Generation Deutsche Einheit Robin Pietsch: "Uns geht's allen gut, ob im Osten oder im Westen"

Robin Pietsch ist ein Kind des Harzes und ist immer mit dem Wort Freiheit aufgewachsen. Zu viel Freiheit bringt aber auch Probleme mit sich. Teil 4 der Reihe Generation Deutsche Einheit.

Auf dem Foto ist eine hellblaue Mauer zu erkennen, die in der Mitte ein großes Loch hat. Durch dieses Loch schaut ein junger Mann, mit dunkelblonden Haaren. 4 min
Bildrechte: Pixabay, Pietsch/Schörm/MDR

Robin Pietsch ist ein Kind des Harzes und ist immer mit dem Wort Freiheit aufgewachsen. Zu viel Freiheit bringt aber auch Probleme mit sich. Teil 4 der Reihe Generation Deutsche Einheit.

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Mo 12.10.2020 10:40Uhr 04:04 min

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Es ist früh am Morgen, als Robin Pietsch bei Diethard Trick auf den Parkplatz einbiegt. Bei ihm in der Teichwirtschaft Veckenstedt kauft Robin Pietsch seinen Fisch. Seit sieben Jahren schon, stellen die beiden fest, während im Bottich die bestellten Lachsforellen noch zappeln. Frisch muss der Fisch sein, so wie in Veckenstedt. Ohne lange Wege und gut; die Qualität ist Spitze.

So freundlich er sonst ist, in dem Punkt ist der 32-jährige Pietsch knallhart. Er verlangt höchste Qualität und die bekommt er, hier im Harz. Diese Region ist seine Heimat; in Blankenburg aufgewachsen, wohnt er inzwischen mit seiner Freundin in Wernigerode. Veckenstedt liegt keine Viertelstunde Fahrzeit entfernt, er kennt seine Händler und weiß, wie sie produzieren.

Sternenküche im Harz

Schon mit 21 Jahren machte sich Pietsch selbstständig und öffnete mit dem "Zeitwerk", sein erstes Restaurant, damals noch in Blankenburg. Inzwischen ist er als Spitzenkoch anerkannt von "Michelin" und "Gault & Millau", erhielt einen Stern im Guide Michelin 2018, ist in der Fernsehkoch-Realität angekommen und beweist sich auch hinter den Kulissen der Fernseh-Köche. Er führt nicht weit vom "Zeitwerk" in Wernigerode das "Pietsch", das er 2019 eröffnete. 2020 hat er für beide einen Michelin Stern bekommen. Ein zweifacher Ritterschlag.

Im MDR-Fernsehen kocht er ab und an für die Nachmittagszuschauer, im ZDF bewertet er ambitionierte Freizeitköche in der "Küchenschlacht". Auch er selbst liebt den Wettbewerb, gern auch öffentlich, wie "Das perfekte Profi-Dinner" oder "Grill den Profi". Der junge Mann mit dem überzeugenden Lächeln und dem legeren Outfit ist zum Medienprofi geworden. Und seine Funkhausdinner im MDR Landesfunkhaus in Magdeburg sind einsame Spitze und Gesprächsstoff noch Wochen später. 

Funkhausdinner mit Robin Pietsch im MDR Landesfunkhaus Sachsen-Anhalt
Einmal im Monat kocht Robin Pietsch beim Funkhausdinner in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener

Er steht auf einem festen Fundament, einem "doppelten Boden": Nach der abgeschlossenen Konditorlehre wurde Robin Pietsch Koch. Und Kochen ist sein Lebenszweck: die pure Leidenschaft. Ohne seine Freunde und Familie wäre er jedoch nie so weit gekommen.

"Meine ganze Familie hat ganz viel für mich getan, als ich mich selbstständig gemacht habe, muss ich einfach fairerweise sagen. Ich hatte halt nicht viel, aber ich habe bis heute noch gute Freunde, die von Anfang an mit angefasst haben, ohne zu Murren, ohne zu sagen: 'Nee ich hab keine Lust.' Sondern wenn ich zu meinen besten Freunden gesagt habe: 'Jungs, wir müssen heute hier mal streichen, umbauen, was raustragen', da gab es gar keine Diskussionen, die sagten: 'Wann sollen wir da sein?'. Und egal, wie lange, sie haben angepackt", so Pietsch.

