Ein Ankunftsplan am Bahnsteig, im Hintergrund ein ICE-Zug
Die ICE-Trasse bindet fast alle Regionen Sachsen-Anhalt besser an. Bildrechte: MDR/André Plaul

Fahrplanwechsel Wer von der neuen ICE-Trasse besonders profitiert

Mit dem Fahrplanwechsel der Bahn am 10. Dezember geht das letzte große Verkehrsprojekt der Deutschen Einheit vollständig ans Netz, die ICE-Trasse Berlin-München. Eine Stichprobe von MDR SACHSEN-ANHALT zeigt, dass dann alle Regionen Sachsen-Anhalt von schnelleren Verbindungen nach Bayern profitieren. Das liegt auch an enger abgestimmten Regional-Fahrplänen. So ergeben sich für Reisende aus dem Harz bis zu vier Stunden Zeitvorteil.

Ein Ankunftsplan am Bahnsteig, im Hintergrund ein ICE-Zug
Die ICE-Trasse bindet fast alle Regionen Sachsen-Anhalt besser an. Bildrechte: MDR/André Plaul

Der Süden wird nicht abgehängt

Die nahezu stündliche Direktanbindung Naumburgs nach Berlin und München ist seit dem 10. Dezember Geschichte. Dann leitet die Deutsche Bahn ihre Schnellzüge nicht mehr durch das kurvenreiche Saaletal, sondern über die nun fertige Neu- und Ausbaustrecke über Halle/Leipzig, Erfurt und den Thüringer Wald. Abgekoppelt ist der Süden Sachsen-Anhalts damit nicht: Auch wenn Reisende ab Naumburg künftig umsteigen müssen, benötigen sie für die Fahrt rund 80 Minuten weniger. Der gleiche Zeitvorteil ergibt sich auch für Weißenfels und Zeitz.

Grafik mit der Bahnstrecke Berlin – München mit der Zeitersparnissen der Strecken Halle – Erfurt und Halle – München
Der Bahnknoten Halle wird direkt eingebunden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Deutlich mehr Vorzüge hat jedoch Halle von der neuen Schnelltrasse: Die Verbindung nach München wird künftig nun wieder ohne Umstieg angeboten. Die Saalestadt profitiert auch davon, dass die Bahn ihre schnellen "ICE-Sprinter"-Züge ebenfalls in Halle halten lässt. Somit sparen Reisende nach München mit einer Reisezeit von 2 Stunden 45 Minuten künftig bis zu 155 Minuten. Für die Kreisstadt Merseburg ergibt sich mit Umstieg in Halle noch ein Zeitvorteil von 113 Minuten. Auch für Reisende aus dem Landkreis Mansfeld-Südharz wird die ICE-Trasse interessant: Waren von Sangerhausen und der Lutherstadt Eisleben bisher Verbindungen über Kassel vorteilhafter, ergeben sich ab Dezember um 163 Minuten beziehungsweise 156 Minuten kürzere Verbindungen über Halle beziehungsweise Erfurt.

Vom Harz nach München in vier Stunden

HarzElbe Express am Bahnhof von Blankenburg (Harz)
Bislang ging es von Blankenburg über Hannover nach München am schnellsten. Bildrechte: IMAGO

Die größten Profiteure der neuen ICE-Trasse sind Reisende aus dem Harz. Die Fahrzeiten des Harz-Elbe-Expresses (HEX) sind mit wenigen Minuten Umsteigezeit in Halle auf die ICE-Sprinter abgestimmt. Eine Fahrt nach München geht damit ab Dezember von Wernigerode 131 Minuten schneller, von Blankenburg bis zu 237 Minuten schneller, von Quedlinburg 238 Minuten schneller und von Halberstadt 179 Minuten schneller. Außerdem ist von der Kreisstadt aus nur noch ein Umstieg nötig. Diese Fahrt dauert 4 Stunden und 1 Minute.

Auch der Salzlandkreis kann sich über eine bessere Anbindung freuen. Ab Bernburg sind über die Sprinter-Anbindung in Halle bis zu 185 Minuten Zeitvorteil möglich. Außerdem kann München von der Kreisstadt aus mit nur einem Umstieg erreicht werden, mit noch 65 Minuten Ersparnis. Ähnlich sieht es für Staßfurt aus. Und auch von Aschersleben lässt sich München mit nur noch einem Umstieg in 3 Stunden 39 Minuten erreichen. Von Schönebeck nach München werden künftig nur noch 4 Stunden 13 Minuten benötigt und damit 124 Minuten weniger.

Anhalt und Wittenberg behalten ICE-Anschluss

Die Lutherstadt Wittenberg sowie Bitterfeld werden auch nach dem Fahrplanwechsel von den Direkt-ICE-Zügen nach München angefahren, jedoch nicht von den Sprintern. Dennoch verkürzen sich die Reisezeiten um etwa eineinhalb Stunden. Von Bitterfeld nach München geht es in nur 3 Stunden 30 Minuten, wenn Reisende zusätzlich in Halle umsteigen. Dessau wiederum wird per Regionalverkehr günstig an die Sprinter-Züge angebunden, sodass sich 160 Minuten Reisevorteil im Vergleich zum bestehenden Fahrplan ergeben. Für Reisende ab Zerbst und Köthen geht die Fahrt nach München künftig gut zwei Stunden schneller.

