Glücksatlas Glücklich in Sachsen-Anhalt – das geht!

Du bist doch aus Sachsen-Anhalt. Haben sie gesagt. Bist Du glücklich in Sachsen-Anhalt? Haben sie gefragt, meine Kollegen.
Nun hätte ich spontan gesagt: Na, ich würde vielleicht lieber in Wien leben und dachte, dass mich das glücklicher macht. Dabei bin ich in Sachsen-Anhalt doch ziemlich glücklich. Das habe ich beim Schreiben dieses Textes gemerkt.

von Janine Wohlfahrt, MDR SACHSEN-ANHALT

Margeritenwiese im abendlichen Sonnenschein
Endloser Sommer. In diesem Jahr will es nicht Herbst werden. Viele macht das glücklich. Bildrechte: Colourbox.de/Thomas Wahle

Es ist Donnerstag Mitte Oktober und es sind noch einmal mehr als 20 Grad. Der Himmel strahlend blau, die Sonne scheint, als wäre Mitte August. Ein Tag, an dem mein Selbstbild über Sachsen-Anhalt allein dadurch sicher etwas freundlicher ausfällt, als an einem trüben Novembertag. Aber ist es das nicht schon? Das Glück? Allein wegen dieses sagenhaften Sommers 2018? Ende April war ich das erste Mal im See baden und seitdem hat der Sommer nicht mehr aufgehört. Monatelang nur Schlappen tragen ohne Strümpfe, welch ein Glück! Genau wie die vielen lauen Sommerabende mit Familie und Freunden.

Wenn es um die Freizeit und das Wohnen geht, ticke ich offenbar wie die meisten Sachsen-Anhalter. Im Glücksatlas gab es bei diesem Thema die meisten Punkte: 7,66. Das sind sogar mehr als im Bundesdurchschnitt. Ich persönlich würde mir mehr Ausgehmöglichkeiten, mehr Leben auf der Straße, mehr Ausstellungen, Konzerte, Theater wünschen, aber 8 Punkte hätte ich sicher auch vergeben. Schließlich lebt es sich doch gut in Sachsen-Anhalt.

Die Mieten sind niedrig

Die Mieten sind günstig und es gibt so gut wie überall ausreichend Wohnungen in allen Preislagen. Die Städte sind klein. Dadurch fehlt es zwar an Subkultur, aber fast alles ist mit dem Fahrrad zu erreichen. Welch ein Glück, dass ich das Auto höchstens zwei Mal in der Woche benutzen muss. Und ich weiß mein Glück diesbezüglich wirklich zu schätzen. Denn Sachsen-Anhalt ist ein Land der Pendler. Zuletzt waren die Zahlen nochmals gestiegen. Rund 150.200 Berufstätige pendeln. Und Pendler empfinden die langen Wege zur Arbeit laut des Glücksatlasses auch als besonders belastend.

Gesundheit

Ziemlich unzufrieden sind die Sachsen-Anhalter mit ihrer Gesundheit. Das verstehe ich am wenigsten. Bei diesem Thema hätte ich glatte 10 Punkte vergeben. Wenn ich daran denke, dass ich als Kind zu DDR-Zeiten beim Zahnarzt niemals eine Betäubung bekam, bin ich überaus glücklich, dass sich das geändert hat. Auch, dass ich nach einem Skiunfall kostenlos eine hochmoderne MRT-Untersuchung nutzen, oder dass ich meine Kinder in einem Krankenhaus zur Welt bringen konnte und im Anschluss kostenlos Unterstützung von einer Hebamme bekam, macht mich wirklich immer noch froh und glücklich. Doch so geht es offenbar nicht allen Menschen in Sachsen-Anhalt. Die Zahlen sprechen für sich. Die Quote derer, die pflegebedürftig sind, ist hier am höchsten. Sehr viele leiden an Herzkrankheiten oder haben Alkoholprobleme. Viele Krankenhäuser haben geschlossen. Es gibt nur noch wenige Geburtsstationen. Und mir ist klar, dass die Gesundheitsversorgung außerhalb der Städte tatsächlich ein großes Problem ist.

Aber ich würde mich trotzdem dem Glücksforscher Jan Delhey von der Uni Magdeburg anschließen. Er ist der Ansicht, dass es auch Faktoren gibt, die jeder selbst beeinflussen kann. So seien Glückshemmer etwa zu wenig Schlaf, achtlose Ernährung und zu hohe Ansprüche an sich selbst.

