Ein Radfahrer faehrt auf einem Radweg an der Elbe in Magdeburg entlang
Wird täglich von vielen Pendlern und Touristen genutzt: Radweg an der Elbe in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

Übersicht Was die Städte in Radwege investieren

Jahr für Jahr werden bestehende Radwege in Sachsen-Anhalt instand gehalten und ausgebaut. Wie viel Geld dabei ausgegeben wird, das wollte MDR SACHSEN-ANHALT von den größten Kommunen des Landes wissen.

von Manuel Mohr, MDR SACHSEN-ANHALT

Ein Radfahrer faehrt auf einem Radweg an der Elbe in Magdeburg entlang
Wird täglich von vielen Pendlern und Touristen genutzt: Radweg an der Elbe in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Pia Uffelmann

Jetzt im Sommer lassen viele Menschen öfter auch mal das Auto stehen und nutzen das Fahrrad, um kurze und mittlere Strecken zurückzulegen. Gerade in Städten ist man so nicht nur schneller am Ziel, man tut auch noch etwas für seine Gesundheit und erspart sich den Stau im Feierabendverkehr. Doch längst nicht überall im Land sind die bestehenden Radwege gut in Schuss, dazu kommen viele Stellen, an denen es schlichtweg keine gesonderten Radwege gibt und sich Fahrradfahrer und Autofahrer eine Spur teilen müssen – zum Leidwesen beider Parteien.

Gerade Städte sollten deshalb bestrebt sein, bestehende Radwege zu erhalten und die Infrastruktur auszubauen. MDR SACHSEN-ANHALT hat bei den größten Kommunen im Land um eine Auflistung der Gelder gebeten, die in den vergangenen Jahren für die Radweg-Infrastruktur verwendet wurden.

Die Ergebnisse:

Magdeburg

Die Investitionen der Landeshauptstadt in die Radweg-Infrastruktur belaufen sich im Zeitraum 2008 bis 2016 auf jährlich rund 540.000 Euro – rechnet man langfristige Investionen wie beispielsweise den Rundweg um den Neustädter See auf die einzelnen Jahre um. Größte Einzelposten in den vergangenen Jahren waren das knapp einen Kilometer lange Teilstück des Schroteradwegs vom Schöppensteg bis zur Wasserkunststraße (400.000 Euro) sowie ein 530 Meter langer Geh- und Radweg in Alt Fermersleben zwischen Mahrenholzstraße und Bisamweg (324.000 Euro). Insgesamt investierte die Stadt zwischen 2008 und 2016 rund 4,9 Millionen Euro – die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegende Auflistung ist laut der Stadt Magdeburg allerdings nicht vollständig.

Halle (Saale)

In Halle (Saale) wurden laut Drago Bock,  Sprecher von OB Bernd Wiegand, zwischen 2007 und 2016 insgesamt rund 11,5 Millionen Euro in den Ausbau von Radwegen investiert. 2011 war mit 1,66 Millionen Euro dabei das investitionsreichste Jahr. Die größten Posten in den vergangenen Jahren: der Ausbau der Hafenbahnstraße (2009) und der Kröllwitzer Straße einschließlich der Giebichensteinbrücke (2014). Beide Bauvorhaben kosteten die Saalestadt jeweils 600.000 Euro.

Aus den Angaben, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegen, geht zudem hervor, dass in den vergangenen beiden Jahren insgesamt eine Viertelmillion Euro für den Unterhalt von Geh- und Radwegen ausgegeben wurde. 2015 waren es 200.000, 2016 50.000 Euro.

Dessau-Roßlau

Nach Angaben des Tiefbauamts wurden in Dessau-Roßlau von 2010 bis 2016 jährlich zwischen 371.000 Euro und fast 1,3 Millionen Euro für die Instandhaltung und Ausbau der Radweg-Infrastruktur ausgegeben. Investitionen in den Ausbau wurden dabei in jedem Jahr mit deutlich mehr Mitteln bedacht als die Instandsetzung der bestehenden Radwege. In den von der Stadt aufgeführten Gesamtkosten sind allerdings mehrere Maßnahmen nicht mit eingerechnet, bei denen beispielsweise im Rahmen von größeren Investionen (Ersatzneubau der Muldebrücke) oder Fahrbahnaufwertungen (Asphaltfahrbahn in der Karlstraße) auch der Radverkehr betroffen war.