Oma Christas Küche

Alle haben ihn ermuntert, an seinen Traum zu glauben, aber seine Oma väterlicherseits hat den Keim dafür gelegt. Nach einem Beinbruch beim Motocross, da war er noch ein Steppke, hat er eine Weile bei ihr gelebt. Die Oma als Krankenschwester hat ihn wieder aufgepäppelt. Er liebt ihre Möhrensuppe, die ist einfach und riesig im Geschmack.

Steckbrief: Das ist Robin Pietsch

Robin Pietsch
Die Funkhausdinner mit Robin Pietsch sind ein Highlight für alle Anwesenden. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener

  • Name: Robin Pietsch
  • Geburtstag: 19. September 1988
  • Geburtsort: Blankenburg
  • Wohnort: Wernigerode
  • Beruf/Ausbildung: Konditor und Koch
  • Lieblings-Ost-Produkt: "Ossi-Tomatensoße" mit Nudeln

Ansonsten spielte die DDR für Robin Pietsch keine Rolle und das ist gut so. Im Herbst 1989 war Robin Pietsch gerade ein Jahr alt: "So viel habe ich jetzt von der Wende tatsächlich nicht mitbekommen. Ich glaube auch nicht, dass das – zumindest in meinem Fall – irgendwie ein großes Problem war, ganz im Gegenteil. Also ich bin eigentlich immer mit dem Wort Freiheit aufgewachsen."

In DDR-Zeiten hieß es: einteilen und sparsam sein, weil es vieles nicht gab. Gerade im Alltag, in der Küche. Diese Erfahrungen muss man nicht über Bord werfen, meint Pietsch und wird nachdenklich. Freiheit hat für ihn nicht nur gute Seiten:

"Ich finde, manchmal ist Freiheit, dass wir alle viel zu frei sind. Wir sind hier überschwemmt zum Beispiel mit Lebensmitteln. Das ist ja Wahnsinn, wenn ich so von früher höre. Man musste da wirklich vorsichtig wirtschaften mit allem, was man hatte." 

Gerade hat er sich in einer Initiative, der "Too good to go“-Community" auch öffentlich gegen Lebensmittelverschwendung stark gemacht.

Wir sind hier überschwemmt zum Beispiel mit Lebensmitteln, das ist ja Wahnsinn.

Robin Pietsch

Einen Apfel direkt von der Streuobstwiese zu essen, ist für den Spitzenkoch höchster Genuss. Einfach und gut, darauf baut Robin Pietsch auf: Er verarbeitet Fichtennadeln oder gelbe Bete, gibt alten oder vergessenen Sorten neues Ansehen. Oder erfindet außergewöhnliche Kombinationen, zum Beispiel aus Senfei und Mohn. Witzig auch, wie luftgetrockneter Schinken auf der Leine hängt wie ein Bettlaken nach der großen Wäsche.

Im "Pietsch" nimmt sich Pietsch alle Freiheiten. Der lange Holztresen bietet gerade mal 14 Gästen Platz und gekocht wird, was alle am liebsten essen: Er nennt das "Bauchküche". Feste Größe sind die asiatischen Einflüsse.

Ohne Team geht nichts

Robin Pietsch mit verpacktem Essen.
In der Corona-Krise hat Robin Pietsch und sein Team für Menschen in "systemrelevanten" Jobs gekocht. Bildrechte: MDR/Carsten Reuß

Pietsch trägt Verantwortung für 20 Mitarbeiter: ein ziemlich junges Team, auf das er sich zu 120 Prozent verlassen kann. Er ist der Chef, der Inhaber, entwickelt die Menüs; doch ohne seine Leute könnte er seine Auftritte in den Medien, bei Galas und Talkshows nicht stemmen. Anfangs musste er schwere Rückschläge hinnehmen. Doch Robin Pietsch hat sich durchgebissen und gelernt, mit Krisen umzugehen. Das hat ihm jetzt geholfen. Als er beide Restaurants wegen des Coronavirus schließen musste, kochte er mit seinem Team Mittagessen für die Leute in Kliniken, Supermärkten, Apotheken oder Fieberambulanzen.

Quelle: MDR/jb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. Oktober 2020 | 10:40 Uhr

1 Kommentar

harzer vor 2 Wochen

Ob es allen gut geht bezweifele ich, meine Familie geht es gut! Der Robin Pietsch hat es geschafft Glückwunsch, sein Werdegang ist top! Aber jeder Mensch hat seine Zukunft selbst in der Hand, sein Leben zu gestalten.

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