#MDRklärt Gekaufte Likes: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Daniel George
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Erfolg im Internet ist käuflich. Eine Magdeburger Website verdient damit ihr Geld. MDR SACHSEN-ANHALT hat seine Nutzer gefragt: Was wollen Sie über das Geschäft mit den gekauften Followern wissen? Das sind die Antworten auf Ihre Fragen.

Gekaufte Likes
Die Daumen nach oben – eine der wichtigsten Währungen im Internet. Bildrechte: MDR/Max Schörm

Likes, Follower, Kommentare und Views – so heißen die Währungen in den sozialen Netzwerken. Wer geliked wird, ist beliebt, dem wird vertraut – und vor allem: der verdient Geld durch Werbe-Einnahmen.

Doch der digitale Glanz ist käuflich: NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" haben Einblick in eine Liste mit knapp 90.000 Links zu Social-Media und Web-Seiten erhalten, die offenbar von gekauften Likes profitiert haben. Zuvor hatten Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum Daten des Magdeburger Like-Lieferanten Paidlikes zugänglich gemacht.

Wer kauft Likes? Was kosten Likes? Was verdienen die Menschen, die dafür bezahlt werden, Beiträge zu liken? MDR SACHSEN-ANHALT hat seine Nutzer gefragt, was sie besonders an dem Thema interessiert – und beantwortet die Fragen in diesem Artikel fortlaufend anhand des Beispiels der Magdeburger Website Paidlikes. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu unserem Top-Thema der Woche:

Wie funktioniert das Like-Geschäft?

#MDRklärt So funktioniert die Magdeburger Like-Fabrik "Paidlikes"

Die Magdeburger Website "Paidlikes" hat es sich zum Geschäftsmodell gemacht, Personen zu bezahlen, die auf Facebook Seiten mit "Gefällt mir" markieren. Kunden sind Unternehmen, die möglichst viele Likes haben wollen.

Eine Grafik, die Facebook-Daumen auf einem Fließband zeigen, die in einen Einkaufswagen fallen.
Bildrechte: Mitteldeutscher Rundfunk
Eine Grafik, die Facebook-Daumen auf einem Fließband zeigen, die in einen Einkaufswagen fallen.
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Eine Grafik mit einem Herz und einem Facebook-Daumen, die Geldsymbole enthalten.
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Eine Grafik, die das Logo der Firma "Paidlike" enthält.
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Eine Grafik mit einer Silhouette eines Mannes im Anzug und dem Logo der Firma Paidlike.
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Eine Grafik mit der Silhouette eines Mannes im Anzug, Personen auf Bürostühlen und dem Logo der Firma "Paidlike".
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Eine Grafik mit der Silhouette eines Mannes im Anzug, Personen auf Bürostühlen und dem Logo der Firma "Paidlike".
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
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VICE hat kürzlich aufgedeckt, dass es längst ein globales Netzwerk aus Menschen gibt, die soziale Medien im großen Stil manipulieren – und damit Geld verdienen. Mitgearbeitet hat an der Recherche auch Prof. Dr. Patrick Vonderau von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Was kosten Likes?

In seinem Shop schlüsselt Paidlikes die Preise für "Gefällt mir"-Angaben auf:

  • 25 Likes = 4,90 Euro
  • 50 Likes = 9,00 Euro
  • 100 Likes = 15 Euro
  • 200 Likes = 28 Euro
  • 500 Likes = 65 Euro
  • 1.000 Likes = 109 Euro
  • 2.500 Likes = 255 Euro
  • 10.000 Likes = 940 Euro


Bei anderen Anbietern sind Likes sogar noch günstiger zu bekommen. Solche Seiten arbeiten meist mit Bots, also automatisierten Konten – und nicht mit Clickworkern, also echten Menschen hinter den Konten.

Wie viel Geld verdienen Clickworker?

Clickworker sind Internetnutzer, die gegen Bezahlung in den sozialen Netwerken "Gefällt mir"-Angaben vergeben. Laut Internetseite von Paidlikes verteilen mehr als 30.000 Menschen die gekauften Likes. Pro Klick verdienen die Clickworker zwischen zwei und sechs Cent. Pro Tag dürfen sie maximal 40 Likes für Seiten oder Beiträge verteilen. Das hat Paidlike so festgelegt. Denn mehr Likes würden den Systemen der sozialen Netzwerke wohl auffallen.

