Fahrraddiebstahl
Ein Fahrraddieb will mit einem Bolzenschneider ein Fahrradschloss knacken (Symbolbild). Bildrechte: IMAGO

Statistik Wo die meisten Fahrräder gestohlen werden

Fahrraddiebstahl bleibt in Sachsen-Anhalt auch weiterhin ein ernsthaftes Problem. Als eines der am stärksten betroffenen Bundesländer ist das Land gleich drei Mal in der bundesweiten Top 10 des Fahrradklaus vertreten. Im Langzeitvergleich wird zudem deutlich: Die Aufklärungsquote hat sich über die Jahre hin kaum gebessert.

von Manuel Mohr, MDR SACHSEN-ANHALT

Fahrraddiebstahl
Ein Fahrraddieb will mit einem Bolzenschneider ein Fahrradschloss knacken (Symbolbild). Bildrechte: IMAGO

Abends das Fahrrad sicher im Innenhof anschließen – und morgens ist es trotzdem verschwunden. In Sachsen-Anhalt ist das trauriger Alltag. 2016 wurden jeden Tag durchschnittlich rund 40 Fälle von Fahrraddiebstahl polizeilich registriert – insgesamt waren es 14.570. Damit ist – wie auch in ganz Deutschland – der Negativtrend aus den Vorjahren zwar gestoppt, allerdings nur leicht:

Rechnet man die 14.570 Fälle auf die rund 2,25 Millionen Einwohner von Sachsen-Anhalt um, so ergibt sich eine sogenannte Häufigkeitsziffer von 649. Das heißt, auf 100.000 Einwohner kommen 649 Fälle von Fahrraddiebstahl. Nur in den Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin sind die Werte noch höher. Die kleinsten Häufigkeitsziffern bei Fahrraddiebstählen können Rheinland-Pfalz (176) und das Saarland (100) aufweisen.

Städte besonders betroffen

Die Häufigkeitsziffer ist natürlich nur ein Durchschnittswert, die Menschen in Sachsen-Anhalt sind unterschiedlich stark betroffen vom Fahrraddiebstahl. Während es in ländlichen Regionen nicht so schlimm ist, liegen die Zahlen in Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau umso höher:

Damit liegen die drei größten Städte Sachsen-Anhalts auch im bundesweiten Vergleich an unrühmlicher Stelle. So schaffen sie es allesamt in die Top 10 des Fahrraddiebstahls in Deutschland – wiederum bezogen auf Fälle pro 100.000 Einwohner:

Geringe Chance auf Aufklärung

2016 gab es bundesweit die meisten Diebstähle in den warmen Monaten Mai bis September. Aufgeklärt werden die meisten Fälle allerdings nie. Die Aufklärungsquoten liegen – und das nicht nur im vergangenen Jahr – bundesweit bei knapp 10 Prozent. In Sachsen-Anhalt liegt die Quote nur geringfügig darüber. Mehr als 80 Prozent aller Fälle von Fahrraddiebstahl werden allerdings auch hier nicht aufgeklärt:

Gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT erklärt das Landeskriminalamt (LKA) Sachsen-Anhalt, dass ein Großteil der Diebstähle von einer eher kleinen Gruppe von Intensivtätern begangen wird. Es gäbe also einige wenige Diebe, die beinahe täglich Fahrräder entwenden und sie sofort weiterverkaufen.

Die Polizei setzt große Bemühungen in die Ermittlung der Aufkäufer/Hehler und deren Strukturen. Diese handeln jedoch sehr konspirativ und somit gestalten sich die Ermittlungen oft sehr schwierig.

Andreas von Koß, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des LKA Sachsen-Anhalt

Es sei davon auszugehen, so das LKA weiter, dass ein Großteil der entwendeten Fahrräder in das osteuropäische Ausland gebracht werde. Zudem sollen auch Drogenabhängige unter den Tätern sein, die so ihre Sucht finanzieren.

Sichere Anschlussmöglichkeiten fehlen

Um es Fahrraddieben möglichst schwer zu machen, empfiehlt das LKA allen Fahrradbesitzern, mögliche Individualnummern der Räder zu notieren und hochwertige Schlösser zu verwenden. Oftmals fehle in Städten aber auch die Möglichkeit, Räder an einem Fahrradständer oder Geländer anzuschließen. Mehrere Stadtratsfraktionen im Land sehen das ebenso.

Auf Anfrage teilen beispielsweise die Fraktionen der Linken und der Grünen in Magdeburg mit, dass ein ausreichendes und flächendeckendes Angebot an geeigneten Abstellanlagen entscheidend sei. Denn nur so können Fahrräder diebstahlsicher angeschlossen werden. Ähnlich äußern sich auch die Grünen aus Halle. Sie bemängeln allerdings, dass entsprechende Ratsbeschlüsse aus ihrer Sicht nur schleppend umgesetzt werden.

Die Hallenser SPD-Stadtratsfraktion sieht vor allem im Bereich Prävention noch Nachholbedarf. Fahrräder sollten registriert werden, Besitzer wertvoller Räder sollen nach Aussage der Fraktion zudem über ein zweite Schloss nachdenken.

CDU und FDP in Halle sehen hingegen andere in der Pflicht. So solle die personelle und technische Ausstattung der Ermittlungsbehörden verbessert werden, in besonders betroffenen Stadtteilen mehr Polizei präsent sein und Täter und Hehler härter bestraft werden.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11.07.2017 | 10:00 Uhr


Datenquellen

Polizeiliche Kriminalstatistik des BKA für das Jahr 2016 (Schlüssel "***300"):


LKA Sachsen-Anhalt:


Quelle: MDR/mm

Zuletzt aktualisiert: 13. Juli 2017, 09:11 Uhr

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8 Kommentare

13.07.2017 23:39 Mike 8

sichere anschlussmöglickiten, gibt es nicht. es gibt nur bequeme.
mir einem normalen bolzenschneider sind 50%der schlösser in sekunden geknackt. ab in den transporter und weg isses. keiner hat es gesehen. da muss schon etwas her was laut ist. da erschreckt sich der dieb, schauen erschrocken passanten und ggf bleibt das rad stehen. ansonsten könnte der dieb erkannt werden und das kfz kennzeichen notiert. eventuell wäre bei einkaufsmärkte eine kamera im aussenbereich gut. auch wenn viele von privatsphäre reden. ist geht sicherheit vor.

13.07.2017 14:04 Barbara 7

wie zu DDR- Zeiten ................ ich vergleiche das jetzt wieder MDR, es würd alles gemaust was möglich ist, nicht umsonst standen soviele Fahrräder
vor einem Asylantenheim was im Netz mal abgebildet war. Klasse Deutschland !!

13.07.2017 08:38 DeniseL 6

Sichere Anschlussmöglichkeiten fehlen, ja auf jeden Fall. Aber da ja auch vor Einbruch in Keller, Garagen und Co. nicht zurück geschreckt wird, wo soll man sein Fahrrad denn noch sicher verwahren?

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