Zwei Feuerwehrmänner stehen vor einem Feuerwehrauto
In Barby gibt es genügend Nachwuchs bei der Feuerwehr – aber viele Jugendliche verlassen dann wegen der Ausbildung den Ort und damit die Wehr. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ehrenamtliche Helfer Feuerwehr-Kampagne startet

Wer kommt eigentlich, wenn es auf dem Dorf brennt? Die Freiwillige Feuerwehr. Doch viele Kameraden arbeiten außerhalb des Landes und auch grundsätzlich gibt es in Sachsen-Anhalt zu wenig Helfer. Eine Kampagne soll nun gegensteuern.

Zwei Feuerwehrmänner stehen vor einem Feuerwehrauto
In Barby gibt es genügend Nachwuchs bei der Feuerwehr – aber viele Jugendliche verlassen dann wegen der Ausbildung den Ort und damit die Wehr. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen-Anhalt soll es eine neue Kampagne für die Freiwillige Feuerwehr geben. Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) hat sie am Montag vorgestellt. Ziel der Imagekampagne sei mehr Wertschätzung in der Öffentlichtkeit, sagte Stahlknecht.

Geplant ist ein landesweiter "Tag der Feuerwehr", um freiwillige Helfer zu werben. Der Aktionstag unter dem Motto "Voller Einsatz" soll erstmals am 26. Mai stattfinden. Künftig soll es diesen Tag immer am letzten Mai-Wochenende geben. Anlass ist der 80. Geburtstag des Instituts für Brand- und Katastrophenschutz in Heyrothsberge in diesem Jahr.

Arbeitgeber sensibilisieren

Zudem soll die Wirtschaft verstärkt für die Belange der Freiwilligen Feuerwehr sensibilisiert werden, so das Ministerium. Es gehe darum, dass Arbeitgeber Arbeitnehmer für Einsätze freistellen sollten. Angedacht sei zudem die Würdigung von Arbeitgebern, die die Ausübung von Feuerwehrpflichten unterstützten. Als Partner seien die Industrie- und Handelskammern sowie die Handwerkskammern gefragt.

Hintergrund der Kampagne ist der Rückgang ehrenamtlicher Helfer bei den Freiwilligen Feuerwehren. Rund 31.000 ehrenamtliche Kameraden sind noch dabei. Doch jedes Jahr verlieren die Wehren gut 1.000 Helfer im aktiven Einsatzdienst.

Ein weiterer Rückgang könne vor allem bei kleinen Wehren ernste Probleme bereiten, so das Innenministerium. Im Ernstfall müssten die Retter nicht nur schnell vor Ort sein, sondern auch eine Mindeststärke an Kräften haben, um einsatzbereit zu sein.

Quereinsteiger gesucht

Nico Drobek
Ortswehrleiter Nico Drobek Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Wehrleiter der Ortsfeuerwehr Barby, Nico Drobek, befürwortet die Kampagne des Innenministeriums. Nachwuchsprobleme gebe es keineswegs bei den Kinder- und Jugendwehren, sagte Drobek MDR SACHSEN-ANHALT. "Das Problem sind die fehlenden Ausbildungsplätze auf dem Land. Deshalb gehen die 16-Jährigen weg aus Barby."

Gefragt seien zudem Quereinsteiger – Männer und Frauen – die aufs Land ziehen, idealerweise in der Nähe arbeiten und sich dann in der Feuerwehr engagieren. Außerdem sei es immer von Vorteil, wenn der Arbeitgeber die Arbeit der Feuerwehrleute unterstütze. "Jedem kann ein Brand oder Unfall passieren. Jeder hofft auf die Freiwillige Feuerwehr. Aber wenn es keine Ehrenamtlichen gibt, dann kommt auch keiner, um zu helfen", so Drobek.

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Quelle: dpa,MDR/as

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT heute | 12. Februar 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2018, 18:31 Uhr

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5 Kommentare

12.02.2018 20:06 Policeman 5

Lieber Gert, schauen Sie sich im Internet doch mal an, wie schnell eine Wohnung komplett in Flammen stehen kann. Vielleicht sind bei Ihnen ja 20 Minuten Zeit... Ansonsten wäre ich für jede Minute unter der gesetzlichen Hilfsfrist dankbar. Die erreichen Sie insbesondere auf dem Land nur Dank Freiwilliger Feuerwehren.

12.02.2018 19:57 Mario 4

Vielen frustrierten Kameraden wird eine solche Kampagne sauer aufstoßen. Anstatt das Geld in dringend notwendige Ausrüstung zu stecken, auch in attraktive und intelligente Honorierung und Förderung der Aktiven, wird versucht, mit eher billigen Marketing-Tricks Nachwuchs zu sichern. Wir Kameraden müssen uns für jede noch so kleine "Investition" in unsere Ausrüstung entschuldigen.
Auch die momentan politisch gewollte Zentralisierung ist absolut kontraproduktiv. Freiwillige Feuerwehr hat immer etwas mit Lokalpatriotismus zu tun. Wenn immer häufiger in kleinen Orten Wehren aufgelöst und zu größeren Orten geschanzt werden, geschieht dies teils mit massivem Mobbing. Kameraden die sich dagegen wehren, werden schikaniert, bis sie aufgeben. In meiner sehr aktiven Ortsfeuerwehr hat dies dazu geführt, dass demnächst mehr als ein halbes Dutzend verdiente Kameraden einfach UNEHRENHAFT ausgeschlossen werden. Mich betrifft dies auch nach fast 30 sehr aktiven Dienstjahren!

12.02.2018 17:32 Gert 3

Hallo weseopa! Auch wenn ich nach Deiner Meinung mit dieser Meinung alleine stehe, so sollte man auch an eine Strukturveränderung im Rettungswesen nachdenken, gerade hier im Osten Deutschlands. Man muß eben mal altes über Bord werfen, wenn sich die Zeiten ändern. Vor hundert Jahren war die Wirtschaft im heutigen Sachsen- Anhalt besser aufgestellt als heute 27 Jahre nach den 40-jährigen Sozialismus hier. Die Kampagne finde ich okay, aber besser wäre eine Kampagne von Herrn Willingmann, gut bezahlte Arbeitsplätze nach Sachsen-Anhalt zu holen. Zitat aus den Beitrag: ,,Doch viele Kameraden arbeiten außerhalb des Landes ..." Dann könnte dann eher nachhaltig sich auf die ,,Freiwilligen Feuerwehren" auswirken, zum Positiven.