Ist das Kaufen von Likes legal?

Influencer und Unternehmen, die Likes kaufen, machen sich unter Umständen strafbar. Denn: Kunden wird durch gekaufte Likes Beliebtheit und Seriosität vorgekaukelt, die nicht echt ist. So könnte eine Irreführung und Wettbewerbsverzerrung vorliegen, sagte Anwältin Scarlett Lüning dem NDR. Konkrete Gerichtsurteile gibt es jedoch noch keine. Unter Experten herrscht Uneinigkeit.

Wer kauft Follower und Likes?

Ein Drittel der Links, für die Likes gekauft wurden, führen zu Dienstleistern, Künstlern und Produkten aller Art: Musiker, Fitnesstrainer, Autoverkäufer. Auch Politiker und Verbände aller großen politischen Parteien stehen in der Liste.

Das Problem: Wer genau die Likes gekauft hat, geht aus der Liste nicht hervor. Das heißt: Es muss nicht der Seitenbetreiber selbst gewesen sein. Paidlikes erklärte sogar, das Unternehmen schlage den Clickworkern gelegentlich auch bestimmte Seiten zum Liken vor, ohne dass die Seiteninhaber davon wussten oder dafür gezahlt haben.

Was sagen Facebook und Co. zum Kauf und Verkauf von Likes?

Paidlikes wertet die Klicks seiner Nutzer über eine App aus. Nach Anfrage des NDR, WDR und der "Süddeutschen Zeitung" hat Facebook die Schnittstelle vorübergehend abgeschaltet – auch für Instagram. "Menschen oder Services, die wiederholt unsere Richtlinien verletzen, werden dauerhaft gesperrt und wir behalten uns vor, rechtliche Schritte gegen sie einzuleiten", sagte ein Unternehmenssprecher. Seit Jahren löschen die großen Konzerne laut eigenen Aussagen täglich Millionen Fake-Accounts.

Welche Anzeichen für gekaufte Likes gibt es?

Zahlreiche Organisationen beschäftigen sich mittlerweile mit der Frage: Welche Likes, Kommentare und Follower sind gekauft? Bei welchen Seiten ist der Erfolg gefaked? Anhand von umfassenden statistischen Erhebungen können diese Fragen beantwortet werden.

Es gibt aber auch diverse erste Anzeichen für gekaufte Likes: Posts, die vorher unterdurchschnittlich geliked wurden, bei dem die Kommentare plötzlich aber massiv angesteigen, gehören dazu. Genau so wie ein extrem schneller Anstieg der Follower ohne erkennbaren Zusammenhang zu den geposteten Inhalten.

Außerdem lohnt sich der Blick auf die Profile der Follower: Fake-Konten sind meist relativ schnell zu identifizieren. Sie folgen unzähligen Seiten, haben aber selbst kaum bis gar keine Follower und Beiträge. Auch der Inhalt der Kommentare kann ein Indiz sein: Ausschließlich Emojis oder Texte, die nichts mit dem Thema des Bildes zu tun haben, können ein Anzeichen sein.

Unsere Paidlikes-Recherche auf Instagram verfolgen!

MDR SACHSEN-ANHALT auf Instagram
Bildrechte: MDR/Screenshot

Wir nehmen Sie in dieser Woche mit auf unseren Recherche-Weg.

Wer steckt hinter der Magdeburger Firma Paidlikes? Kommen wir mit den Machern ins Gespräch?

Was sagen Influencer aus Sachsen-Anhalt zu gekauften Likes? Und: Welche Fragen haben Sie zu dem Thema?

Wie unserer Recherche verläuft, darüber informieren wir Sie in unserer Instagram-Story. Neue Fragen greifen wir auch in diesem und weiteren Artikeln im Laufe der Woche immer wieder auf.

Einfach @mdr_san folgen und dabei sein.

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung. Im April 2017 zog es ihn zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Auch wenn sich seine Follower auf Instagram und Co. in Grenzen halten, hat er noch nie darüber nachgedacht, sich Internet-Fame zu erkaufen.

Quelle: MDR/dg

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