Analyse und Einordnung Corona-Proteste: Fünf Wahrheiten über die Berichterstattung

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Medien sind Teil des Systems, das Verschwörungserzähler oder Extremisten bekämpfen wollen. Warum und wie MDR SACHSEN-ANHALT in einer Themenwoche trotzdem über Corona-Demonstrationen und die Kritik an den Corona-Maßnahmen berichtet.

Corona Proteste
Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Plakate wie diese sind auf Corona-Demos regelmäßig zu sehen. Bildrechte: MDR/Imago

Die Überschrift wird triggern. Ich ahne es. "Aha! Alles andere ist sonst also gelogen! Warum sollte die Wahrheit sonst angekündigt werden? Wusste ich's doch! Was anderes können die Merkel-Knechte doch nicht! Lügen! Alles Lügen!"

So oder so etwas Ähnliches werden einige Kommentierende unter diesem Artikel schreiben. Oder sie werden es nur denken und nicht schreiben, weil sie die einleitende Annahme nicht stützen wollen. Oder ich täusche mich und bin durch das Lesen unzähliger solcher Kommentare in den vergangenen Tagen mit Vorurteilen behaftet.

Mit dem Grund, warum ich diese Überschrift gewählt habe, verhält es sich ähnlich wie mit dem Grund, warum wir in dieser Woche schwerpunktmäßig über die Corona-Proteste berichten: Nicht, um zu triggern, sondern um zu schildern, zu erklären, zu verstehen.

Denn weder stehen einzelne Hasskommentierende für unsere ganze Community, noch stehen einzelne Verschwörungserzähler oder Extremisten für ernsthafte Kritik an den Corona-Maßnahmen. Und genau diese ernsthafte Kritik wollen wir bei MDR SACHSEN-ANHALT nicht ignorieren, sondern uns damit auseinandersetzen – und zwar in einer Themenwoche. Es ist unsere Aufgabe, das Handeln der Politik in der Corona-Krise und die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen stets kritisch zu hinterfragen.

Fünf Wahrheiten zu unserer Berichterstattung über die Corona-Proteste:

1. Wir setzen uns kritisch mit den Corona-Demos auseinander

"Themen-Schwerpunkt? Zu viel der Ehre." – "Meine Anregung: Ignorieren!" Das waren nur zwei der Reaktionen auf unsere Ankündigung, zu den Corona-Protesten eine Themen-Woche zu machen. Uns ist aufgrund repräsentativer Umfragen bewusst, dass die Mehrheit der Bevölkerung die geltenden Corona-Maßnahmen für richtig hält. Doch weil die Demonstrationen in manchen Regionen regen Zulauf erfahren, war uns wichtig, zu verstehen, was dahinter steckt.

Entscheidend dabei: Gefahren für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zu benennen. Diese Gefahren lassen wir Experten einschätzen. Den Menschen muss bewusst sein, mit wem sie teilweise Seite an Seite demonstrieren und wem sie applaudieren: Extremisten. Und ihnen sollte bewusst sein, wie widersprüchlich es ist, mit solchen Leuten für Grundrechte einzustehen.

Wir setzen also uns kritisch mit den Corona-Demos auseinander – genau so wie mit den Corona-Maßnahmen der Politik.

2. Wir vermeiden die Pauschalisierung aller Kritiker

Wichtig ist: Nicht alle Demo-Teilnehmer oder Kritiker der Corona-Maßnahmen hängen Verschwörungserzählungen an, sind Impfgegner oder Extremisten. Viele Menschen haben Angst vor einer wirtschaflich ungewissen Zukunft. Viele Menschen sind persönlich von Krisen-Maßnahmen betroffen. Viele Menschen sorgen sich um andere. Ihnen müssen wir zuhören, ihnen hören wir zu – seit Beginn der Corona-Krise und auch jetzt im Rahmen der Corona-Proteste.

Politikwissenschaftler Michael Böcher aus Magdeburg sagt: "Was ich nicht gut finde: Wenn die Gegner der Corona-Maßnahmen pauschal in eine bestimmte Ecke gestellt werden. Es gibt durchaus berechtigte Kritik an der Beschränkung von Grundrechten. Da würde ich mir eine Aufklärungsfunktion gerade der öffentlich-rechtlichen Medien wünschen. Dass sie eben klar machen: Natürlich waren diese Einschränkungen sehr hart, aber sie waren eben auch angemessen aus diesen und jenen Gründen."

