#MDRklärt Fleischland Sachsen-Anhalt: Wer schlachtet und wer verarbeitet

Martin Paul im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Wo wird in Sachsen-Anhalt geschlachtet und Fleisch produziert? An der Fleischerzeugungsindustrie mit Tierhaltung, Schlachtungen und Fleischproduktion, hängen viele Arbeitsstellen und werden hohe Umsätze erwirtschaftet. MDR SACHSEN-ANHALT zeigt, wo und wie viel Fleisch in der Region verarbeitet wird.

Seit einigen Tagen sind die Arbeitsbedingungen und Produktionsumstände der Fleischindustrie wieder verstärkt Thema in der Politik. Das Corona-Virus hat die Aufmerksamkeit auf die Branche gelenkt. Und das mit Abstand umsatzstärkste Unternehmen ist der Tönnies-Konzern mit Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück.

In Sachsen-Anhalt dabei besonders im Fokus: Der Tönnies-Schlachthof in Weißenfels im Burgenlandkreis. Er ist mit rund 2.200 Mitarbeitern die größte Fleischverarbeitungs-Industrieanlage im Bundesland und zweitgrößter Schlachtstandort des Konzerns.

Trotz des Rückgangs der Schlachtmengen im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr (in Sachsen-Anhalt bei Schweinen um sechs Prozent, bei Rindern sogar um 40 Prozent) konnte Tönnies international seinen Umsatz ausbauen – laut Unternehmen von 6,6 Milliarden Euro (2018) auf 7,3 Milliarden Euro im Jahr 2019.

Tierhaltung und Arbeits- und Lebensbedingungen

Seit Jahren ist das Thema Tierhaltung und Arbeits- und Lebensbedingungen der Angestellten im Gespräch. Und erst jetzt scheint tatsächlich Bewegung in die Branche zu kommen. Auf der einen Seite kündigt Tönnies auf seiner Firmenseite an "Werkverträge in allen Kernbereichen der Fleischgewinnung" ab 1. Januar 2021 abzuschaffen und diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter direkt einzustellen. Auf der anderen Seite hatte Bundesarbeitsminister Heil (SPD) einen entsprechenden Gesetzesentwurf angekündigt.

Auch die Politik macht sich über die Lebensbedingungen der Tiere Gedanken. So berichtet Sachsen-Anhalt im Tierschutzbericht 2019 detailliert über das politische Leitbild "Landwirtschaft 2030", über Haltebedingungen, behördliche Vorgaben, Missstände und den rechtlichen Konsequenzen von zum Beispiel Stalleinbrüchen, um Tierquälerei zu dokumentieren.

Aber wieviel wird in Sachsen-Anhalt eigentlich geschlachtet? Wer sind, neben den kleinen Betrieben und Metzgereien, die Größten in der Fleischindustrie?

In der folgenden Grafik werden die deutschlandweit umsatzstärksten Konzerne aufgeführt. In Sachsen-Anhalt sind Tönnies, Vion (bezieht Rinder und Schweine aus Sachsen-Anhalt), PHW/Wiesenhof, Kaufland und Bauerngut aktiv. Außerdem gibt es im Landkreis Harz die Halberstädter Landwurst GmbH.

Wo wird in Sachsen-Anhalt geschlachtet und Fleisch produziert?

  • Tönnies, zu dem auch der Schlachthof in Weißenfels gehört, ist der Marktführer der fleischverarbeitenden Industrie in Deutschland. Im Jahr 2018 erwirtschaftete das Unternehmen laut Allgemeiner Fleischerzeitung in Deutschland 6,65 Milliarden Euro Umsatz. Zum Unternehmen gehören auch die Anhalter Fleischwaren in Zerbst (Zur-Mühlen-Gruppe).

  • Der viertgrößte Fleischverarbeiter in Deutschland ist die international tätige PHW-Group. Kerngeschäft ist laut Unternehmen die Produktion von Geflügelfleisch unter der Marke Wiesenhof. Produziert wird aber auch Tierfutter, zum Beispiel unter der Marke MEGA in Haldensleben.

  • Kaufland Fleischwaren ist Teil der Schwarz-Gruppe. Im Fleischwerk Osterfeld (Meineweh) im Burgenlandkreis werden Schweine und Rinder zerlegt, verarbeitet und abgepackt.

  • In Halberstadt hat die Halberstädter Landwurst GmbH mit Schlachthof, nach eigenen Angaben eine monatliche Kapazität, rund 11.000 Schweine zu schlachten.

