Gesundheitsvorsorge für Männer Früherkennung von Prostatakrebs: "Es ist immer ein Schamgefühl dabei"

Prostatakrebs ist eine häufige Tumorerkrankung bei Männern. Wenn er zeitig erkannt wird, gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten. Doch viele Männer scheuen den Weg zum Arzt. Was die Diagnose bedeutet und wie man mit den Folgen der Erkrankung umgeht, hat Uwe Hofmann erlebt.

Prostata-Krebs
Männern wird eine Prostatakrebs-Früherkennungsuntersuchung ab 45 bis 50 Jahren empfohlen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Uwe Hofmann hat viel durchgemacht. Vor fünf Jahren wurde bei ihm Prostatakrebs diagnostiziert – eine schockierende und beängstigende Nachricht für den heute 63-Jährigen. "Wenn man das von anderen hört, ist das auf jeden Fall anders, wie wenn man selber betroffen ist", erzählt er MDR SACHSEN-ANHALT.

Bei später Diagnose Heilung oft nicht möglich

Uwe Hofmann erkrankte 2014 an Prostata-Krebs
Uwe Hofmann lebt seit 42 Jahren in Magdeburg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Beschwerden hatte Hofmann damals keine. Ihm tat nichts weh. Erst eine Vorsorgeuntersuchung beim Arzt hatte das Problem offengelegt. "Da war meine Frau ein treibender Partner, dass ich als Mann zu der Vorsorge immer pünktlich gehe, mir die Termine hole und die Vorsorge wahrnehme." Über eine Biopsie sei dann festgestellt worden, dass er Krebs habe.

Frank Reiher ist Chefarzt der Urologie am Ameos-Klinikum in Haldensleben. Er betont, wie wichtig eine frühe Erkennung der Erkrankung ist. "Aus meiner täglichen Praxis sehe ich Fälle, die keine Früherkennungsuntersuchung hatten, die dann mit fortgeschrittenen Befunden zu uns kommen." Eine Heilung sei dann oft nicht mehr möglich, so Reiher. Spätestens ab 50 sollten sich Männer daher regelmäßig untersuchen lassen.

Auch die Krankenkasse AOK Sachsen-Anhalt sieht in ihren Daten, dass immer noch zu wenige Männer die Vorsorge in Anspruch nehmen. Im Jahr 2018 hätten lediglich 45.000 Männer die Prostatauntersuchung in Anspruch genommen, erklärt Anna-Kristina Mahler, Sprecherin der Krankenkassen. Das seien lediglich 22 Prozent aller AOK-versicherten Männer über 45 Jahre. "Da ist noch ordentlich Luft nach oben", betont Mahler.

Was passiert bei einer Prostata-Untersuchung?

Dr. Frank Reiher: Bei der Prostata-Früherkennungsuntersuchung wird eine rektale Untersuchung durchgeführt. Diese wird durch den Urologen mit dem Finger vorgenommen und die Prostata durch den Enddarm abgetastet. Nach einem ausführlichen Aufklärungsgespräch wird ein bestimmter Bluttest durchgeführt. Dabei wird der sogenannte PSA-Wert bestimmt. Außerdem werden Ultraschalluntersuchungen der Blase und der Niere vorgenommen.

Ist eine Untersuchung der Prostata schmerzhaft?

Dr. Frank Reiher: Nein, ich habe das in meinem Leben schon mehrfach durchgeführt und bis jetzt hat sich noch keiner beschwert.

Wenn ein Patient an Prostatakrebs erkannt ist, muss dann operiert werden?

Dr. Frank Reiher: Das hängt von vielen Faktoren ab: vom Ergebnis der Biopsie, von der Aggressivität des Tumors, vom Alter des Patienten. Heute ist es wichtig, ganz individualisiert dem Patienten eine Therapie anbieten zu können. In vielen Fällen ist eine Operation nicht notwendig. Insgesamt ist es so, dass Patienten mit einem Prostatakarzinom im Vergleich mit anderen Tumor-Erkrankungen eine sehr gute Prognose haben.

Was können die Folgen einer Prostata-Operation sein?

Dr. Frank Reiher: Die hauptsächlich auftretenden Folgen sind die Inkontinenz und Potenzstörung. Das hängt damit zusammen, dass bestimmt Strukturen im Bereich des Beckenbodens, da wo die Prostata sitzt, letztendlich in Mitleidenschaft gezogen werden.

Falsches Bild einer unangenehmen Untersuchung

Dr. Frank Reiher, Chefarzt der Urologie am Ameos-Klinikum in Haldensleben
Dr. Frank Reiher ist Chefarzt der Urologie am Ameos-Klinikum in Haldensleben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aber warum scheuen sich Männer, die Untersuchung in Anspruch zu nehmen? Für den Arzt Frank Reiher liegt es daran, dass viele Männer das Bild einer unangenehmen Untersuchung im Kopf haben. "Es ist immer ein Schamgefühl dabei. Den Besuch beim Urologen verbinden viele mit einer Untersuchung, die nicht unbedingt angenehm ist. Ich kann eigentlich alle Männer beruhigen. Es ist nicht so schlimm, wie sie es vielleicht schon mal gehört haben", so der Chefarzt.

Und auch wenn eine Erkrankung diagnostiziert wurde, sei das Leben damit nicht vorbei. Das weiß Uwe Hofmann zu berichten. "Klar, es entstehen Probleme mit Inkontinenz. Da muss die Beckenbodenmuskulatur trainiert werden. Und in puncto Sexualität: Es gibt medikamentöse Möglichkeiten. Es gibt Möglichkeiten einer Spritze, es gibt Möglichkeiten mit Pumpen."

Er freue sich darauf, das Leben noch in vollen Zügen zu genießen und hoffentlich noch viele Jahre gesund zu bleiben. Ihm hat die Vorsorgeuntersuchung das Leben gerettet. Er wird deshalb weiterhin regelmäßig zum Arzt gehen und hoffen, dass der Krebs nicht zurückkommt.

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Quelle: MDR/mp

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. November 2019, 20:07 Uhr

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