Menschen, die Verschwörungsmythen verbreiten, geben wir in der Themen-Woche keine Bühne. Mit ihnen zu diskutieren, schafft keine Lösungen. Schließlich sind wir bei MDR SACHSEN-ANHALT in ihren Augen ein Teil des Sytems, das sie bekämpfen. Stattdessen analysieren wir und ordnen ein. Denn Verschwörungserzählungen unerwähnt zu lassen, wurde ihnen nur Legitimität verleihen. Schließlich verbreiten sie sich durch soziale Netzwerke und prominente Fürsprecher mehr denn je.

Eine plausible Antwort auf die Frage, warum Bill Gates hinter dieser ganzen Corona-Krise stecken soll, habe ich im Rahmen meiner Recherche trotz mehrfachen Nachfragens übrigens von keinem der Anti-Gates-Hetzer erhalten.

Den Argumenten von Impfgegnern geben wir im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Corona-Proteste schon deshalb keinen breiten Raum, weil es schlicht keine Bestrebungen gibt, eine Impfpflicht einzuführen – auch wenn auf Demos vehement das Gegenteil behauptet wird. Über einen vorgeschlagenen Immunitätsausweis ist allerdings zu diskutieren.

3. Wir gehen ernsthafter Kritik nach und hinterfragen die Corona-Maßnahmen – #mdrklärt

Analyse und Einordnung mit sachlichen wie wissenschaftlichen Argumenten – darum geht es in unserer Rubrik #mdrklärt auf Instagram und unsere Website. So sind wir in dieser Woche beispielsweise auf vier der größten Kritikpunkte der Corona-Protestler eingegangen:

#MDRklärt Vier Kritikpunkte der Corona-Demonstranten in Sachsen-Anhalt

4 Kritikpunkte der Corona-Demonstranten  Querdenken Demo auf dem Canstatter Wasen - Tausende Menschen besuchen die Veranstaltung
Bildrechte: imago images/7aktuell
4 Kritikpunkte der Corona-Demonstranten  Querdenken Demo auf dem Canstatter Wasen - Tausende Menschen besuchen die Veranstaltung
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1.	Die Reproduktionszahl sei bereits vor Einführung des Kontaktverbotes und anderer Corona-Auflagen unter eins gefallen.
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Das stimmt – allerdings nur zum Teil. Das Robert Koch-Institut (RKI) konnte die Reproduktionszahl erst bestimmen, als der maximale Verzug zwischen einer Infektion und der Meldung bekannt war. Das war laut RKI erst Ende März der Fall. Zudem sagt RKI, Ziel sei nicht nur gewesen, unter eins zu gelangen, sondern diesen Wert auch dauerhaft niedrig zu halten – was nur durch die Maßnahmen möglich gewesen sei.
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2.	Die Bundesregierung hört nur auf Christian Drosten und Lothar Wieler. Der Heinsberg-Studie des Virologen Hendrick Streek muss mehr Beachtung geschenkt werden.  Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin
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Die Studie präsentiert die ersten validen Zahlen zum Corona-Virus in Deutschland. Allerdings diskutieren Experten noch, ob man die Daten auf ganz Deutschland umrechnen kann. Die Bundesregierung lässt sich auch von der nationale Wissenschafts-Akademie Leopoldina in Halle oder der Helmholtz-Gemeinschaft beraten.
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3.	Ein Immunitätspass spaltet die Gesellschaft und Menschen ohne Ausweis können am öffentlichen Leben nicht mehr teilhaben.
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Noch wurde der Pass nicht beschlossen und die WHO warnt davor, da noch nicht ausreichend geklärt ist, ob Menschen, die von Corona genesen sind, wirklich immun sind. Zudem warnt der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, Prof. Ulrich Kelber, vor Datenmissbrauch
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4.	Die Corona-Krise ist am Ende angelangt. Es gibt keine Zahlen, die weitere Maßnahmen rechtfertigen.  Zwei leere Krankenbetten stehen in der Corona-Notaufnahme des Städtischen Klinikum Dresden in einem Patientenzimmer nebeneinander.
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Die Maßnahmen haben vor Ansteckungen geschützt. Dadurch werden die Menschen aber nicht immun. Das Imperial College London geht deshalb von einem neuen, drastischen Anstieg aus, wenn die Maßnahmen aufgehoben werden. Der Vorschlag der Forscher ist eine moderate Lockerung, die immer wieder zeitweise verschärft wird, um so eine leichte Wellenbewegung der Infektionszahlen zu erzeugen.
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Dieses Thema im Programm: SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. Mai 2020 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/mx
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Viele Corona-Demonstranten geben zudem an, für die Grundrechte auf die Straße zu gehen. Wir haben uns also angeschaut, welche Grundrechte durch die Corona-Verordnungen in Sachsen-Anhalt eingeschränkt wurden und wodurch genau:

