Spreader-Events und Corona-Hotspots Immer mehr Infizierte: Warum es richtig ist, private Feiern einzuschränken

Johanna Daher
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Der Wunsch nach Normalität in der Corona-Krise ist groß. Vor allem nach gemeinsamem Zusammensein und Feiern. Doch gerade private Partys, wie jüngst in Magdeburg, sorgen dafür, dass die Infizierten-Zahlen rasant steigen. Deshalb schränken Bund und Länder diese jetzt explizit ein. MDR SACHSEN-ANHALT zeigt, wieso das richtig ist.

Zwei Männer stoßen mit Weizenbiergläsern an.
Der Wunsch nach Normalität in der Corona-Pandemie ist groß – doch bewirken die deshalb gemachten Partys genau das Gegenteil. Die Zahl der Infizierten steigt und die Corona-Regeln werden verstärkt statt weniger. Bildrechte: dpa

Das Thema "Feiern und Partys in Corona-Zeiten" ist seit Monaten ein Großes, besonders deutlich wurde das nach dem ZDF-Beitrag vergangene Woche: Eine junge Frau sagt in einer Straßenumfrage, dass sie Partys vermisst und löst damit im Internet eine große Debatte aus. Die einen werfen ihr "First world problems" vor, da es in einer Pandemie aus ihrer Sicht Schlimmeres gebe, als nicht Feiern zu dürfen. Andere wiederum verstehen ihren Wunsch nach Freiheit, gemeinsamem Zusammensein und Normalität.

Dass sich vermutlich jeder das Ende der Pandemie wünscht, darüber muss nicht diskutiert werden. Allerdings muss über die privaten Partys gesprochen werden. Vor allem die ohne Hygienekonzept, jenseits aller Corona-Regeln. Denn die können schnell zum Spreader-Event werden und ganze Orte oder Landkreise in Corona-Hotspots verwandeln. Wie zuletzt in Magdeburg.

Viele Infizierte durch Magdeburger Party

"In Magdeburg liegt der Anstieg an einer illegalen Veranstaltung von Menschen, die alle Festlegungen unserer Verordnung und alle rechtlichen Dinge missachtet haben und eine Festivität gefeiert haben, die zu einer massiven Infektion in diesem Personenkreis geführt hat, sodass nun die ganze Stadt betroffen ist", erklärt Ministerpräsident Reiner Haseloff.

Am Wochenende war in Magdeburg ein Oktoberfest gefeiert worden, das mit dazu führte, dass die Landeshauptstadt jetzt ein Corona-Hotspot ist. Von Samstag auf Montag kamen dort 93 Neuinfektionen dazu, 46 Infizierte waren auf der Feier. In den sozialen Netzwerken wurden Videos und Bilder der Party geteilt, die zeigen, dass die Corona-Regeln missachtet wurden. Diese Beiträge wurden mittlerweile alle gelöscht.

#MDRklärt Corona-Spreader: Deshalb sind private Feiern gefährlich

Viele Corona-Infektionen lassen sich zu privaten Feiern zurückverfolgen. Auf diesen Partys kann ein Infizierter gleich mehrere Personen anstecken. Denn selbst kleine Feiern bieten viele Ansteckungsmöglichkeiten.

Corona-Spreader: Deshalb sind private Partys so gefährlich
Bildrechte: Colourbox.de
Corona-Spreader: Deshalb sind private Partys so gefährlich
Bildrechte: Colourbox.de
Bei einem Treffen von 50 Personen ergeben sich 2.450 Ansteckungsmöglichkeiten.
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Bei einem Treffen von 25 Personen ergeben sich 600 Ansteckungsmöglichkeiten.
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Bei einem Treffen von 50 Personen ergeben sich 2.450 Ansteckungsmöglichkeiten.
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. Oktober 2020 | 19:00 Uhr

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Anstieg der Zahlen in Sachsen-Anhalt

Wirft man einen Blick zurück auf die vergangenen Monate, wird deutlich, dass sich die Corona-Situation in Sachsen-Anhalt stark gewandelt hat. Vom "Last land standing" Mitte März, als es überall Corona-Fälle gab, nur in Sachsen-Anhalt nicht. Zu einem Land mit geringen Fallzahlen, weshalb Ministerpräsident Reiner Haseloff für extra Regeln plädierte, als in anderen, betroffeneren Bundesländern. Bis schließlich zu einem Land, in dem im Oktober mehrere Regionen zu einem Corona-Hotspot wurden – und zwar Magdeburg, Halle, der Burgenlandkreis, das Jerichower Land und der Landkreis Mansfeld-Südharz. In Mansfeld-Südharz sorgte beispielsweise eine Feier, die von zwei Schulen ausgerichtet wurde, für den Anstieg.

