Generation Deutsche Einheit Philipp Druschke: "Ich bin Single, ich kümmere mich gern um andere Hochzeiten"

Grit Lichtblau, Redakteurin im MDR-Studio in Dessau-Roßlau
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Er ist nicht einmal 30 und hatte schon Verantwortung für ein gutes Dutzend Mitarbeiter: Philipp Druschke hat als Unternehmer in Dessau schon wilde Zeiten erlebt. Dass Deutschland geteilt war, spielt für den jungen Unternehmer heute kaum noch eine Rolle. Teil 7 der Reihe Generation Deutsche Einheit.

Auf dem Foto ist eine hellblaue Mauer zu erkennen, die in der Mitte ein großes Loch hat. Durch dieses Loch schaut ein junger Mann, mit dunkelblonden Haaren. 3 min
Bildrechte: Pixabay, Lichtblau/Schörm/MDR

Er ist nicht einmal 30 und hatte schon Verantwortung für ein gutes Dutzend Mitarbeiter: Philipp Druschke hat als Unternehmer in Dessau schon wilde Zeiten erlebt. Teil 7 der Reihe Generation Deutsche Einheit.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Do 15.10.2020 10:40Uhr 03:26 min

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/audio/audio-1545046.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Philipp Druschke hat gerade seinen Laden in der Dessauer Kavalierstraße aufgeschlossen, das steht auch schon das erste Ehepaar zwischen den festlich langen Kleidern, den farbenfrohen Blusen und den langen Reihen mit Sakkos und Hosen. Ein neuer Anzug für den Gatten soll es sein, erklärt die Frau, ihr Sohn heirate bald.

Der junge Geschäftsführer Druschke, in schwarzer Jeans, grauen Hemd und Weste, greift zielgerichtet in das Sakkoregal: grau, blau mit Muster oder ohne. Der Kunde wirkt leicht überfordert, Philipp Druschke bringt das nicht aus der Ruhe. Er berät, holt zugleich das passende Hemd, rückt dieses am Kunden zurecht. Und der gefällt sich im Spiegel, er lächelt. Kurze Zeit später ist das Ehepaar wieder verschwunden, mit einer großen Tüte auf der der grüne Firmenname zu lesen ist.  

Schon als Kind immer wieder im Laden – und doch andere Pläne

Als Philipp Druschke im Herbst 1991 das Licht der der Welt erblickt, ist Deutschland seit fast einem Jahr vereint. Der Name Druschke hat in Dessau einen guten Ruf, immerhin ist das Bekleidungsgeschäft seit 1933 in der Muldestadt ansässig. Er wächst behütet auf, ist immer mal wieder im Laden, wird zum Einkauf mitgenommen. Doch zunächst zieht es ihn nicht in das familiengeführte Unternehmen. "In der 7. oder 8. Klasse wollte ich gern Landschaftsbau studieren."

Doch dann kommt es doch anders. Er studiert nach dem Abitur am Dessauer Philanthropinum an der damaligen Lehranstalt für Textileinzelhandel in Nagold bei Stuttgart Textilwirtschaft mit Betriebswirtschaft. Hier hätte man die West-Ost Unterschiede noch spüren können, sagt er rückblickend. Danach stellt sich für ihn die Frage: Weggehen oder bleiben? Der junge Textilwirt entscheidet sich zugunsten seiner Heimatstadt Dessau und bildet damit die fünfte Druschke-Generation. So übernimmt er nach dem Studium zusammen mit Mutter Claudia Verantwortung für 14 Mitarbeiter, sorgt dafür, dass das Geschäft im Zentrum der Stadt erweitert und modernisiert wird.

Dann plötzlich: die Insolvenz

"Doch mit den Bauarbeiten in der Kavalierstraße ging unser Umsatz innerhalb eines Vierteljahres um 70 Prozent zurück", blickt Philipp Druschke zurück. Anfang 2018 ist die finanzielle Schieflage so groß, dass die Druschke Moden KG einen Insolvenzantrag stellen muss, das Verfahren wird kurz darauf eröffnet. Eine turbulente, aufreibende Zeit für den heute 29-Jährigen. Doch er entscheidet sich für einen Neustart, mit einem kleineren Geschäft und neuem Konzept. Das scheint aufzugehen. Im 30. Jahr der deutschen Wiedervereinigung ist das grüne Druschke-Label noch immer präsent in Dessaus Innenstadt.

Die Wendezeit kennt Philipp Druschke nur aus den Erzählungen seines Großvaters und langjährigen Firmenchefs Hans-Friedrich Druschke. Der habe beispielsweise damals einen ganzen Eisenbahnwaggon voller Hosen aufgekauft und aussortiert, die offenbar aus einer Überproduktion stammten. In seinem Freundeskreis würde kaum noch jemand zwischen Ost und West unterschieden, sagt er. "Klar, manchmal reden wir noch darüber, wie damals, als wir jung waren, die Handys aussahen oder wie wir noch Kassetten im Rekorder abgespielt haben."

Modisch sieht es nach Einschätzung des Geschäftsinhabers schon anders aus: Im Osten seien die Kunden mutiger, was die Farbe bei der Bekleidung betrifft. Und das treffe sowohl auf Frauen als auch auf Männer zu.

Steckbrief: Das ist Philipp Druschke

Kinderfoto eines Jungen
Philipp Druschke als kleiner Junge Bildrechte: Druschke

  • Name: Phillip Druschke
  • Geburtstag: 6. September 1991
  • Geburtsort: Wittenberg
  • Wohnort: Dessau
  • Beruf/Ausbildung: Studium der Textilwirtschaft mit BWL, heute Textilbetriebswirt
  • Schulabschluss: Abitur
  • Lieblings-Ost-Produkt: Die rote Fass-Brause von Zahna mit dem Dino drauf

Fast täglich steht Philipp Druschke in seinem Geschäft, mitunter zehn Stunden und mehr. Vielleicht ist er deshalb noch Single. "Ich kümmere mich halt lieber um die Hochzeiten anderer", sagt er lachend. Neben dem Verkauf ist natürlich auch noch die Büroarbeit zu erledigen, muss neue Ware bestellt und eingekauft werden. Und dann ist da noch Nacho, der sechsjährige Labrador der Familie. Der gehört immer dazu, liegt mitunter schläfrig im Laden.

Manchmal reden wir noch darüber, wie damals, als wir jung waren, die Handys aussahen oder wie wir noch Kassetten im Rekorder abgespielt haben.

Philipp Druschke geboren 1991

Und als wäre das nicht genug, engagiert sich der 29-jährige Jungunternehmer auch bei den Wirtschaftsjunioren in Dessau, ist in diesem Jahr deren Kreissprecher. Wie er sich seine Zukunft vorstellt? Eine Firmenerweiterung könnte er sich vorstellen, irgendwann mal. Ansonsten scheint Philipp Druschke glücklich zu sein als Nachwendekind.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 15. Oktober 2020 | 10:40 Uhr

0 Kommentare

Mehr aus Sachsen-Anhalt