Grafik mit den Standorten der umsatzstärksten Fleischunternehmen in Sachsen-Anhalt (Tönnies, Vion, Wiesenhof, Kaufland, Bauerngut)
Schweine- und Rinderschlachtung, Fleisch- und Wurstproduktion, Tierfutterherstellung und Geflügelmast: Grafik der deutschlandweiten umsatzstärksten Fleischunternehmen in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: Grafik MDR/Martin Paul

Die Fakten: Wieviel wird in Sachsen-Anhalt geschlachtet?

Das Statistische Landesamt veröffentlicht mit Tabellen und Grafiken regelmäßig die gemeldeten Daten zur landwirtschaftlichen Produktion in Sachsen-Anhalt.

Nachfolgend die wichtigsten Fakten zum Thema:

  • In Sachsen-Anhalt ist die Schlachtmenge ohne Geflügel seit 2007 um fast 70 Prozent angestiegen. Wurden 2007 etwa 260.000 Tonnen Schweine und Rinder geschlachtet, waren es 2019 fast 440.000 Tonnen. Das heißt: Im Jahr 2007 sind 2.859.900 Schweine und 2.800 Rinder aus dem In- und Ausland gewerblich geschlachtet worden. Und im Jahr 2019 sind 4.625.900 Schweine und 2.200 Rinder geschlachtet worden.

  • Der Landkreis mit der höchsten Zahl an gewerblichen Schweineschlachtungen ist der Burgenlandkreis. 2019 wurden hier 4.509.500 Schweine geschlachtet. An zweiter Stelle kommt der Landkreis Harz mit 97.897 Schweinen.

  • 207 Betriebe mit Schweinehaltung gab es 2018 in Sachsen-Anhalt.

  • Im Jahr 2019 sind in Sachsen-Anhalt mehr als eine halbe Milliarde Eier erzeugt worden (553.967.000 Stück).

  • Von 1999 bis zum Jahr 2016 ist der Bestand an Mast- und Schlachthähnen und Küken um 60 Prozent gestiegen (von 4.088.579 im Jahr 1999 auf 6.570.533 im Jahr 2016).

Martin Paul im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Martin Paul ist Teil des Online-Teams von MDR SACHSEN-ANHALT und begeistert von den Möglichkeiten und Ausdrucksformen des digitalen Journalismus – Daten und Code, Visualisierung und Video, Longread und Ticker, Social-Media und Dialog. Was ihn umtreibt? Besonders die Frage, wie man das Netz frei und offen gestalten und Teilhabe garantieren kann.

Online-Journalismus hat er im Studiengang Multimedia & Autorschaft an der Universität in Halle und bei der Mitteldeutschen Zeitung gelernt. An der Universität in Leipzig hat er Kultur- und Vergleichende Literaturwissenschaft studiert.

Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 26. Juni 2020 | 00:50 Uhr

4 Kommentare

Bernd_wb vor 4 Wochen

ich denke bei vielen Menschen setzt ein Umdenken ein. Sieht man auch an den Schlangen vor mobilen Fleischverkaufswagen. Naechster Schritt waere es Klein- und Biounternehmen zu unterstuetzen Geschaefte wieder aufzubauen. Ein Schritt dazu kostenloses Kurzoparken in den Staedten um den Kauf von Broetchen, Wurst, Fleisch zu ermoeglichen. Ja fuer Politiker mag es ein Schock sein zu erfahren dass ihre Arbeit nicht nur im Erfinden immer neuer Abgaben besteht sondern auch in der Foerderung des Gewerbes. Und wir Verbraucher brauchen Informationen - welche Betriebe wenden Bio Standards an, wo bekommt man deren Produkte, wann werden Qualitaetssiegel vergeben. Der Betrieb bei dem ich kaufe wurde vom Land und der EU gefoerdert ist das eine Aussage dass er das Tierwohl beachtet? Um eine Verbesserung zu erreichen muessen wir alle wollen.

Bernd_wb vor 4 Wochen

Interessanter Artikel jetzt kennen wir die Grossen, mich intertessieren die kleinen also Betriebe die sich bei aendernden Haltungsstandards zuruecklehnen koennen weil sie diese schon erfuellen. Denn ich denke es gibt schon einige Menschen die tiergerecht erzeugtes Fleisch (ja klingt doof) kaufen wuerden. Aber da sind Fragen wie wo bekommt man das, welche Pruefsiegel helfen da wichtig. Und durch die Discounter ist in den letzten Jahren das Netz guter Fleischerein stark ausgeduennt.

winfried vor 4 Wochen

Beinahe hätte ich die Textpassage überlesen:
"Auch die Politik macht sich über die Lebensbedingungen der Tiere Gedanken"
!!! WOW, ich bin "sprachlos" ob dieses Aufwands !!!

Mehr aus Sachsen-Anhalt