Raum Magdeburg hat mehr Auswahl

Ein ICE-Zug steht im Magdeburger Hauptbahnhof
Zwar bleibt Magdeburg der wöchentliche Direkt-ICE nach München erhalten, über Halle geht die Fahrt dennoch schneller. Bildrechte: MDR/André Plaul

Je weiter nördlich der Abfahrtsbahnhof liegt, desto mehr verläuft sich der Zeitvorteil der ICE-Trasse im Süden Sachsen-Anhalts. Zwar bleibt für Magdeburg die Direktverbindung nach München über Kassel mit einem ICE pro Woche erhalten. Dennoch geht es für Reisende ab Dezember mindestens 30 Minuten schneller, wenn sie mit Umstieg in Halle gen Süden fahren. Tagsüber liegt die Zeitersparnis dann sogar bei zwei Stunden. Zudem bleiben die bisherigen Fernverbindungen über Niedersachsen erhalten. Haldensleben in der Börde ist erstmals sogar besser über Halle angebunden als über Wolfsburg. Reisende müssen ab der Kreisstadt dennoch zwei Mal umsteigen, sparen bei einer Fahrzeit von 4 Stunden 48 Minuten aber 96 Minuten Zeit.

Auch für Reisende ab Burg wird es erstmals attraktiv, über Magdeburg und Halle nach München zu reisen – in nur 4 Stunden 30 Minuten. Zudem bleibt die Option über Berlin mit nur einem Umstieg, die aber eine Stunde länger dauert.

Kaum Auswirkungen für die Altmark

Bahnreisende im Norden Sachsen-Anhalts werden von der Bahn-Trasse im Süden hingegen kaum profitieren. Ab Stendal bleiben die Verbindungen über Hannover mit 5 Stunden 27 Minuten fast immer die günstigere Variante. Bei der Fahrt über Magdeburg und Halle ergeben sich nur 20 Minuten Zeitvorteil. Die Fahrt Salzwedel-München ist mit 6 Stunden 6 Minuten über Halle zwar künftig über zwei Stunden kürzer. Ähnlich schnell sind jedoch weiterhin auch hier die Verbindungen über Hannover. Für Bahnreisende ab Gardelegen bleibt die Fahrt über Wolfsburg die schnellere Variante im Vergleich zur neuen ICE-Trasse. Hier ergibt sich mit Fahrplanwechsel auf keiner Verbindung ein großer Zeitvorteil, sodass die Zugfahrt nach München künftig ebenfalls etwa 6 Stunden dauern wird.

Blick auf eine Brückenbaustelle bei Goldisthal. Zu sehen sind mehrere gelb gestrichene Baukräne, die in einem kleinen Tal stehen. Außerdem ist ein Fundament für einen Brückenpfeiler erkennbar.
Die Neubaustrecke durch den Thüringer Wald (Abschnitt 8.1) führt fast zur Hälfte durch Tunnel oder über Talbrücken. Bildrechte: MDR/André Plaul

Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 Es ist das größte der 17 Verkehrsprojekte, die nach der Deutschen Einheit beschlossen wurden, um die Verkehrsverbindungen zwischen Ost und West zu verbessern. Die Kosten für den Aus- und Neubau der über 500 Kilometer langen Verbindung Berlin-Nürnberg beziffert die Bahn auf zehn Milliarden Euro. Ursprünglich waren gut 14 Milliarden Mark für das Projekt vorgesehen. Vor allem die Trasse durch den Thüringer Wald war eine ingenieurtechnische Herausforderung: 29 Brücken mussten errichtet und 22 Tunnel gebohrt werden. Beim Bau des rund acht Kilometer langen Bleßbergtunnels in Thüringen entdeckten die Bauarbeiter zudem eine Tropfsteinhöhle.


Daten- und Vergleichsgrundlage waren die Verbindungen für alle Kreisstädte, kreisfreien Städte sowie Städte mit mindestens 20.000 Einwohnern in Sachsen-Anhalt in Richtung München Hbf an den Tagen 1. November 2017 (Fahrplan 2017) und 13. Dezember 2017 (Fahrplan 2018). Verglichen wurden die jeweils schnellsten Verbindungen mit möglichst wenigen Umstiegen.


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Quelle: MDR/ap

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | Studio Magdeburg | 01. November 2017 | 09:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2017, 08:47 Uhr

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5 Kommentare

10.12.2017 12:57 Bernd 5

"Die Fahrzeiten des Harz-Elbe-Expresses (HEX) sind mit wenigen Minuten Umsteigezeit in Halle auf die ICE-Sprinter abgestimmt."

Ob da der Sprinter wartet, wenn es mal ein bisschen später geworden ist?

10.12.2017 11:53 Thomas Schumann 4

Die Schnellfahrstrecke z.B. Halle -Erfurt funktioniert doch bereits vor dem Dezember 2017. Bitte die Grafik korrigieren.Danke.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Die Grafik bezieht sich auf die Zeitersparnis, die Reisende mit dem neuen Fahrplan seit heute haben.

01.11.2017 11:50 Beton 3

Eine sehr schöne Analyse, die zeigt, welche Bedeutung diese Neubaustrecke entfalten kann, wenn die Vernetzung in die Region paßt.
Für Quedlinburg komme ich auf 4:30h statt 7:30h, also stolze 3 Stunden weniger. Die vom MDR errechneten 238 Minuten Einsparung zu heute, ergeben sich aus der MDR-Obergrenze von max. 2 Umstiegen. Die Anzahl der Umstiege hat für mich aber geringere Bedeutung als der erhebliche Mehrpreis für den Umweg über Magdeburg bei 2 Umstiegen (107€ zu 145 €).
Da Halle selbst "nur" 155 Minuten profitiert, zeigt sich bei den anderen Relationen mit deutlich mehr Zeiteinsparung, wie schlecht bisher die Anbindung an den Fernverkehr war.