#MDRklärt Diese Grundrechte wurden wegen Corona eingeschränkt

Diese Grundrechte wurden wegen Corona eingeschränkt
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Diese Grundrechte wurden wegen Corona eingeschränkt
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Artikel 2 – Freie Entfaltung der Persönlichkeit, Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit, Freiheit der Person Die Quarantäne beschränkt die Fortbewegungsfreiheit. Das Kontaktverbot beschränkt allgemeine Persönlichkeitsrecht. Denn es gehört zur freien Entfaltung der Person, andere Menschen zu treffen.
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Artikel 4 – Glaubens-, Gewissens- und Bekenntnisfreiheit, Kriegsdienstverweigerung  Gottesdiensten waren und sind zum Teil noch verboten.
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Artikel 8 – Versammlungsfreiheit  Demonstrationen sind nur unter strengen Auflagen erlaubt.
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Artikel 10 – Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis  Behörden dürfen schriftliche Mitteilungen möglicher Infizierter unter Umständen lesen.
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Artikel 11 – Freizügigkeit  Rreisen in andere Bundesländer oder Städte sind oder waren zum Teil verboten.
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Artikel 12 – Berufsfreiheit  Zeitweise gab und gibt es ein Verbot von Einzelhandel und Gastronomie.
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Artikel 13 – Unverletzlichkeit der Wohnung  Wenn ein Amtsarzt die Wohnung einer mutmaßlich infizierten Person betritt, um diese zu untersuchen, greift der Staat in das Recht der Betroffenen auf die Unverletzlichkeit der Wohnung ein.
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Artikel 14 – Eigentum, Erbrecht und Enteignung  Eigentum kann unter Umständen nicht frei genutzt werden. Etwa eine Ferienwohnung.
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Jede Maßnahme muss zeitlich begrenzt sein. Je stärker die Grundrechte eingeschränkt werden, desto effektiver und zuverlässiger müssen die Maßnahmen sein.
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Dass die Gerichte entschieden haben, dass Demonstrationen erlaubt sind, zeigt mir, dass die Grundrechte in der Bundesrepublik nicht in Gefahr sind. Das Allerwichtigste ist, dass diese Einschränkungen immer besonders gut geprüft und begründet werden. Es braucht klare Kriterien, ob und wann man dazu übergeht, gewisse Freiheitsrechte einzuschränken.
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. Mai 2020 | 19:00 Uhr
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4. Wir prüfen und bewerten die (oft kritisierten) Zahlen immer wieder neu

Ein Kritiker der Corona-Maßnahmen sagte uns im Rahmen der Recherche über Corona-Proteste: "Ich habe manchmal das Gefühl, dass sich die Zahlen nach der Politik richten und nicht andersherum."

Selten zuvor waren Zahlen so eng verknüpft mit politischen Entscheidungen – und selten zuvor war das Interesse der Bevölkerung an Zahlen so groß. Oder haben Sie sich in den vergangenen Jahren schon einmal mit der Reproduktionszahl oder Verdopplungsrate beschäftigt?

Deshalb legen wir auf Daten einen besonderen Fokus. Seit Beginn der Corona-Epidemie in Deutschland präsentieren wir Ihnen regelmäßig die wichtigsten Zahlen und Entwicklungen in unserem Corona-Daten-Update.

Unser Datenjournalist Manuel Mohr erklärt, welche Quellen verlässlich sind und anhand welcher Kriterien er die Zahlen hinterfragt:

"Wir greifen die Daten nicht einfach nur ab"

Manuel, wie gehen wir mit Kritik an Corona-Zahlen um?

Manuel Mohr: Grundsätzlich habe ich seit Beginn der Corona-Epidemie in Deutschland jede Kritik – ob sachlich oder nicht – , die mich bezüglich der Corona-Daten erreicht hat, zur Kenntnis genommen und überprüft. Oftmals ging es dabei um Verständnisprobleme, die durch eine kurze Mail gelöst werden konnten. Denn verständlicherweise hat nicht jeder die Zeit, sich mit den Berechnungsmodelle einer Reproduktionszahl auseinanderzusetzen.

Für mich ist das mein Job: Einerseits alle verfügbaren und relevanten Daten zu sammeln, analysieren und visualisieren. Und andererseits – das hat sich in den vergangenen Wochen immer wieder gezeigt – diese Zahlen nicht einfach nur zu präsentieren, sondern einzuordnen. Was sagen die Daten aus? Was nicht? Wie wurden sie erhoben? Welche Einschränkungen sind zu berücksichtigen?

