Datenrecherche Fünf Fakten, wie stark Corona den Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt beeinflusst

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Die Auswirkungen der Corona-Krise machen sich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar, das geht aus einem aktuellen Bericht der Landesarbeitsagentur hervor. Die fünf wichtigsten Fakten im Überblick.

Ein Bauarbeiter sägt Metall, es sprühen Funken.
Die Landesarbeitsagentur hat Daten zur Situation der Arbeitslosen für den Juli herausgegeben. Bildrechte: MDR/Unsplash/Christopher Burns

Der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt hat sich trotz der Corona-Krise leicht stabilisiert. Das geht aus aktuellen Zahlen der Landesarbeitsagentur hervor. Im Juli sind demnach ein Prozent weniger Menschen arbeitslos als noch im Monat davor. Der Chef der Regional-Direktion, Markus Behrens, erklärte, Sachsen-Anhalt komme derzeit mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise. Dennoch seien aufgrund der Pandemie inzwischen rund 17.300 Menschen ohne Job. Auch Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann hatte am Dienstag auf einer Pressekonferenz gesagt, dass es der Wirtschaft in weiten Teilen schon fast wieder normal gehen würde.

MDR SACHSEN-ANHALT hat sich die Daten der Landesarbeitsagentur genau angeschaut. Dabei gibt es, bei den Angaben vom Juli 2020, zum Teil noch große Unterschiede zu den vergleichbaren Daten aus dem Juli 2019.

1. Mehr Arbeitslose in allen 14 Landkreisen

Die Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt ist im Juli, im Vergleich zum Vorjahresmonat, in allen 14 Landkreisen angestiegen. Den geringsten Anstieg verzeichnete dabei der Salzlandkreis mit 2,4 Prozent. Die Landeshauptstadt Magdeburg liegt mit einem Anstieg von 17,1 Prozent auf dem vierten Platz in Sachsen-Anhalt. An der Spitze ist der Landkreis Harz zu finden. Hier gab es im Juli 2020 insgesamt 29,7 Prozent mehr Arbeitslose als noch im Juli 2019.


Generell gibt es im Sachsen-Anhalt dem Bericht zufolge 10.660 Arbeitslose mehr als noch vor einem Jahr. Für das gesamte Bundesland gesehen ist dies ein Anstieg von 13,5 Prozent.

2. In mancher Branche fast 30 Prozent mehr Arbeitslose

Aus dem vorliegenden Bericht können auch die einzelnen Branchen genauer betrachtet werden. So gibt es in Sachsen-Anhalt die meisten Arbeitslosen im Bereich Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit – insgesamt 22.880 Personen.

Im Vergleich zum Juli 2019, also vor der Corona-Pandemie, sind die Zahlen der Arbeitslosen in allen Branchen durchweg angestiegen. Den höchsten prozentualen Anstieg gibt es dabei im Bereich der Geisteswissenschaften, Kultur, Gestaltung – mit 28,9 Prozent. Den geringsten Anstieg gab es mit 4,5 Prozent in Sachsen-Anhalt bei der Land-, Forst- und Tierwirtschaft sowie im Gartenbau.

3. Fast 20.000 Stellen frei – 2.000 weniger als vor einem Jahr

Die Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt werden im Juli 2020 nicht ausgeschöpft. Insgesamt gibt es 19.203 freie Stellen, die bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet sind – das sind allerdings 2.284 weniger als noch vor einem Jahr.
Aus dem Bericht der Landesarbeitsagentur geht hervor, dass die meisten Stellen in der Branche Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung gibt. Dort sind im Juli in Sachsen-Anhalt 4.946 Stellen nicht besetzt – und das sind 24,2 Prozent weniger als noch im Juli 2019. Den größten Zuwachs an neu gemeldeten Stellen gibt es, mit 4 Prozent, im Bereich Unternehmensorganisation, Buchhaltung, Rechnungen und Verwaltung. In der Branche Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung haben sich die gemeldeten, freien Stellen mit 28,8 Prozent am meisten reduziert.

Hinweis zur interaktiven Visualisierung: Die Veränderung zum Juli 2019 ist mit einem Klick auf den Wert der Branche zu sehen.

4. Ausbildung: weniger verfügbare Stellen, weniger Bewerber – trotzdem unbesetzte Lehrstellen

Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober letzten Jahres meldeten sich im Land Sachsen-Anhalt 9.144 Bewerber für Berufsausbildungsstellen. Im Vergleich zur vorherigen Periode waren das 8,5 Prozent weniger.
Auch die Anzahl der verfügbaren Stellen ging um 7,2 Prozent auf 11.146 gemeldete Berufsausbildungsstellen zurück.
Stand Juli dieses Jahres gibt es 3.225 Bewerber, die keine Ausbildungsstelle bekommen haben – das sind 19,2 Prozent mehr als im Juli 2019. Und das, obwohl es aktuell noch 5.149 unbesetzte Ausbildungsstellen im Land gibt.

Um die Zahlen noch einmal einzuordnen, werden auch Berufsausbildungsstellen je Bewerber genannt. Dieser Wert lag im Juli 2018 noch bei 1,10. Im Juli 2020 ging er auf 1,22 hoch. Hinzu kommt, dass es eigentlich für jeden Bewerber, der bislang keine Ausbildungsplatz bekommen hat, aktuell noch 1,6 unbesetzte Ausbildungsplätze in den Betrieben in Sachsen-Anhalt gibt.

5. Deutlich mehr Arbeitslose in allen Altersgruppen

Die Zahlen des Berichts der Landesarbeitsagentur zeigen zudem auf, wie sich die Arbeitslosigkeit in den verschiedenen Altersgruppen ausgewirkt hat. So gab es bei der Gruppe "50 Jahre oder älter" 2.889 Arbeitslose mehr als noch im Juli 2019. Auch in den beiden anderen Altersgruppen gab es deutliche Anstiege, was die Anzahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahr angeht.

Kevin Poweska
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Kevin Poweska arbeitet trimedial im Funkhaus von MDR SACHSEN-ANHALT. Aktuell ist er im sechsten Semester seines Bachelor-Studiengangs Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Während seines Studiums absolvierte er bereits ein Praktikum bei der Braunschweiger Zeitung.

In seiner Freizeit ist er gerne sportlich aktiv: Seine Hauptambitionen liegen in den Sportarten Basketball, Tennis und Fußball - aber auch da probiert er sich gerne immer wieder neu aus. Zudem ist er journalistisch sportlich voll dabei: Kevin Poweska führt einen Blog zu den Deutschen Tennisherren und steht dabei mit den Spielern für Postgame-Interviews in regem Kontakt.

Quelle: MDR/pow

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. Juli 2020 | 13:00 Uhr

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