"Schließung erträglich gestalten" Dehoga-Chef verlangt schnelle Hilfen für Gastronomen

Gastronomen schauen einem Monat Schließung entgegen, auch Hotels müssen wieder zumachen. Dehoga-Chef Michael Schmidt sagt, wieder werde die Branche stigmatisiert. Nun komme es auf die angekündigten Pauschalhilfen an. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) warnt indes vor dem Klageweg. Im Fall des Erfolgs stünde die Auszahlung der staatlichen Hilfen infrage.

Halle (Saale): Gäste im Café Noir von Mohammed Lemlah (M) füllen den erforderlichen Erfassungsbogen zur möglichen Rückverfolgung im Falle von Corona-Infektionsfällen aus.
Ein Bild, das es in den kommenden Wochen nicht geben wird: Geöffnete Cafés und Restaurants. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Bei den angekündigten Schließungen von Restaurants, Gaststätten und Hotels hängt viel davon ab, ob es die angekündigten finanziellen Hilfen schnell geben wird. Das machte der Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes, Michael Schmidt, am Freitag deutlich. Schmidt sagte, es sei gut, dass die Hilfen pauschaliert ausgezahlt werden sollen. Trotzdem könne es keine Garantie geben, dass alle Betriebe die vier Wochen schadenfrei überstünden. Hintergrund ist, dass Gastronomie und Hotellerie mit den neuen Corona-Kontaktbeschränkungen den November über geschlossen bleiben müssen.

Michael Schmidt
Dehoga-Chef Michael Schmidt drängt auf die angekündigten Hilfen. Bildrechte: dpa

Schmidt sagte, die Pauschalhilfen seien immerhin ein großer Fortschritt im Vergleich zu den Hilfen aus dem Frühjahr, als es die ersten harten Kontaktbeschränkungen und angeordneten Schließungen gab. "Es ist die einzige Möglichkeit, die Schließung der Gastronomie im Land erträglich zu gestalten", sagte Schmidt MDR SACHSEN-ANHALT weiter. Doch seien die Existenznöte deswegen nicht gebannt.

Die Hygienekonzepte, die in den vergangenen Monaten aufgelegt worden sind, bezeichnete Schmidt als "hervorragend". Daher sei der Schritt jetzt schwer, weil die Branche wieder stigmatisiert werde. "Ausschlaggebend ist wohl gewesen, dass es in der Gastronomie viele Kontakte gibt."

Hotellerie in Wittenberg: Bettensteuer vertagt

Für Hotelbetreiber in Wittenberg wird die Bettensteuer als zusätzlicher Aufwand nun erst frühestens ab 2022 ein Thema. Die Lutherstadt Wittenberg erhebt die Sondersteuer für Hotels und Pensionen nun doch erst später als ursprünglich geplant. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, will man den Tourismus während der Corona-Pandemie nicht zusätzlich belasten. Hotelbetreiber hätten derzeit ganz andere Sorgen, hieß es. Nun soll die Abgabe frühestens 2022 eingeführt werden: Übernachtungsgäste sollen dann pro Nacht einen bestimmten Betrag bezahlen. Die Stadt wollte so 300.000 Euro pro Jahr von Touristen einnehmen.

Da kommt der "Hammer um die Ecke" – sagt Sternekoch Pietsch

Robin Pietsch
Sternekoch Robin Pietsch Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Spitzenkoch Robin Pietsch aus Wernigerode sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es seien "ganz viele Auflagen" verlangt worden, um öffnen zu dürfen und nun komme der "Hammer um die Ecke".

Aus seiner Sicht wird der Gastronomie damit Unrecht getan. "Wir müssen schließen und es heißt, die Gastronomie ist schuld, dass die Infektionen in die Höhe geschnellt sind." Er hoffe nun für sich und andere Gastronomen im Land, die Hilfen würden auch so ausgezahlt wie angekündigt.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte nach einem Gespräch mit Dehoga-Chef Schmidt am Freitag, wichtig sei dabei gewesen, alles so abzustimmen, dass die "Entschädigungsleistungen schnell, unbürokratisch, auch pauschaliert, möglichst auch mit Abschlagzahlung" möglich seien.

Haseloff warnt vor Klageweg gegen Schließungen

Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt
Ministerpräsident Reiner Haseloff warnte davor, zu klagen. (Archivfoto) Bildrechte: ddp

Beide, sowohl Haseloff, als auch Schmidt, zeigten sich skeptisch gegenüber dem Klageweg. Haseloff warnte vielmehr davor, den Klageweg zu gehen. Er berge die Gefahr, dass im Falle einer erfolgreichen Klage die Betriebe zwar öffnen könnten, die vom Bund zugesagten Entschädigungszahlungen aber aufgrund der Öffnung "nicht gewährbar" seien.

Schmidt sagte, wenn – im Fall einer Öffnung nach erfolgreicher Klage – keine Gäste kämen, habe man möglicherweise keinen Umsatz, sei aber womöglich aus den Förderprogrammen raus. Da müsse jeder für sich entscheiden, ob er den "Spatz in der Hand oder die Taube auf dem Dach" nehme.

Die Frage ist, ob man das Risiko eingeht, dagegen angeht und zum Schluss so dasteht, dass man nichts hat. Weil die Verängstigung der Gäste – das muss man auch bedenken – in die Gaststätten zu gehen, schon groß ist.

Dehoga-Chef Michael Schmidt

Er sehe einer Öffnung im Dezember entgegen, sofern die Zahlen wieder fallen, aber es sei klar: "Das ist ein Kraftakt."

Ein zweigeteiltes Bild. Auf der linken Seite ist Kanzlerin Merkel mit einer Maske zu sehen auf der rechten Seite ist eine Deutschlandkarte, die in verschiedene Rot- und Orangegetöne eingefärbt ist. 75 min
Bildrechte: MDR/ Datawrapper / dpa

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Hilfen vom Bund mit Dreiviertel des Vorjahresumsatzes

Ab Montag sind Restaurants, Bars, Kneipen, Hotels und Pensionen für vier Wochen geschlossen. Diese Corona-Kontaktbeschränkungen gehen auf Beschlüsse von Bund und Ländern von Mitte dieser Woche zurück.

Um den betroffenen Unternehmen zu helfen, hatte der Bund hier für Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern zugesagt, für den November eine außerordentliche Wirtschaftshilfe in Höhe von 75 Prozent des entsprechenden Umsatzes des Vorjahresmonats zu gewähren.

Quelle: MDR/mg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 30. Oktober 2020 | 16:00 Uhr

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