Antworten zu Covid-19 Arzt zum Coronavirus: "Ernst nehmen, aber nicht überbewerten"

Wie erkenne ich, ob ich am Coronavirus erkrankt bin oder nur einen Schnupfen habe? Wie verbreitet ist das neue Virus in Deutschland im Vergleich zur Grippe? Ein Arzt aus Magdeburg, Gunther Gosch, beantwortet Fragen rund um das Coronavirus.

Eine Frau trägt vor einer Apotheke eine Mund- und Nasenmaske.
Was schützt vor einer Infektion mit dem neuen Coronavirus? Ein Kinderarzt aus Magdeburg gibt Antworten. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Gunther Gosch, Kinderarzt in Magdeburg, spricht sich beim Umgang mit dem neuen Coronavirus Covid-19 für Verhältnismäßigkeit aus. Die meisten Coronavirus-Fälle verliefen mild – und von der normalen Grippe seien in Deutschland derzeit viel mehr Menschen betroffen. Zum Schutz vor Viren rät er zu häufigem, gründlichen Händewaschen.

MDR SACHSEN-ANHALT: Wie kann ich einen normalen Schnupfen vom Coronavirus unterscheiden?

Gunther Gosch: Gar nicht. Die meisten Coronavirusfälle sind ganz harmlose Atemwegsinfektionen, manche machen überhaupt keine Symptome. 80 Prozent verlaufen mild.

Bei vielen anderen Erkrankungen können Atemwegsinfektionen sich einfach nur durch einen Schnupfen zeigen. Es gibt ja nicht nur Coronaviren, sondern viele Viren, von denen gerade ganz andere in einer viel höheren Zahl eine Rolle spielen. Ich erinnere an die Grippe: Wir haben im Moment 98.000 Grippefälle in Deutschland, schon über 170 Tote, 17.000 Menschen liegen in Krankenhäusern. Davor müssten wir eigentlich mehr Angst haben als vor Coronovirus-Infektionen.

Gehört mein einjähriges Kind mit Bronchitis zur Risikogruppe?

Nein. Bronchitis gehört zu den normalen Erkrankungen junger Kinder. Außerdem zeigen die Erfahrungen aus China und anderen Ländern, dass Kinder, Jugendliche und Schwangere eben nicht zur Risikogruppe dieser neuartigen Virusinfektion gehören.

Dafür gibt es momentan keine Erklärung, aber es hat zu allen Zeiten Virusinfektionen, Epidemien und auch Pandemien gegeben, wo nur bestimmte Bevölkerungsgruppen gefährdet waren. Das hängt immer damit zusammen, was ein Virus in unserem komplexen Immunsystem anstellt. Wir wissen über diese neue Virusvariante derzeit wenig.

Wer sich gut ernährt, sich an der frischen Luft bewegt und so sein Immunsystem stärkt, dem kann das Coronavirus nichts anhaben – oder?

Gunther Gosch, Kinderarzt in Magdeburg
Gunther Gosch, Kinderarzt in Magdeburg Bildrechte: Gunther Gosch

Natürlich will ich gesunde Lebensweise und Sport überhaupt nicht in Abrede stellen. Aber es hängt immer davon ab, was Krankheitserreger, Bakterien, Viren in unserem Immunsystem anrichten. Und wenn keinerlei Immunität vorhanden sein kann, weil dieses Virus noch nie vorher aufgetreten ist, dann ist es auch möglich, dass gesunde Menschen, die sich gesund ernähren und Sport treiben, krank werden.

Das war beispielsweise vor 100 Jahren bei der Spanischen Grippe der Fall, eine sehr schlimme Pandemie, in der wahrscheinlich hundert Millionen Menschen verstorben sind. Da war es so, dass junge, gesunde Menschen die Zielgruppe dieser Viren waren und ältere, kranke Menschen eben eher nicht erkrankt sind.

Sollten wir Großveranstaltungen wie Konzerte wegen des Coronavirus meiden?

Prinzipiell ist es sicherlich sinnvoll, in Zeiten von Infekthäufungen größere Menschenansammlungen zu meiden. Das ist im Moment schwierig zu beantworten. Wenn bei einer Großveranstaltung tatsächlich schon ein oder mehrere Infizierte sind – und das kann man nicht ausschließen – dann werden die dieses Virus natürlich verbreiten. Das kann einem aber auch beim Einkaufen in einem Supermarkt oder beim Besuch in einer Arztpraxis passieren.

