FAKT IST! aus Magdeburg "Wir brauchen verantwortungsvolle Eltern"

Wo leben Kinder, wenn die Eltern sich trennen? In Deutschland gibt es dazu bislang keine einheitliche Regelung – obwohl in Deutschland jährlich etwa 200.000 Kinder von der Trennung ihrer Eltern betroffen sind. Was also tun? Wenn es nach der FDP geht, sollen Kinder im Wechsel bei beiden Elternteilen leben. Das finden nicht alle gut, wurde am Montagabend in der MDR-Sendung FAKT IST! aus Magdeburg deutlich. Die Debatte in der Übersicht.

Der FDP-Politiker Frank Sitta hat sich für ein Wechselmodell ausgesprochen, in dem Trennungskinder bei Mutter und Vater leben. Sitta sagte in der MDR-Fernsehsendung FAKT IST! aus Magdeburg, seine Partei wolle Eltern aber nicht vorschreiben, wo die Kinder sich aufhielten. Der Idealfall sei ohnehin eine intakte Familie. "Uns geht es darum, eine Debatte loszutreten." Es sei inzwischen gesellschaftlich üblich, dass sich auch Väter mehr um die Kinder kümmern, indem sie etwa in Elternzeit gingen. "Wir wollen das Wechselmodell in die Köpfe der Menschen bringen", sagte der FDP-Landeschef aus Sachsen-Anhalt. Ob eine gesetzliche Regelung überhaupt eine Option sei, müsse die Debatte zeigen.

Sitta: "Kind hat Recht auf Eltern"

Frank Sitta
Frank Sitta, stellvertretender Vorsitzender FDP-Bundestagsfraktion. Bildrechte: FDP Sachsen-Anhalt

Sitta sagte, seiner Meinung nach könne ein Wechselmodell dazu beitragen, die Kommunikation zwischen Eltern zu verbessern. Es gebe viele gute Beispiele, in denen ein Wechselmodell funktioniere. In einigen EU-Ländern wie Belgien ist das Wechselmodell bereits gesetzlich verankert. "Nicht nur Eltern haben ein Recht auf ihr Kind. Das Kind hat auch ein Recht auf seine Eltern."

Kritik an dem Vorhaben kam von Eva von Angern, die für die Linke im Landtag von Sachsen-Anhalt sitzt. Von Angern sagte, allein Trennungseltern sollten entscheiden, was die beste Variante für das Kind sei. Wenn der Staat vorschreibe, wo die Kinder lebten, sei das "höchstproblematisch und nicht im Sinne des Kindes".

Eva von Angern (Die Linke)
Eva von Angern (Die Linke) Bildrechte: Eva von Angern/Die Linke Sachsen-Anhalt

Von Angern wies daraufhin, dass vor Gericht "Extremfälle" landeten. Wenn es soweit komme, seien die Eltern so zerstritten, dass auch ein Wechselmodell nicht mehr funktioniere. "Wir können Eltern nicht gegen ihren Willen zwingen, in einem solchen Modell zu leben", sagte von Angern. Im Wechselmodell seien Kinder immer in einem Loyalitätskonflikt.

Familienrichter: Mehr Vielfalt wäre wünschenswert

Der Kinderpsychologe Stefan Rücker betonte, der Fokus auf verschiedene Modelle sei verkürzt. "Letztendlich entscheiden Menschen über das Kindeswohl, in diesem Fall Eltern."

Rücker wies darauf hin, dass man die Beziehung von Eltern nicht gerichtlich anordnen könne. Er sagte, viele Eltern unternähmen zu wenig für die Beziehung, ehe es zum Streit vor einem Familiengericht komme. Eltern sollten die Chance nutzen, mit einem Mediator an ihrer Beziehung zu arbeiten und eine Kränkung aufzuarbeiten. Rücker weiter: "Wir brauchen verantwortungsvolle Eltern, die es schaffen, ihre Konflikte von ihren Kindern fernzuhalten."

Der Familienrichter Wolfgang Keuter sagte, es sei sicher an der Zeit, dass in Deutschland mehr Modelle praktiziert würden. "Mehr Vielfalt wäre wünschenswert", erklärte er. Es sei wichtig, dass Eltern über verschiedene Modell informiert würden, bevor es vor Gericht gehe. Auch der Familienrichter sprach sich dafür aus, dass sich Eltern rechtzeitig Beratung für ihre Beziehung holen – etwa bei einem Psychologen. Auch sei wichtig, die Meinung des Kindes mit einzubeziehen.

Keuter wies daraufhin, dass das Wechselmodell ohnehin etwas für Besserverdienende sei. "Es fallen mehr Kosten an", sagte der Familienrichter und nannte das Kinderzimmer und möglicher Fahrtkosten als zwei Beispiele. Wer Hartz IV bekomme, für den sei ein Wechselmodell wohl eher schwierig.

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Dieses Thema im Programm: MDR Fernsehen | FAKT IST! aus Magdeburg | 23.04.2018 | 22:05 Uhr

Quelle: MDR/ld

Zuletzt aktualisiert: 24. April 2018, 04:29 Uhr

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16 Kommentare

26.04.2018 00:09 Klinger 16

Wenn eine Scheidung bevorsteht sollte das Wechselmodell erste Wahl sein. Eventuell könnte es dafür noch rechtliche Änderungen geben. Auf jeden Fall sollte dies den Eltern (und den Kindern) empfohlen werden.

25.04.2018 13:37 @Anna Schöne 15

Sie verlangen aber sehr viel von Herrn Rücker! Wissen Sie das?

Wenn Herr Rücker zugeben würde, dass Kindern beide Eltern erhalten bleiben sollen, dann wären 70 Jahre bundesrepublikanische Rechtsgeschichte und Jugendamtdiktat ad absudum geführt.
Dann müsste dieser Staat sich bei allen Trennungs-/Scheidungskindern, allen Mütter, allen Vätern entschuldigen. Wollen Sie das?

25.04.2018 10:09 Anna Schöne 14

siehe Kommentar unter: https://vater.franzjoerg.de/das-recht-aufs-kind/
Das Recht aufs Kind“ – was für eine elende Formulierung. Geht es den MacherInnen dieser Sendung wirklich allein darum? Warum nicht das Recht des Kindes auf seine beiden Eltern? Warum nur der possesive Blick aus Erwachsenensicht? Allein damit war die Sendung schon verfehlt.

ALLE in der Runde sehen im Wald die Bäume nicht. Das Residenzmodell wird als gottgegebenes Faktum präjudiziert – ohne jede Infragestellung.

Die Vormachtstellung der Mutter ist so selbstverständlich, dass sie nicht hinterfragt wird und auch nicht hinterfragt werden darf.

Warum sagt Herr Rücker nicht einfach, was wir für die Kinder brauchen: Das Signal, dass ihnen beide Eltern erhalten bleiben.?

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