Oberverwaltungsgericht Lehrergewerkschaft unterstützt Klage gegen geplante Schulöffnungen

Die Bildungsgewerkschaft GEW unterstützt eine Grundschullehrerin bei einer Klage am Oberverwaltungsgericht: Sie wollen verhindern, dass alle Grundschüler in Sachsen-Anhalt wieder täglich zur Schule gehen. Grund seien Bedenken hinsichtlich der Ansteckungsgefahr für Kinder und Lehrer.

Das Logo der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, 2015
Das Logo der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Lehrervertreter wollen verhindern, dass schon bald alle Grundschüler in Sachsen-Anhalt wieder täglich zur Schule gehen. Die Bildungsgewerkschaft GEW teilte mit, sie unterstütze eine Grundschullehrerin bei einer Klage am Oberverwaltungsgericht. Man gehe damit gegen die aktuelle Corona-Eindämmungsverordnung des Landes vor. Grund seien Bedenken hinsichtlich der Ansteckungsgefahr für Kinder und Lehrer.

Eva Gerth
GEW-Landeschefin Eva Gerth Bildrechte: imago images/Christian Schroed

GEW-Landeschefin Eva Gerth sagte MDR SACHSEN-ANHALT, die Gewerkschaft sei nicht generell gegen die Eindämmungsverordnung. Die Kritik richte sich gegen den Teil, der Bildungsminister Marco Tullner (CDU) freie Hand gebe, die Schule zu organisieren. "Der Bildungsminister nutzt das ja im Moment, um die Schule so zu organisieren, dass alle Grundschulkinder ohne das Abstandsgebot in eine Klasse kommen sollen", so Gerth.

Die GEW wolle überprüfen lassen, ob dies verfassungsgemäß sei. Außerdem gehe es darum, ob es generell der Eindämmungsverordnung entspreche, wenn überall ein Abstandsgebot gelte und an den Grundschulen nicht mehr.

Nach dem Willen des Bildungsministeriums sollen zwischen dem 8. und 15. Juni alle Grundschüler wieder täglich in die Schulen zurückkehren. Dabei sollen die Klassen über feste Räume verfügen und sich nicht begegnen. Sollte es für die Unterrichtsorganisation notwendig sein, dürfe der momentan eigentlich geltende Mindestabstand von 1,5 Metern unterschritten werden.

GEW hält die Regeln für unrealistisch

Eva Gerth hält es für nicht umsetzbar, dass die Klassen strikt voneinander getrennt werden: "Man stelle sich nur mal vor, dass diese Kinder zum Beispiel Mittag essen sollen. Wenn man acht oder zehn Klassen in der Schule hat, muss man früh um zehn anfangen und ist nachmittags um drei fertig, wenn sich die Kinder nicht begegnen sollen." Zudem sei wissenschaftlich nicht erforscht, was passiere, wenn sich Kinder untereinander oder auch Lehrern so nahe kämen. "Es könnte durchaus sein, dass es zu Ansteckungen kommt. Kinder haben manchmal keine Symptome", sagte Gerth.

Entscheidung bis spätestens Montag erwartet

Die GEW spricht sich dafür aus, dass Schulklassen weiterhin im Wechsel unterrichtet werden. Mit den kleineren Gruppen habe man die Abstandsgebote bislang einhalten können. Die Gewerkschaft erwartet, dass das Gericht im Eilverfahren bis spätestens Montag entscheidet. Urteilt das Gericht, dass es nicht verfassungsgemäß war, dem Bildungsminister freie Hand zu lassen, müsse die Landesregierung neu überlegen, wie sie mit dem Thema umgehe.

Quelle: MDR/jh

9 Kommentare

siebenundzwei vor 9 Wochen

Und zu behaupten, dass Lehrkräfte zur Zeit nur die Hälfte arbeiten ist eine Frechheit. Ein Unterricht in 2 Gruppen bedeutet doppelter Arbeitsaufwand. Und vielleicht sollte man auch nicht vergessen auch Lehrkräfte legen zur Zeit in der Coronakrise. Und der normale Schulalltag läuft auch noch nebenbei.

siebenundzwei vor 9 Wochen

Natürlich haben unsere Kinder ein Recht auf Bildung. (Bildung und Teilhabe ist eine Sozialleistungen und kein Grundrecht) Aber vielleicht sollten wir auch überlegen zu welchen Preis. Ist es wirklich notwendig wenn wir mit der Gesundheit unserer Kinder spielen? Auch die Lehrer an unserer Grundschule finden diesen Weg von unserem Bildungsminister unverantwortlich. Natürlich ist es schwer Betreuung, Homeschooling und Job unter ein Hut zu bekommen, aber machbar. Und nur weil ein Kind zu Hause ist, hat es nicht das Nachsehen.... denn da ist nun mal jeder selber für die Bildung seines Kindes verantwortlich...

PhilJo vor 9 Wochen

@Nemo: ja man darf nicht pauschalisieren, aber an unserer schule wird seitnseit Schließung nur 50% gegeben von den Lehrern. Wir erhalten keinerlei Feedback als Eltern, keine Meldung vom Klassenlehrer und mittlerweile sind mehr als 2 Drittel in der Notbetreuung. Es ist lachhaft und ja die Lehrer müssen dieser Tage auch mal mehr leisten. Ich will den Beruf auf keinen Fall klein reden, ich zolle allen Lehrern großen Respekt. Aber hier in der Grundschule ist eine Öffnung zu 100% möglich. Mittlerweile haben wir hier eine zwei Klassengesellschaft, die die zu Hause bleiben müssen und die in der Notbetreuung. Zu Hause habe das Nachsehen, da es niemanden interessiert ob sie hinterher kommen während der Rest Unterricht hat!

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