Auf Demos heißt es manchmal: Die Zahlen werden von Politik und Medien so dargestellt, um die Maßnahmen zu rechtfertigen. Was denkst du darüber?

Dieser Vorwurf ist aus meiner Sicht haltlos. Einen großen Teil unserer Berichterstattung macht es aus, dass wir darauf hingewiesen haben, welche Zahlen welche Aussagekraft haben. Und dass es eben nicht die eine goldene Maßzahl gibt, die darüber entscheidet, ob Maßnahmen zur Eindämmung des Virus notwendig sind oder nicht.

Ein Beispiel: Als Mitte April Bund und Länder über erste Lockerungen beraten haben, hatten wir einen Tag davor einen ausführlichen Artikel, in dem abgewogen wurde, welche Daten für oder gegen Lockerungen sprachen.

Inwieweit hinterfragen wir die Corona-Maßnahmen anhand der Zahlenbasis?

Kritisches Hinterfragen ist ebenfalls fester Bestandteil unserer Jobs. Beim Sozialministerium Sachsen-Anhalt rollen sie wahrscheinlich schon mit den Augen, wenn meine Nummer mal wieder im Display leuchtet, weil ich in den vergangenen Wochen so viele Nachfragen zu den veröffentlichten Corona-Daten hatten.

Oder als Magdeburgs Oberbürgermeister Ende April auf einer Pressekonferenz eine eigene Berechnung zu aktiven Corona-Fällen in der Landeshauptstadt vorlegte und keiner der anwesenden Journalisten dazu Nachfragen hatte, habe ich mir am Tag darauf in einem längeren Telefonat von OB Trümper darlegen lassen, wie genau er diese Rechnung angestellt und welche Aussagekraft das Ganze hat.

Meine Aufgabe sehe ich im Hinterfragen der Zahlen, nicht der damit begründeten Maßnahmen. Denn die Daten bilden die Basis. Und nur, wenn diese Basis solide, stichhaltig und nachvollziehbar ist, können darauf aufbauend auch gute Entscheidungen getroffen werden.

Aus welchen Quellen beziehen wir die Corona-Zahlen?

Zur Betrachtung der Corona-Lage nutzen wir mittlerweile über 20 verschiedene offizielle Quellen. Dazu gehören auf regionaler Ebene die täglichen Meldungen aller Landkreise und kreisfreien Städte, auf Landesebene die Daten des Sozialministeriums und des Landesamts für Verbraucherschutz und auf Bundesebene Zahlen des DIVI-Intensivregisters und des Robert Koch-Instituts.

Letzteres wurde kürzlich auch in einem offenen Brief – unterzeichnet von über 40 Datenjournalistinnen und -journalisten aus ganz Deutschland – dazu aufgefordert, alle verfügbaren Daten in der bestmöglichen Variante für unsere Arbeit zur Verfügung zu stellen. Auch hier greifen wir also die Daten nicht einfach nur ab, sondern setzen uns dafür ein, dass wir die bestmögliche Basis bekommen, um durch unsere Arbeit die Menschen noch besser informieren zu können.

Wie bewerten wir, welchen Zahlen wir vertrauen können?

Entscheidend ist, wie transparent die Quellen ihre Arbeit machen. Beim deutschen Gesundheitswesen ist beispielsweise klar geregelt, wie positive Corona-Tests über verschiedene Meldestationen schließlich beim RKI landen. Da kann ich an mehreren Stellen – Gesundheitsamt, Landesbehörde, RKI – schauen, welche Daten verfügbar sind. Ich kann da beispielsweise auch anrufen und hinterfragen, warum Daten noch nicht verfügbar sind, warum sich etwas geändert oder ob es noch weitere Veröffentlichungen gibt.

Fehlt diese Transparenz, sei es bei einer offiziellen Behörde oder einem Youtuber, ist grundsätzlich Vorsicht geboten. Wenn nicht plausibel erklärt werden kann, wie Zahlen erhoben und verarbeitet wurden, eignen sie sich nicht für eine seriöse Berichterstattung.

Manuel Mohr
Datenjournalist Manuel Mohr Bildrechte: BR/Philipp Kimmelzwinger

5. Wir sind nicht allwissend

Mein Kollege Stephan Schulz hat am Rande der Corona-Demonstration am vergangenen Wochenende einen schönen Satz gesagt: "Wir müssten eigentlich immer unser riesiges Archiv im Kopf dabei haben."

