Öffentliches Leben Corona-Eindämmung: Viele Einrichtungen und Geschäfte in Sachsen-Anhalt müssen schließen

Es ist ein drastischer Schritt, der die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamen soll: Auch in Sachsen-Anhalt bleiben viele Einrichtungen und Geschäfte in nächster Zeit dicht. Das sieht eine neue Verordnung der Landesregierung vor.

In Sachsen-Anhalt werden zur Eindämmung des Coronavirus zahlreiche Geschäfte und Einrichtungen geschlossen. Das sieht eine Verordnung der Landesregierung vor, die am Mittwoch (18. März) in Kraft tritt. Die Einschränkungen gelten dann gut einen Monat – bis einschließlich 19. April. Das hat Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Dienstagmittag bekanntgegeben – gemeinsam mit Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD), Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) und Bildungsminister Marco Tullner (CDU).

Folgende Regeln und Verbote sollen helfen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen:

  • Veranstaltungen (öffentlich oder nicht-öffentlich) mit mehr als 50 Teilnehmern werden verboten. Für kleinere Veranstaltungen sind strenge Auflagen vorgesehen. So soll zwischen den Teilnehmern ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden. Außerdem muss eine Anwesenheitsliste geführt werden.
  • Clubs, Diskotheken, Messen, Ausstellungen, Spielhallen, Wettannahmestellen, Spielbanken werden geschlossen – ebenso wie Theater, Kinos, Konzerthallen, Museen, Bürgerhäuser, Jugendzentren, Bibliotheken, Zoos, Schwimmbäder, Saunen, Fitnessstudios, Bordelle sowie Mensen von Universitäten und Hochschulen.
  • Bars/Schankwirtschaften dürfen ebenfalls nicht mehr öffnen.
  • In Restaurants dürfen nicht mehr als 50 Gäste gleichzeitig anwesend sein. Zwischen den Tischen muss es einen Abstand von zwei Metern geben. Dasselbe gilt für Cafés.
  • Für Krankenhäuser gelten strenge Besuchsregeln: Patienten dürfen nur einen Besucher pro Tag für je eine Stunde empfangen. Für die Unikliniken Magdeburg und Halle gibt es ein generelles Besuchsverbot.
  • Kinderspielplätze dürfen vorerst nicht mehr genutzt werden.
  • Jahrmärkte und Volksfeste fallen aus.
  • Der Betrieb auf Sportanlagen wird untersagt. Hierbei können aber Ausnahmen beim Landesverwaltungsamt beantragt werden. Das gilt insbesondere für Athleten, die sich auf die Olympischen Spiele vorbereiten.

Lebensmittelgeschäfte bleiben geöffnet

Der Einzelhandel schließt bis auf Ausnahmen. Geöffnet bleiben demnach:

  • Geschäfte für Lebens- und Futtermittel, Großhandel, Wochenmärkte
  • Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Waschsalons
  • Tankstellen, Poststellen
  • Banken und Sparkassen
  • Buch- und Zeitschriftenhandel
  • Auch Lieferdienste sollen aufrecht erhalten bleiben.
  • Hörakustiker, Optiker, Dienstleister (etwa Friseure) und Handwerker können ihren Tätigkeiten weiter nachgehen.
  • Gerichte, Staatsanwaltschaften und Behörden, die öffentlich-rechtliche Aufgaben wahrnehmen, schließen ebenfalls nicht.
  • Werkstätten für behinderte Menschen bleiben für diejenigen geöffnet, die keine andere Betreuung haben – sowie für Menschen mit Behinderungen, die eine Tagesstruktur benötigen.

"Schmerzliche Einschnitte" für Bevölkerung und Wirtschaft

Haseloff sprach mit Blick auf diese Schritte von schmerzlichen Einschnitten für das öffentliche und private Leben sowie die Wirtschaft. Das öffentliche Leben werde so stark eingeschränkt wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Schutz der Menschen im Land habe aber oberste Priorität. Wer der Verordnung nicht folge, begehe eine Straftat.

Kein Sektor werde ohne Auswirkungen aus der Coronakrise herauskommen, so Haseloff weiter. Deswegen komme es nun auf den Zusammenhalt in der Bevölkerung an. Sorgen um Lebensmittelengpässe müsse man sich nicht machen.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Gebrauchs ist gesichert.

