Ein Abellio-Zug steht an einem Bahngleis.
Noch monatelang wird es Probleme bei den Verbindungen von Abellio geben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zugausfälle und Personalmangel Engpässe bei Abellio voraussichtlich bis Ende 2019

Beim privaten Bahnanbieter Abellio läuft es nicht rund: Für die Fahrgäste in Sachsen-Anhalt wird es auch in nächster Zeit Einschränkungen geben. Spontane Zugausfälle soll es zwar nicht mehr geben. Dafür fahren weiterhin Schienenersatzverkehr-Busse und einzelne Zugfahrten sind ganz planmäßig gestrichen.

Ein Abellio-Zug steht an einem Bahngleis.
Noch monatelang wird es Probleme bei den Verbindungen von Abellio geben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ausgefallene Züge, Busse anstatt Bahnen, fehlende Lokführer – beim privaten Bahnanbieter Abellio läuft es nicht rund. Wie das Unternehmen nach einem Krisengespräch mit der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) mitgeteilt hat, muss es in Sachsen-Anhalt auch in nächster Zeit seine Zugverbindungen einschränken.

Zwar soll es ab kommenden Montag, dem 7. Januar, einen verlässlichen Betrieb ohne spontane Zugausfälle geben. Allerdings werden wegen rund 40 fehlender Lokführer weiterhin nicht alle Fahrten wie geplant stattfinden können.

Fahrten entfallen planmäßig

Auf der Strecke Dessau-Köthen etwa entfällt pro Richtung je eine Abendfahrt. Das betrifft den Zug, der normalerweise kurz nach 21 Uhr in Dessau startet sowie denjenigen 22:18 Uhr ab Köthen. Stattdessen sind Busse unterwegs. Auch die Unstrutbahn zwischen Naumburg und Wangen wird weiterhin mit Bussen bedient – und zwar bis Anfang März und damit drei Wochen länger als eigentlich geplant.

Wie Abellio mitteilte, wird es zudem ab dem 4. März 2019 Einschränkungen im Dieselnetz Sachsen-Anhalt (DISA) und im Saale-Thüringen-Südharz-Netz (STS) geben. Diese würden momentan noch geprüft und abgestimmt. Möglicherweise könnten Subunternehmer Leistungen übernehmen, für die Abellio zuständig ist.

Der Grund des Problems

Als Ursache der Probleme nennt Abellio Personalmangel, verursacht vom generellen Fachkräftemangel. Etwa 40 Lokführer würden zusätzlich gebraucht. Bis Ende 2019 könnte sich die Suche nach weiteren Triebwagenführern hinziehen. Abellio bildet sie nach Angaben der NASA seit 2017 auch selbst aus und finanziert außerdem die Ausbildung von Quereinsteigern.

Abellio Dieselnetzplan ab 2018
Abellio hat seit Ende 2018 auch das Dieselnetz Sachsen-Anhalt übernommen. Bildrechte: Abellio Deutschland

Kritik an Abellio wächst

Die Gewerkschaft der Lokführer GDL wirft dem Unternehmen jedoch mangelnde Nachwuchsförderung vor. Ähnlich sieht es der Fahrgastverband Pro Bahn. Der Magdeburger Vorstand Tom Bruchholz sagte MDR SACHSEN-ANHALT, Einschränkungen im Zugverkehr bis Ende des Jahres seien nicht hinnehmbar. Der Fahrgastverband kritisiert aber auch den Nahverkehrsservice NASA, der den Schienenverkehr im Land verwaltet. Nach den Worten von Bruchholz hätte die NASA bei der Vergabe mehr auf die Personalsituation und nicht nur auf wirtschaftliche Belange schauen müssen.

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Quelle: dpa, MDR/lk

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 05. Januar 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Januar 2019, 10:31 Uhr

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3 Kommentare

09.01.2019 12:44 Nordharzer 3

Und die NASA sitzt das Thema aus! Der Geschäftsführer scheint mit der Problematik völlig überfordert zu sein. Es sind in der Landesverwaltung schon Führungskräfte wegen unwichtigerer Angelegenheiten geschaßt worden.

09.01.2019 10:45 tf 2

Ein nicht zu vernachlässigender Fakt ist die Einstellungspraxis bei Abellio. Reihenweise bekommen erfahrene Lokführer Absagen (zu teuer?) und Abellio stellt sich hin und jammert, dass es keine Tf gibt! Das ist meine eigene Erfahrung und ich kenne einige Kollegen, denen es ebenso ergangen ist! Das an sich ist schon ein Skandal, der aber scheinbar niemanden interessiert. Auch auf meine Anfrage beim mdr kam keine Antwort!

08.01.2019 14:28 Matthias Kreutzmann 1

Warum möchte denn niemand mehr Lokführer werden? Warum will man nicht den Dienst um 02:40 Uhr beginnen und schon um 14:22 Uhr beenden? Warum soll man nach 2 Tagen Ruhe nicht früh um 03:36 Uhr anfangen wollen? Und freie Wochenenden sind doch eh überbewertet, warum dann nicht auch 5 WE hintereinander? Das Zugpersonal wird wie eine Südfrucht ausgepresst. Würde es nicht so viele Kollegen mit Sprachfehler geben, die immer wieder "Ja" sagen, so müssten noch viel mehr Züge ausfallen.
Man kann in Ausschreibungen auch klar verankern, dass der Gewinner der Ausschreibung die gleichen Lohn- und Sozialleistungen bietet wie das vorherige Unternehmen. Man kann - muss man natürlich nicht.
Und den Verantwortlichen aus der Politik sind die Menschen doch eh egal. Hauptsache, sie haben genug und auch später eine hohe Pension. Um mehr geht es hier schon lange nicht mehr.