Bis zu 50 Prozent Einbußen befürchtet Wegen Corona: Gaststätten erwarten Winter mit Sorge

Eigentlich sind November und Dezember für Gastronomiebetriebe die besten Monate. Doch jetzt fallen wegen der Corona-Beschränkungen immer mehr Weihnachtsfeiern und andere Feste aus. Restaurantbetreiber befürchten, dass viele Betriebe schließen müssen.

Leere Tische stehen auf dem Neumarkt vor einem Restaurant
Die Gastronomiebetriebe haben Angst, dass ihre Stühle auch im Winter leer bleiben. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Wer ein Restaurant betreibt, hatte es in diesem Jahr nicht leicht. Jetzt, wo es kühler wird, könnte die Gastronomie sich eigentlich auf das Weihnachtsgeschäft freuen. Doch, ob es das in diesem Jahr überhaupt geben wird, ist fraglich.

Michael Schmidt ist Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA in Sachsen-Anhalt. Die Sorgen, sagt er, sind noch nicht aus seinen Gedanken verflogen: "Wir schauen beängstigt auf den Winter." Wenn in der kalten Jahreszeit die Außenflächen nicht mehr zur Verfügung stehen, könnte der Gastronomie die härteste Zeit seit Beginn der Corona-Pandemie drohen.

Im Dezember bis zu 50 Prozent weniger Umsatz als sonst

Michael Schmidt
DEHOGA-Präsident Michael Schmidt sorgt sich um den kommenden Gastro-Winter. Bildrechte: dpa

"Das sollte man nicht unterschätzen", meint Schmidt. Viele Betriebe und Familien, vermutet er, werden in diesem Jahr nicht im gewohnten Umfang zusammen kommen können. Die Zahl der Gäste wird so kleiner, es gibt weniger Betriebsfeiern. "Ich kann mir schon durchaus vorstellen, dass wir dadurch diesen Dezember bis zu 50 Prozent weniger Umsatz haben als sonst", schätzt Schmidt.

Und das, wo doch November und Dezember meist die erfolgreichsten Monate der Gastronomie sind – und Feiern und Veranstaltungen eine ihrer Haupteinnahmequellen. Dabei fehlen der Gastronomie in diesem Jahr ja schon Ostern, Pfingsten, Einschulungen, Jugendweihen und andere Anlässe.

Wir haben vor allem dank der Stammkundschaft überlebt. Die Biergartensaison ist zwar jetzt vorbei, aber wir machen uns nicht so viele Sorgen. Wir rechnen damit, am Ende des Jahres mit plus minus null rauszukommen.

"Bauernstube Bocksmühle", Schermen

Heizpilze sind nur bedingt eine Hilfe

Heizpilze für die Außenflächen, sagt Schmidt, könnten dabei nur begrenzt helfen: "Jetzt in der Übergangszeit, im Oktober, vielleicht auch noch Anfang November mag das weiterhelfen. Aber ich glaube, dass die Heizpilze im Winter, wenn wir uns wirklich bei Minusgraden bewegen, nicht mehr die große Rolle spielen können."  Auch Essen zu Gästen nach Hause zu liefern, sei nicht für alle Betriebe eine gute Option.

Für viele Betriebe bedeute der kommende Winter eine große Herausforderung. Schmidt hofft deswegen auf Unterstützung. "Da wird auch erneut die Politik gefragt sein, damit nicht noch mehr Gastronomen gezwungen sind, ihre Läden zu schließen."

Momentan sieht es in der Hinsicht noch ganz gut aus. Ursprünglich hatte die DEHOGA vermutet, dass rund 30 Prozent der Gastronomiebetriebe würden schließen müssen. Laut Schmidt ist es dazu aber bisher noch nicht gekommen. "Im Moment sind das etwa acht Prozent , die es nicht geschafft haben”, sagt der DEHOGA-Präsident.

Bei uns ist die Lage sehr schwierig. Personalkosten und Miete laufen weiter – aber wir haben viel weniger Gäste. Die Leute haben noch Angst, viele Stühle im Restaurant bleiben leer. Im Sommer hat uns der Außenbereich gerettet, aber die Zeit ist jetzt auch wieder vorbei. Wir kommen gerade so über die Runden, müssen von der Hand in den Mund leben. Für Weihnachten haben gerade mal siebzig Leute reserviert. Letztes Jahr waren es 200. Eine zweite Welle würden wir wahrscheinlich nicht verkraften.

"Taverna Sorbas", Magdeburg

Überbrückungshilfen wurden wenig abgerufen

Nach einer wochenlangen Zwangspause durften Gastronomiebetriebe erst Mitte Mai wieder öffnen. Auch dann mit Einschränkungen. Für viele lief das Geschäft deswegen erst einmal schleppend an. In der Zeit haben laut Schmidt vielen Restaurantbetreibern vor allem die staatlichen Soforthilfen und das Kurzarbeitergeld geholfen. Die Überbrückungshilfen seien dagegen relativ wenig abgerufen worden.

Es läuft mehr schlecht als recht, wir haben Höhen und Tiefen. Im Sommer war es mehr als erwartet, sogar ein annähernd gleicher Umsatz wie in den vergangenen Jahren. Da hat die Terrasse echt geholfen. Ein Problem ist, dass alles so wenig kalkulierbar ist. Auch die Gäste sind verunsichert. Die Reservierungen fehlen.

"Le Frog", Magdeburg

Glück hatten vor allem Gaststätten mit Außenbereich. Dort kam etwa ab August das Geschäft wieder ins Rollen. Durch den Deutschland-Tourismus sei es ein verhältnismäßig guter Sommer gewesen, sagt Schmidt. Die Einbußen aus dem Frühjahr konnten die meisten Betreiber damit aber nicht einholen. Nach wie vor schaut die Gastronomie besorgt in den Winter. Bei einer zweiten Infektions-Welle befürchten viele Betreiber, ihr Etablissement schließen zu müssen.

Quelle: MDR/aso

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 07. Oktober 2020 | 06:00 Uhr

2 Kommentare

Critica vor 2 Wochen

Hallo Holu,
Rumsteaks (mit Rum, also alkoholisiert) gibt es in Restaurants nicht, aber Rumpsteaks.
Vermutlich sind Sie immer in den falschen Restaurants gewesen. Ich kann mich Ihrer Meinung nicht anschließen. Es gibt durchaus gute deutsche Küche in Mitteldeutschland.
Allerdings sehe ich beispielsweise inzwischen bei mediterraner Küche Nachholebedarf. Wenn man in einem italienischen Restaurant mit mehr als 500 Gästeplätzen (gibt es durchaus!) schon nach fünf Minuten sein Essen serviert bekommt, dann stimmt da etwas nicht. Hier würde ich schon eher "vorgefertigtes Essen" vermuten.

Holu vor 2 Wochen

Für mich sind Gaststätten und Restaurants langweilig geworden. Außer Schnitzel und Rumsteaks in allen Variationen gibt es kaum noch eine gute regionale Küche von regionalen Rezepten. Egal wo man hinfährt in Deutschland, nach Süden, nach Westen, nach Osten oder nach Norden die Speisekarten sind kaum unterschiedlich im Angebot. Fischgerichte sind da mehr unterschiedlich, ob Küste oder Seen und Flüssen. Hier bestimmt der Fang das Angebot. Es wird kaum noch gekocht weil man ja billig industrielles Vorgekochtes kaufen kann. Denkt man an die Hommage zum guten Essen mit den Filmen "Brust oder Keule" und "Ratatouille" weiß man was ich damit sagen will.

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