Wir können nicht alle Zahlen und Daten und Verwinkelungen der Verordnungen der vergangenen Wochen immer sofort parat haben. Im Gegensatz zu so manchen Verschwörungserzählern übrigens, die den Anschein erwecken wollen, allwissend zu sein und durch unbelegbare Schlussfolgerungen einfache Erklärungen liefern zu können, nach denen sich alle sehnen. Die gibt es in der Corona-Pandemie aber nicht.

Deshalb nehmen wir uns dagegen Zeit, um Quellen zu prüfen, um gründlich zu recherchieren und dementsprechend zu berichten. Und wir sind im Austauch mit unseren Nutzern, machen unsere Arbeit transparent, auch mit diesem Artikel. Wir nehmen Kritik auf und fragen nach Ihrem Feedback. Denn wir wissen, dass Hasskommentierende zwar sehr laut sind – aber in der Minderheit.

Ein Laptop, eine Frau und eine Karte Mitteldeutschlands 88 min
Bildrechte: Janine Wohlfahrt, Mitteldeutscher Rundfunk

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Fr 24.04.2020 14:44Uhr 88:06 min

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Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Mai 2020 | 19:00 Uhr

38 Kommentare

Simone vor 5 Tagen

Was hat den ein Herr Montgomery mit der deutschen Politik zu tun? Der Herr ist ein Arzt der irgendeiner Lobbyorganisation vorsteht. Selbstverständlich hat diese Lobbyorganisation eine Meinung in Bezug auf Corona und eine Impfflicht.

Wenn man jeden Kommentar eines Menschen oder Politikers zur Frage eines Journalisten nach einer Impflicht als Planung zu deren Einführung versteht, dann legt man den Begriff Planung sehr weit aus. Über Dinge nachdenken und sich dazu äußern ist ja etwas anderes als eine Planung. Auch "Impfgegner" haben ja wohl darüber nachgedacht und sich zu einem Standpunkt durchgerungen.

Aber sie lieben ja Verschwörungstheorien, egal ob es um Flüchtlinge, Corona oder den Euro geht. Ich habe dabei fast den Eindruck es geht ihnen hier mehr um prinzipielel Kritik an unserem Land und der regierung als um die Sache. Denken sie einfach mal darüber nach.

Simone vor 5 Tagen

Sie polemisieren aus meiner Sicht ziemlich!
Selbstverständlich war die Regierung wie jede Kreisverwaltungsbehörde mit dem Infektionsgeschehen erst einmal überfordert. Gleiches galt für die Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. So etwas ist der NORMALFALL, wenn jemand mit einem Infektionsgeschehen konfrontiert wird, dass es in dieser Art bislang weltweit nicht gab.

Zusammenbrechende Lieferketten verbunden mit rasant steigenden Fallzahlen überforderten alle Beteiligten in der Anfangsphase. Kat-Schutzbehörden kennen genau das aus jedem Szenario das sie üben. Was jedoch wichtiger ist als die anfängliche Überforderung, das sind die getroffenen entscheidungen, die sich im Fall Deutschlands was die Konsequent und zeitliche Koordinierung betrifft als goldrichtig erwiesen haben. Schauen sie einfach einmal den täglichen Verlauf der Fallzahlen an und wie schnell die Spitze bei und gekappt wurde.

Dass Stammtischstrategen und Populisten alles besser gemacht hätten, das ist bekannt.

Simone vor 5 Tagen

"Eventuell war meinBeitrag doch zu kritisch" - Lach - auch das ist ein Totschlagargument für jeden der sich nicht an die Nettiquette halten kann, strafrechtlich relevantes schreibt oder schlicht und ergreifend herumpöbelt.

Wenn man die Kommentare hier auf MDR liest, dann dreht sich mir manchmal der Magen um, was von der Redaktion durchgewunken wird.

Wenn ihr Beitrag also nicht freigegeben wird, dann sitzt das Problem vermutlich vor ihrem PC und nicht in der Redaktion des MDR.

Was ist so schwer daran zu verstehen, dass in diesem Forum (Hausrecht MDR) die für alle öffentlich einsehbaren Regeln des MDR gelten?

Vielleicht formulieren sie ihre "Kritik" je noch einmal um und hoffen auf eine zweite Chance. Warum sollte denn der MDR eine Kritik in Bezug auf Corona zensieren? Oder haben sie gar keine Kritik geäußert, sondern unbelegte Behauptungen aufgestellt, die niemand nachprüfen kann?

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