Eine spannende Entwicklung, wenn man bedenkt, dass die achte Corona-Verordnung des Landes eigentlich die Öffnung der Diskotheken und Clubs im November vorgesehen hatte. Anders als vor einigen Wochen noch vermutet, gibt es verschärfte, statt gelockerte Corona-Regeln. Und die zielen unter anderem auch auf die Party-Situation ab:

  • Mansfeld-Südharz: Landrätin Angelika Klein hat eine neue Allgemeinverfügung erlassen, die besagt, dass sich nur noch 20 Personen bei privaten Feiern in geschlossenen Räumen aufhalten dürfen.
  • Burgenlandkreis: Auf Privatfeiern dürfen aktuell nur noch 15 Personen in geschlossenen Räumen sein. Bei fachkundig organisierten Parties sind bis zu 75 Gäste möglich.
  • Jerichower Land: Private Feiern dürfen 20 Teilnehmer haben, unabhängig von Ort und Anlass. Nur fachkundig organisierte Veranstaltungen dürfen mehr Besucher haben.

Party-Probleme in anderen Orten & Ländern

Letztendlich ist es nicht verwunderlich, dass das Coronavirus Partys so gerne mag. Zumindest, wenn man sie so feiert, wie wir es vor der Corona-Krise gewohnt waren: Nah zusammen tanzend, sich in den Armen liegend, bei den besten Freunden das Getränk probierend. Alles total legitim und spaßig, aber eben auch perfekter Nährboden für ein Virus, das sich so schnell verbreiten kann.

Dementsprechend waren auch Feiern mit die ersten Hotspots und Verbreiter des Virus Anfang des Jahres: Après-Ski-Partys im Winterurlaub in Ischgl und die Karnevalsfeier im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg. Und Karneval ist ein gutes Stichwort: In Steckby gab es jüngst einen Ausflug des Karnevalsvereins, an dem eine infizierte Person beteiligt war. Daraufhin wurden zwölf Menschen, die mit dabei waren, positiv getestet. Das wiederum führte zu einem Anstieg der Zahlen der Stadt Zerbst.

Auch in weiteren Bundesländern haben Feiern für erhöhte Infektionszahlen gesorgt:

Wie geht es weiter?

Eine mögliche Antwort, auf die Frage, wie es jetzt weiter geht: Am besten erst einmal ohne Partys, damit die Zahl der Infizierten sich nicht weiter erhöht. Auch, wenn das Verlangen nach gemeinsamen Zusammensein groß ist. Eine weitere Antwort: Mit weiteren, strengeren Corona-Regeln, die sich nicht nur auf die Feier-Thematik beziehen. Ministerpräsident Reiner Haseloff sitzt aktuell mit der Bundeskanzlerin und seinen Kollegen der anderen Länder zusammen und berät die nächsten Schritte.

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Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 28. Oktober 2020 | 17:00 Uhr

5 Kommentare

Stadtkind vor 4 Wochen

Ich dachte 70/75 % könne man gar nicht mehr zurück verfolgen, merkwürdig diese Aussagen. Man will uns doch nicht etwa weiß machen das sich all diese Leute bei privaten Feiern angesteckt haben. Vielleicht hatten Sie es ja schon vorher ohne es zu wissen. Wer weiß denn schon wie viele es tatsächlich haben oder hatten. Man verfolgt es offenbar ja nicht weiter zurück als zu solchen Events. Ich finde man sollte mal den Politikbetrieb für 4 Wochen einstellen damit wir von solchen Phrasen verschont bleiben. Man glaubt immer noch allen ernstes nur weil wir es so wollen wird sich das Virus verabschieden, wir sollten lieber lernen damit zu leben und jeder auf sich selber aufpassen anstatt alle paar Tage mit neuen absurden Verboten um die Ecke kommen. Bin mal gespannt wann der Weihnachtsmarkt in Magdeburg abgesagt wird, denn das wird unvermeintlich sein wenn man die Beschlüsse ernst nimmt.

ElBuffo vor 4 Wochen

Wie kommen denn die Infektionen erstmal überhaupt auf die Feiern? Gibt es dazu Erkenntnisse, wenn man doch so genau weiß, dass die sich vor allem auf privaten Partys verbreiten. Oder bezieht sich das nur auf die bekannten, während der größte Teil nach wie vor unklar ist?

Peter Riesler vor 4 Wochen

Ich bitte Sie! Der liebe Herr CDU-MP hat eine Fahne. Und die hängt er immer in den Wind.

Es wird Ihnen nicht bekannt sein. Jedoch vor 2015 gab es einen Fall in Sachsen-Anhalt, bei dem ein türkisches Kind Nachzug zu seiner Mutter in Deutschland (Sachsen-Anhalt) begehrte. Besser die Mutter. Es führte kein Weg hinein. Man könne nicht jeden aufnehmen. Selbst spektakuläre Protestaktionen liesen diesen Herren kalt.
Ab Herbst 2015 wehte der Wind von einer anderen Seite. Also auch die Fahne dieses Herren. Man konnte sich nicht mehr bremsen, um beim Wettbewerb um die Aufnahme von Migranten ganz nach vorn zu preschen (vor allem sprachlich).

Welches Bundesland sich einen solchen MP leisten kann, dessen Bürgern ist nicht mehr zu helfen.

Innere Parteiengeplänkel, Pattex-Mentalität und Selbstgefälligkeit.

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