Musikveranstaltungen Finden Festivals in Sachsen-Anhalt trotz Coronavirus statt?

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow hat diesen Sommer Festivals in seinem Bundesland ausgeschlossen. Die Händel-Festspiele in Halle sind abgesagt worden. Finden Sputnik Spring Break, Splash! und MELT statt? Warum es darauf derzeit noch keine Antwort gibt.

Sputnik Spring-Break
Sind große Festivals im Sommer wie das Sputnik Spring Break Festival trotz Corona denkbar? Die Entscheidung steht noch aus. (Archivbild) Bildrechte: IMAGO

Der Ministerpräsident von Thüringen, Bodo Ramelow, sagte dem MDR am Mittwoch, dass es in diesem Sommer keine Festivals geben könne. Veranstaltungen wie das Rudolstadt-Festival oder "Sonne-Mond-Sterne" am Bleilochstausee seien nicht vorstellbar. Mit einigen großen Veranstaltern habe er deswegen Gespräche geführt, sagte Ramelow.

Politische Entscheidung in Sachsen-Anhalt steht noch aus

Was ist mit den Festivals im Sommer in Sachsen-Anhalt? Das Sputnik Spring Break am Goitzschesee ist bereits für Ende Mai geplant. Die aktuellen Einschränkungen wegen des Coronavirus gelten noch bis zum 19. April.

Eine politische Entscheidung, wie es danach weitergehen soll, steht noch aus. Das Landessozialministerium teilte MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag auf Nachfrage mit, dass dazu momentan noch keine Auskunft gegeben werden könne. Am Mittwoch nach Ostern würden Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten miteinander sprechen. "In Abhängigkeit von den Ergebnissen wird sicherlich auch in Sachsen-Anhalt darüber zu sprechen sein, wie weiter verfahren wird und in welchen Punkten bestehende Restriktionen gegebenenfalls verändert werden", hieß es vom Sozialministerium.

Veranstalter fürchten hohe Kosten

Die Veranstalter warten nun auf die politische Entscheidung. Von MDR SPUTNIK heißt es zum Festival Sputnik Spring Break, dass es derzeit keinen aktuellen Stand gebe. "Die Behörden in Sachsen-Anhalt ringen zusammen mit dem Veranstalter um eine für alle Seiten sinnvolle Regelung. MDR SPUTNIK ist nicht der Veranstalter des SPUTNIK SPRING BREAK, deshalb können wir auch keine Entscheidung treffen." Sollte das Festival nicht stattfinden können, werde der Ticketpreis erstattet. Das Splash! dagegen zeigt sich noch hoffnungsvoll, dass die Veranstaltung im Juli in Ferropolis stattfinden könne.

Zwar könnten die Veranstalter auch selbst entscheiden, ihre Festivals vorsorglich abzusagen. Doch dann müssten sie für alle bereits entstandenen Kosten selbst aufkommen. Daher warten die Veranstalter darauf, dass die Absage von den zuständigen Behörden angeordnet wird. Denn dann könnten Veranstaltungsausfallversicherungen für die Kosten aufkommen, sofern Pandemien als Absagegrund von der Versicherung nicht ausgeschlossen wurden.

Händel-Festspiele 2020 abgesagt

Die Händel-Festspiele in Halle, geplant vom 29. Mai bis 14. Juni, sind abgesagt worden. Das sagte Halles Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Donnerstag. Alle acht Mitglieder des Kuratoriums hätten dafür gestimmt. Wiegand selbst ist Vorsitzender des Kuratoriums. Das sei kulturell zwar ein schwerer Verlust, aber es führe kein Weg daran vorbei, sagte der Oberbürgermeister. Die Risiken durch hunderte Besucher, auch aus dem Ausland, seien unangemessen groß. Im vergangenen Jahr waren etwa 60.000 Besucher zu den Festspielen gekommen.

Veranstalter der Händel-Festspiele ist die Stiftung Händel-Haus. Auf die Nachfrage von MDR SACHSEN-ANHALT zu den nun anfallenden Kosten konnte die Stiftung am Donnerstag noch kein Statement geben. Der Direktor der Stiftung Händel-Haus und Intendant der Händel-Festspiele, Clemens Birnbaum, teilte am Donnerstag mit, dass die Absage unvermeidlich sei. Bereits gekaufte Tickets würden erstattet. "Wir möchten Sie aber ebenso bitten, über eine Spende für den Fortbestand der Händel-Festspiele nachzudenken, indem Sie auf eine Rückgabe der Tickets verzichten", sagte er.

Gutschein-Regelung der Bundesregierung

Die Bundesregierung plant statt Rückerstattungen für bereits gekaufte Veranstaltungstickets eine Gutschein-Regelung. Statt des Ticketpreises sollen Veranstalter dann für vor dem 8. März gekaufte Karten einen Gutschein ausstellen, der bis Ende 2021 gültig sein soll. So sollen Veranstalter davor geschützt werden, durch die sonst anfallenden Erstattungszahlungen pleite zu gehen.

Aber Verbraucherschützer kritisieren die Regelung: Denn sollten die Veranstalter trotzdem insolvent sein, würden die Kunden auf den Ticketpreisen sitzen bleiben. Die Bundesregierung hat daraufhin angekündigt, in solchen Fällen die Gutscheine staatlich abzusichern. Der Bundestag hat die Gutschein-Regelung noch nicht beschlossen; die nächste Sitzung ist Ende April.

Quelle: MDR/mh

1 Kommentar

Sonnenanbeter vor 7 Wochen

Vollkommen irre, dass ein Festival, das ursprünglich für Ende Mai angedacht war, nicht längst abgesagt wurde. Da braucht nur ein einziger Teilnehmer das Corona-Virus zu verbreiten. Kaum auszudenken, was das für Folgen hätte. Die Verbreitungswege sind dann auch nie und nimmer nachvollziehbar. Wer kann da schon sagen, mit wem er alles Kontakt hatte. Soweit ich weiß, soll die Fußball-Bundesligasaison diese Saison wohl mit Geisterspielen zu Ende gebracht werden. In diesem Sinne sollte man Massenveranstaltungen wie Festivals dieses Jahr am besten auch gleich streichen. Mal abgesehen davon, dass sich in Zeiten wie diesen ohnehin die Frage nach dem Sinn solcher Veranstaltungen stellt.

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