Verkaufsveranstaltung auf einer Kaffeefahrt
Veranstalter scheffeln mit Kaffeefahrten Millionen. Bildrechte: imago/Geisser

Reportage "exakt - Die Story" Abzocke Kaffeefahrt – Ermittler verrät Tricks

Es gibt sie immer noch – die Kaffeefahrten. Gutgläubige fallen auf betrügerische Angebote und Versprechen herein. Schätzungen zufolge machen die Veranstalter einen Jahresumsatz im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich. Einer, der ihnen das Handwerk legen will, ist Guido Friedrich. Der Kriminalhauptkommissar aus Halle ist Sachsen-Anhalts Experte Nr. 1, wenn es um die Bekämpfung von Kaffeefahrten geht.

Verkaufsveranstaltung auf einer Kaffeefahrt
Veranstalter scheffeln mit Kaffeefahrten Millionen. Bildrechte: imago/Geisser

Es ist ein ganz normaler Morgen in einem Ortsteil von Lützen im Burgenlandkreis. Vor einer Gaststätte hält ein Bus. 22 Senioren steigen aus und werden in das Gebäude geführt. Gleich wird die Verkaufsveranstaltung starten. Ein wortgewandter Verkäufer legt schon los. Was dieser nicht weiß: Er befindet sich im Zuständigkeitsbereich von Kriminalhauptkommissar Guido Friedrich, Spezialist für Kaffeefahrten. Und der Kommissar hat zwei verdeckte Ermittler unter den Teilnehmern eingeschleust. Schon als sich vor fünf Jahren die Anzeigen gegen Betrüger häuften, hat Kommissar Friedrich mit dieser Methode gearbeitet.

Arbeit mit Lockvögeln

Kriminalhauptkommissar Guido Friedrich von der Polizeiinspektion Halle hat sich dem Kampf gegen Kaffeefahrten verschrieben.
Bildrechte: MDR/Mia Media/Lars Langer

Wir haben lebensältere Kolleginnen oder Kollegen genommen und gesagt: 'Wir fahren mit und schauen uns das einfach mal an' … Natürlich waren dann diese Kolleginnen und Kollegen auch gebrieft. Die wussten, worauf sie hören mussten. Und so wussten wir dann genau, was drin passiert und wussten auch, welche Straftaten begangen werden.

Kriminalhauptkommissar Guido Friedrich

Strafbar ist zum Beispiel, wenn der Verkäufer behauptet, ein Produkt könne Krankheiten heilen oder vorbeugen. Friedrich dazu: "Die krankheitsbezogene Bewerbung von Nahrungsergänzungsmitteln, Lebensmitteln ist verboten. Steht unter Strafe."

Von der "Betrugsmasche Kaffeefahrt" profitieren auch Busunternehmen und Wirte. In der Gaststätte erzählt der Verkäufer mittlerweile den Rentnern, dass es gleich eine kleine Überraschung und am Ende noch Geschenke gibt. Waren es früher vor allem die berühmten Heizdecken, locken die Kaffeefahrten heute auch schon mal mit Tablets. Aber, vor allem sollen die Leute kaufen – die teuren Wundermittel gegen Krankheiten zum Beispiel. Dabei gehen die Verkäufer ziemlich aggressiv vor. Und, sie nutzen Gesetzeslücken und rechtliche Grauzonen, um Widerrufe zu erschweren und ihre Identität zu verschleiern.

Täter meiden Sachsen-Anhalt

Da greift dann die "Lockvogelmethode" von Kriminalhauptkommissar Friedrich. Seine Taktik geht auf. Viele Täter konnten gefasst werden. Friedrich und seine Kollegen haben schon einige Abzocker auffliegen lassen und dafür gesorgt, dass die Täter vor Gericht kommen. Mittlerweile machen zumindest die Einladungen zur Kaffeefahrt um Sachsen-Anhalt häufig einen Bogen.

Wir haben gemerkt: Moment mal, die Anzeigen kommen nicht mehr. Dann haben wir die alten Leute, die wir so festgestellt haben, angerufen. Die haben uns gesagt: Mensch, wir haben schon lange keine Einladung mehr bekommen. Das ist so für uns das Indiz, dass wir sagen: Die Täter meiden mittlerweile Sachsen-Anhalt.

Kriminalhauptkommissar Guido Friedrich

Und auch bei der Kaffeefahrt im Burgenlandkreis wird der Ermittler eingreifen. Was die Verkäufer hier zum Beispiel als Demenzmittel für schlappe 1.600 Euro unter die Leute bringen wollen, ist ein Nahrungsergänzungsmittel und kostet in ähnlicher Zusammensetzung rund 80 Euro in der Apotheke. Guido Friedrich beschlagnahmt es als mögliches Beweismittel. Er hofft, dass seine Ermittlungsergebnisse ausreichen, damit die Staatsanwaltschaft Anklage erheben kann.

Quelle: MDR/agz,cw

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story | 13. März 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 15:43 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

6 Kommentare

15.03.2019 02:15 Andreas 6

Ich verstehe die Rentner schon die eigentlich nur mal unter Menschen kommen wollen und dann leider oft abgezockt werden. Rentner sind nun mal leichte Opfer für alle arten von verbrechen. Das wird wohl immer so bleiben.

12.03.2019 20:46 Blau 5

Wer nach 30 Jahren noch darauf reinfällt, hat nichts dazu gelernt . Aber das funktioniert nur mit älteren Menschen. Das ganze Geld muss man gleich einkassieren und den älteren Menschen zurück geben und die Betrüger eine harte Geldstrafe verpassen und ihre Waren beschlagnahmen und vernichten.

12.03.2019 19:09 heribert54 4

Ist doch ganz einfach, alle Einladungen zu solchen Kaffeefahrten nicht beachten. Werbung im DOOF-TV und im STAATSFERNSEHEN (ÖR) ignorieren, schon geht es einem besser. Wer das nicht will, wird weiter abgezockt.