Ministerpräsident Reiner Haseloff

Damit genügend Waren transportiert werden können, hat die Landesregierung eine Ausnahmegenehmigung vom Sonn- und Feiertagsfahrverbot beschlossen. So soll sichergestellt werden, dass auch weiterhin ausreichend Lebensmittel, Hygieneartikel und medizinische Produkte erhältlich sind. Die Regelung gilt vorerst bis Ende August.

Keine eingeschränkten Öffnungszeiten für Restaurants

Freie Sitzplätze vor Cafés in der Kleinen Ulrichstaße in Halle
In der Gastronomie dürfen vorerst nicht mehr als 50 Gäste gleichzeitig anwesend sein. Bildrechte: MDR/Maria Hendrischke

Anders als in anderen Bundesländern sollen in Sachsen-Anhalt Gaststätten und Restaurants nicht bereits um 18 Uhr schließen. Gesundheitsministerin Grimm-Benne und Regierungschef Haseloff begründeten dies auf Nachfrage damit, dass die Lage im ländlich geprägten Sachsen-Anhalt anders sei als in Ballungsgebieten. Gaststätten auf dem Dorf seien oftmals wichtig für die Daseinsvorsorge älterer Menschen. Deshalb habe man sich entschieden, die Öffnungszeiten dort vorerst nicht zu begrenzen. Auch eine Ausgangssperre wie in Frankreich, Spanien und Italien sei mit Blick auf die derzeitigen Ansteckungszahlen nicht nötig.

Zu weiter erlaubten touristischen Übernachtungen – zum Beispiel im Harz – sagte Grimm-Benne, an dieser Stelle fahre man einen anderen Kurs als vom Bund vorgeschlagen. Grund sei, dass viele Übernachtungen nicht aus touristischen Gründen erfolgten – sondern um Dienstleistungen zu erfüllen, etwa von Handwerkern.

Schulen und Kitas ebenfalls dicht

Schulen und Kitas sind in Sachsen-Anhalt bereits seit Montag geschlossen – vorerst bis Ostermontag, den 13. April 2020. Über die nun dazukommenden Schließungen hatte sich Ministerpräsident Haseloff am Dienstagmorgen in einer Telefonschalte mit Landräten und Oberbürgermeistern abgestimmt. Zuvor hatten Bund und Länder die neuen Schritte zur Eindämmung des Coronavirus am Montag gemeinsam vereinbart. Ziel der Abmachungen ist es, soziale Kontakte einzuschränken und die Ausbreitung des Virus damit zu verlangsamen.

In Sachsen-Anhalt gibt es derzeit 105 bestätigte Infektionen, die meisten davon in Halle, Magdeburg und dem Landkreis Börde. Schwere Fälle sind nach Angaben des Sozialministeriums bisher nicht bekannt.

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 17. März 2020 | 17:00 Uhr

24 Kommentare

Dab vor 37 Wochen

Hallo,guten Abend.Es ist sehr Unangenehm,wen man nach der Arbeit,in den Lebensmittelläden nicht mehr alle Produkte bekommt.Da es hier eine Bevölkerungsgruppe gibt,die alles früh's Aufkauft...War heute in der Apotheke wegen Medikamente,für einige Verschreibungspflichtige,gibt es,schon Engpässe.Da ich einen großteil,meiner Bekleidung nicht vor Ort bekomme,bestelle ich seit Jahren Online.

CrizzleMyNizzle vor 37 Wochen

Was wäre wenn Szenarien sind immer toll... nur halt übertrieben - zweiter Fall von Luxusproblem.
Ihr beschriebenes Szenario gab es auch schon unter normalen Umständen (wie Sie ja selbst schreiben), da ging gar nichts mehr... (weder Automat noch Kartenzahlung)
Dann kann man halt in dem Moment nicht einkaufen und kommt später wieder, was solls? Es geht doch dabei nicht um Leben und Tod, weil Sie nicht einkaufen können!

CrizzleMyNizzle vor 37 Wochen

Das nennt man Luxusproblem... Ist für Sie als einzelnen sicher übel, aber darf für die Gesamtbetrachtung keine Rolle spielen. Es zeichnet sich ja seit mehreren Tagen ab dass es so kommt, von daher bestand die Möglichkeit zu kaufen schon vorher. Bitte nicht angegriffen fühlen.
Mal davon ab glauben Sie ernsthaft daran dass Ihre Frau Ihre Reha antreten darf? Zweifel ich stark an.

Mehr aus Sachsen-Anhalt