#MDRklärt Sechs wichtige Tipps, die Sie vor dem Coronavirus schützen

3 wichtige Tipps, die dich vor dem Coronavirus zu schützen  Menschen mit Mundschutz in Mailand
Bildrechte: imago images/Pacific Press Agency
3 wichtige Tipps, die dich vor dem Coronavirus zu schützen  Menschen mit Mundschutz in Mailand
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1. Häufiges Händewaschen mit Seife, mindestens 20 Sekunden lang
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
2. Zu hustenden/niesenden Personen 1 bis 2 Meter Abstand halten
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3. In die Ellenbeuge niesen und Husten
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4. Papiertaschentücher sofort entsorgen.
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5. Handy und Brille regelmäßig reinigen.
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6. Auf Händeschütteln verzichten.
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Quelle: MDR/mx

Dieses Thema im Programm:
MDR SACHSEN-ANHALT –
Das Radio wie wir | 27. Februar 2020 | 05:00 Uhr
Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Was kann man noch machen?

Man muss sich die Hände oft waschen. Es ist, glaube ich, gar nicht unbedingt erforderlich, sich die Hände mit einem Desinfektionsmittel zu waschen: Man muss sie einfach oft waschen. Und eine ganz normale Nies- und Hust-Hygiene einhalten.

Sie scheinen sich eher wenig Sorgen zu machen.

Ich denke, man muss den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit wahren. Wir haben momentan fast 100.000 Influenzafälle in Deutschland. Und das haben wir jedes Jahr und wir riegeln keine Städte ab. Wir riegeln auch keine Städte ab, weil Masern auftreten, die um ein Vielfaches ansteckender sind.

Ich denke, man muss mit Augenmaß sehen, dass sich hier eine Krankheit ausbreitet, die durch Viren hervorgerufen ist, die sich verändert haben und denen man im Moment auch keine Immunität entgegensetzen kann. Aber wir haben – Stand jetzt (28. Februar 2020, Anm. d. Red.) – in Deutschland 48 Fälle, von denen es nur wenige Menschen gibt, die überhaupt Symptome haben. Natürlich muss man das ernst nehmen. Aber man darf es auch nicht überbewerten.

So viele Infektionen mit dem Coronavirus gibt es weltweit

In Deutschland gibt es inzwischen mehr als 20 bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus (Stand: 27. Februar, 11:00 Uhr). In Sachsen-Anhalt sind nach den Worten von Gesundheitsministerium Petra Grimm-Benne (SPD) 90 Menschen wegen des Verdachts auf das Coronavirus untersucht worden. Das Virus sei aber in keinem der Fälle nachgewiesen worden.

Die Fragen stellte Antonia Kaloff.

Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 28. Februar 2020 | 07:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2020, 19:30 Uhr

4 Kommentare

Exilzeitzer vor 5 Wochen

Beim Lesen eines Artikels in der Mitteldeutschen Zeitung kam in mir der Gedanke auf, ob denn nicht durch das Nutzen von E-Rollern und Leihfahrrädern eine Ausbreitung der Chinagrippe unterstützt wird. Werden denn die Griffe an den Lenkern regelmäßig gereinigt und desinfiziert? Gleiches gilt für die Griffe an Einkaufswagen und Einkaufskörben in Supermärkten. Ist das Ansteckungsrisiko mit der Chinagrippe hoch, wenn man mit den Oberflächen dieser Griffe in Berührung kommt? Dazu habe ich bisher nirgendwo etwas gelesen. Die Anbieter von E-Rollern u.ä. sollten vom MDR dazu mal befragt werden, ob sie regelmäßig ihre Geräte reinigen und die Griffe desinfizieren!

August vor 5 Wochen

Das Wort des Jahres wird Coronavirus lauten und es wird ein Volk von Hypochondern mit Waschzwängen Mundschutz und sonderbaren Dingen zur Vorbeugug zu Narren machen.

Steffen 1978 vor 5 Wochen

Nicht überbewerten?warum dann tausende in Quarantäne wenn das alles nicht so schlimm ist sagt doch dann gleich natürliche Selektion mit diesem Krisenstab wird das eh nichts jeder der denkt er weiß Bescheid geht hier ins TV man siehe Herrn Jens S.am besten man schützt sich selbst bis hier Entscheidungen fallen löst sich das Problem von allein

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