANHALT angefragten Grundschulen haben sich für die dritte Option entschieden. So haben zum Beispiel die Grundschule "Miriam Ludner" in Halberstadt sowie die Magdeburger Grundschulen am Glacis und in der Leipziger Straße vorab Einverständniserklärungen verteilt. Das Landesschulamt stellt einen Formularvorschlag für diese Fotoerlaubnis auf seiner Webseite bereit.

Empfehlung: Fotos vom eigenen Kind machen

Mayerhofer vom Grundschulverband kritisierte, dass das Fotografieren in den vergangenen Jahren überhandgenommen habe. Alle fotografierten und filmten, ohne hochzugucken. Das schaffe keine schöne Atmosphäre. Sie empfiehlt Eltern, nach der Feierstunde als Kleingruppe Fotos von der Familie oder mit befreundeten Familien zu machen, von denen sie die Zustimmung dazu haben. Diese Bilder sollten allerdings besser nicht im Internet hochgeladen werden.

Der Landesdatenschutzbeauftragte Harald von Bose sagt: "Wenn die Fotos von den eigenen Kindern im familiären Bereich bleiben, kann man diese bedenkenlos machen." Die schöne Praxis mache der Datenschutz nicht kaputt.

1947 wird Dorit Seeber im thüringischen Allmenhausen eingeschult: Die Zuckertüte ist geliehen, das Einschulungskleid ein Flickenteppich. 6 min
Bildrechte: MDR/Zeitreise

Fr 16.08.2019 14:59Uhr 06:26 min

https://www.mdr.de/zeitreise/ns-zeit/video-328542.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Quelle: MDR/mh,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 16. August 2019 | 09:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. August 2019, 16:14 Uhr

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21 Kommentare

20.08.2019 07:59 Ossi 21

Ich soll ein Fotobuch für die Klasse meiner Tochter erstellen, welches an die Schulzeit 1-4.Klasse erinnern soll. Wenn irgendeiner der Eltern verlanngen sollte, ihr Kind unkenntlich zu machen, klebe ich auf diesen Kopf des Kindes kleine Affenköpfchen, im Ernst!
So ein Affenzirkus hier....

19.08.2019 22:06 na so was 20

Wer so einen Schwachsinn eingeführt, hat eindeutig viel zu viel Zeit, um seiner wirklichen Arbeit nachzugehen. Es fetzt doch immer wieder, Klassenbilder aus längst vergessenen gemeinsamen Zeiten z.B. auf Klassenfeiern gemeinsam anzugucken. Da brauch man theoretisch gar nicht reden, man kommt wegen der Feixerei gar nicht dazu. Und das soll falsch sein. Wenn irgendeine "Behörde" ein Foto von uns haben will, hat diese "Behörde" dieses schon lange, ohne dass wir davon etwas mitbekommen haben. Die "Behörden" lassen grüßen und feixen sich eins über uns. So sieht es aus. 22:07

19.08.2019 17:51 aus Dresden 19

@ 12 Atheist aus Mangel an Beweisen
Klingen sehr überzeugend Ihre Vermutungen:
"Hier gehts nicht um Datenschutz sondern den Schutz vor der Realität der Bilder!
Diese Bilder könnten Verwandschaft und Bekanntschaft nur verunsichern.
Ist wie mit dem Vorschlag Namensschilder an Hauseingängen verbieten zu wollen."

Zudem soll sicher das familiäre Leben und die Familie überhaupt - und sei es nur in Photoform - weiter erodiert werden.

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