#MDRklärt Tuberkulose – Fragen und Antworten

In Deutschland war Tuberkulose bis nach dem Zweiten Weltkrieg noch weit verbreitet, mittlerweile sind solche Fälle sehr selten. Dennoch taucht die Krankheit, die mit Antibiotika behandelt werden kann, vereinzelt wieder auf, was für Verunsicherung sorgt. Immerhin: Weltweit zählt Tuberkulose neben HIV/AIDS und Malaria zu den häufigsten Infektionskrankheiten. Experten warnen aber vor Panik. MDR SACHSEN-ANHALT beantwortet die wichtigsten Fragen zu Tuberkulose.

Was ist Tuberkulose?

Tuberkulose ist eine Infektionskrankheit, sie betrifft in den meisten Fällen die Lunge. Bei den meisten Menschen kann das Immunsystem die Erreger erfolgreich bekämpfen. Die Bakterien verursachen schwere Lungenentzündungen. Die Symptome von Tuberkulose sind Husten, Schmerzen in der Brust, Atemnot, Fieber und Schweißausbrüche. Die Infektion tötet weltweit jährlich rund zwei Millionen Menschen. Fast 95 Prozent von ihnen könnte mit einer preisgünstigen Antibiotika-Therapie zuverlässig geholfen werden.

Wie kann ich mich anstecken?

Der 1882 von Robert Koch entdeckte Erreger (Mycobacterium tuberculosis) wird wie eine Erkältung durch die Atemluft übertragen, per Tröpfcheninfektion. Nach dem Einatmen vermehren sich die Keime in den Lungen. Tuberkulose ist nicht hochansteckend und nicht von allen Erkrankten geht eine Gefahr aus. Der Leiter des Gesundheitsamtes in Magdeburg, Eike Hennig, teilte MDR SACHSEN-ANHALT mit, dass für eine Tuberkuloseerkrankung Menschen in Betracht kommen, die sich viele Stunden in einem Raum mit einem Infizierten aufgehalten haben. Die Inkubationszeit beträgt bis zu acht Wochen. Danach sei Tuberkulose per Bluttest nachweisbar. Es gebe zwar noch keinen "vernünftigen Impfstoff" gegen Tuberkulose. Die Erkrankung lässt sich Hennig zufolge aber gut mit Antibiotika in den Griff bekommen. Sie wird mit einer Kombination von Medikamenten behandelt. Die Therapie dauert sechs Monate und führt in den meisten Fällen zur Heilung.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken?

Die Wahrscheinlichkeit, sich in Deutschland mit Tuberkulose anzustecken, liegt nach Angaben des Magdeburger Gesundheitsamtes bei gerade einmal 0,01 Prozent. Dass Tuberkulose im Zuge der Flüchtlingsbewegung in einer besonderen Größenordnung zurückkehre, ist nach Angaben von Leiter Eike Hennig aber nicht der Fall. Jährlich gebe es in Deutschland etwa 6.000 Neuerkrankungen. "Damit lässt sich umgehen als Gesundheitsbehörde", sagte Hennig. In den 90er Jahren seien es noch um die 12.000 Neuerkrankungen gewesen.

Laut Andreas Gramatke vom Landesamt für Verbraucherschutz zufolge ist jede Infizierung mit Tuberkulose nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Im Falle einer ansteckenden Tuberkulose müsse deshalb das Gesundheitsamt informiert werden. Dort würden erforderliche Schutzmaßnahmen getroffen. Je nach Arbeitsplatz würden Vorsorgeuntersuchungen angeboten. Wer sich mit einer Lungentuberkulose infiziert habe, werde isoliert und sollte einen Mund- und Nasenschutz tragen. In Gemeinschaftseinrichtungen dürfen sich TBC-infizierte demnach nicht aufhalten.

Wie weit verbreitet ist Tuberkulose in Sachsen-Anhalt?

Laut Landesamt für Verbraucherschutz sind im laufenden Jahr landesweit 135 Fälle von Tuberkulose gemeldet worden. Im gesamten vorigen Jahr waren es demnach 129 Fälle. Vom Landesamt hieß es weiter, zwischen 2008 und 2014 seien pro 100.000 Einwohner weniger als sieben Erkrankungen festgestellt worden. 2015 sei schließlich eine Zunahme der Fälle beobachtet worden (193 Fälle zu 120 Fällen in 2014). In den Jahren 2016 und 2017 sei aber wieder eine rückläufige Entwicklung festzustellen. Gramatke teilte außerdem mit, dass im Jahr 2015 etwas mehr als die Hälfte aller Erkrankten (54 Prozent) ausländische Bürger gewesen seien. 2016 habe dieser Wert bei 64 Prozent gelegen.

Woher kommt die neue Tuberkulose-Gefahr?

Aus den Daten des Robert Koch-Instituts geht hervor, dass eine vergleichsweise erhöhte Häufigkeit von Tuberkulose-Fällen bei Asylsuchenden aus den ostafrikanischen Ländern Eritrea und Somalia festgestellt wurde. Die Zahl der Tuberkulosefälle war auch in Sachsen-Anhalt vorübergehend deutlich gestiegen. 2015 wurden 194 Fälle gezählt. Vor allem bei Asylbewerbern wurde die Krankheit häufig festgestellt.

Vom Magdeburger Gesundheitsamt hieß es auf MDR-Anfrage jedoch, es sei falsch, dass Tuberkulose wegen vieler Flüchtlinge in einer besonderen Größenordnung zurückgekommen sei.

Quelle: dpa,MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. Oktober 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2018, 08:34 Uhr

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