Glückshemmer: zu niedriges Einkommen

Ein Hauptgrund für Unzufriedenheit in Sachsen-Anhalt ist laut dem Glücksatlas das geringe Einkommen. 18.648 Euro hat jeder Einwohner durchschnittlich als Jahreseinkommen zur Verfügung. Das sind 85 Prozent von dem, was der Durchschnittsdeutsche zur Verfügung hat. Klar, dass da keine Glücksgefühle aufkommen. Mein Mann wird als Verkäufer auch nicht reich. Sein Glück, dass er verheiratet ist und wir ein gemeinsames Einkommen haben. (Memo an mich selbst: gib ihm den Text zu lesen!)

Nun werden einige denken: 'Na die hat gut reden als Redakteurin beim Mitteldeutschen Rundfunk.' Das kann ich verstehen. Aber auch ich kann mir nicht alles leisten, was ich gerne hätte. Aber macht mich das unglücklich? Wenn ich mich ständig vergleichen würde mit Leuten die große Autos fahren, Pools im Garten haben und drei Mal im Jahr in den Urlaub fliegen, dann wäre ich sicher unglücklicher. Aber da versuche ich mich immer, an diesen, meiner Meinung nach, sehr weisen Spruch zu halten: Vergleich ist der Anfang allen Unglücks.

Janine Wohlfahrt
Bildrechte: MDR/Luca Deutschlaender

Über die Autorin Janine Wohlfahrt stammt aus Magdeburg und arbeitet seit 2001 für MDR SACHSEN-ANHALT. Seitdem hat sie im Hörfunk und Fernsehen Nachrichten gemacht, war als Reporterin mit dem Ü-Wagen unterwegs und ist jetzt dabei, das Regionalstudio Magdeburg trimedial aufzubauen. Arbeitet auch als Chefin vom Dienst in der Online-Redaktion. Bevor sie zu MDR SACHSEN-ANHALT kam, hat sie bei der Bild-Zeitung, Radio SAW und MDR JUMP gearbeitet. Ihre Lieblingsorte sind ihr Zuhause, die Datsche, der Neustädter See und der Stadtpark in Magdeburg.

Quelle: MDR/jw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 11. Oktober 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2018, 18:37 Uhr

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5 Kommentare

12.10.2018 20:04 Die kurze Seite der Sonnenallee 5

Danke an die Autorin für diesen tollen aufmunternden Artikel! Genau so ist es. Wer auf dem Lande lebt, kann halt nicht auf alle infrastrukturellen Möglichkeiten zurückgreifen, hat aber deutlich mehr Lebensqualität durch gute Luft und viel Natur. Ich finde es traurig, dass so viele Menschen glauben, wegen eines geringeren Einkommens weniger glücklich zu sein. Vermutlich fänden genau dieselben Menschen andere Haare in der Suppe, wenn sie mehr Geld zur Verfügung hätten. Was nützt ein hohes Einkommen, Gesundheit ist doch das höchste Gut, das wir Menschen besitzen. Diabetes, Herz- und Alkoholprobleme werden doch gerade häufig durch ungesunden Lebenswandel erst hervorgerufen und fallen nicht vom Himmel. Das sollten die Unzufriedenen auch mal reflektieren und nicht immer "denen da oben" die Schuld geben.

12.10.2018 17:07 Andreas Kühne 4

Ich denke auch, daß der alte Spruch "Jeder ist seines Glückes Schmied" an Aktualität nichts verloren hat. Wir leben in einem tollen Bundesland mit liebenswerten, kreativen und bodenständigen Menschen. Sicherlich ist gerade im ländlichen Bereich nicht immer alles Gold was glänzt, aber in Orten wo sich die Bewohner selbst einbringen und nicht nur auf "die da oben" schimpfen und warten, hat man auch eine super Sozialstruktur in Form von Festen, Vereinen oder einfach dörflichem Zusammenhalt. Ich lebe gerne hier, kann mich beruflich entfalten und in die Gemeinschaft einbringen. Naja - und mal ganz ehrlich: Ist die Definition von Glück nicht sowieso eher individuell subjektiv und eigentlich per se philosophisch? :-)

12.10.2018 11:56 Montana 3

Das sind die Starken der Welt: die unter Tränen lachen,
eigene Sorgen verbergen,
und andere glücklich machen.

Autor: unbekannt