Lutherstadt Wittenberg

Schätzungen des Fachbereichs "Öffentliches Bauen" weisen für die Jahre 2007 bis 2011 Eigenmittel-Aufwendungen von jährlich 30.000 Euro für den Unterhalt der Radwege aus. Ab da sind die Ausgaben – auch mit Fördermitteln – auf zuletzt 113.000 Euro im Jahr 2016 gestiegen, die auch in den Ausbau gesteckt werden. Weitere Investitionen wurden laut Fachbereich auch seitens der Landesstraßenbaubehörde getätigt. Sie ist für Radwege zuständig, die zwar zum Wittenberger Radnetz gehören, aber an Bundesstraßen liegen und damit in eine andere Zuständigkeit fallen.

Forderung nach mehr Investitionen

Gerade regelmäßige Fahrradfahrer sehen die oben aufgeführten Ausgaben oft nicht als ausreichend an. Ein Beispiel für den Ruf nach mehr Investitionen in die Radweg-Infrastruktur ist der Verein "Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC)", ein Interessenverband der "Alltags- und Freizeitradler". In Magdeburg hat der Verein eine Petition gestartet, in der unter anderem auch gefordert wird, dass die Stadt gemäß des Nationalen Radverkehrsplan 2020 jedes Jahr pro Einwohner mindestens acht Euro in den Radverkehr investiert. Bei einer aktuellen Einwohnerzahl von 235.723 Einwohnern wären das aktuell 1.885.784 Euro pro Jahr – 2016 lag der Wert deutlich darunter.

Landesweite Koordination in Planung

Auch die Landesregierung hat erkannt, dass der Radverkehr "bei der Ausgestaltung einer nachhaltigen, sicheren, gesundheitsfördernden und umweltfreundlichen Mobilität eine wesentliche Rolle" spielt. So steht es im Koalitionsvertrag. Darin steht auch, dass die Stelle eines Radverkehrskoordinators geschaffen werden soll, um die Zuständigkeiten im Radverkehr zu bündeln. Mehr als ein Jahr nach Unterzeichnung des Vertrags teilt das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit, dass "das Auswahlverfahren zur Besetzung der Stelle der Radverkehrskoordinatorin/ des Radverkehrskoordinators" abgeschlossen sei und die Stelle voraussichtlich im September oder Oktober besetzt werden soll. Folgende Aufgaben waren in der Stellenausschreibung unter anderem aufgeführt:

  • Vertretung des Landes beim Bund/Länder-Arbeitskreis Fahrradverkehr
  • Entwicklung von Strategien zur Weiterentwicklung und Akzeptanzförderung des Radverkehrs
  • Koordinierung der Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans des Bundes (NRVP) in Sachsen-Anhalt
  • Initiierung und Begleitung von Konzepten und Modellprojekten zur Stärkung des Radverkehrs
  • Aufbau der Arbeitsgemeinschaft "Radfreundliche Kommune"
  • Unterstützung der Landkreise / kreisfreien Städte und Kommunen bei der Erstellung von Radverkehrskonzeptionen für den Alltags- und Freizeitradverkehr sowie der Akquise von Fördermitteln

Nicht zuletzt die Fördermittelakquise ist mit Blick auf die Umsetzung des NRVP eine wichtige Aufgabe. Denn neben eigenen Mitteln können Kommunen auch diverse Förderungs- und Finanzierungsmöglichkeiten des Bundes und der Länder nutzen. Die sogenannte "Förderfibel" des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur und dem Institut für Urbanistik soll es Verwaltungen ermöglichen, konkrete Förderungsmöglichkeiten zu finden und diese mit der jeweils zuständigen Stelle umzusetzen.

Quelle: MDR/mm/ff

Zuletzt aktualisiert: 18. März 2019, 12:50 Uhr

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1 Kommentar

13.07.2017 11:14 Mike 1

11,5 millionen in 9 jahren für den radwegeausbau. wenn 1,66 mio das grösste war, in einem jahr. dann sind wohl mehr gelder ins bezahlen geflossen als in material.
1 million pro jahr, aber die beiden radtester, ärgern sich über das vorankommen in halle. gibt mir zu denken.

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