Ein leeres Klassenzimmer.
Der Lehrermangel an Grundschulen wird sich in den kommenden Jahren verschärfen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bertelsmann-Studie Lehrermangel an Grundschulen gravierender als gedacht

In den kommenden Jahren müssen in Sachsen-Anhalt jährlich rund 400 Grundschullehrer her. Doch das Land finde derzeit nicht mal die Hälfte, beklagt die GEW. Das Bildungsministerium dagegen sieht sich vorbereitet.

Ein leeres Klassenzimmer.
Der Lehrermangel an Grundschulen wird sich in den kommenden Jahren verschärfen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Deutschland fehlen an den Grundschulen in den kommenden Jahren offenbar deutlich mehr Lehrer als bisher angenommen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht davon aus, dass diese Diskrepanz besonders Sachsen-Anhalt treffen wird. Grund sei das Alter der Lehrkräfte.

Zwei Drittel der Lehrer 50+

Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes sind etwa zwei Drittel der Lehrkräfte an den Grundschulen im Land älter als 50 Jahre. Der GEW zufolge müssen in kommenden Jahren jährlich rund 400 Lehrkräfte ersetzt werden. Die Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt, Eva Gerth, beklagte am Montag in Magdeburg, das Land finde derzeit nicht mal die Hälfte davon.

Eva Gerth
Bildrechte: imago images/Christian Schroed

Die Diskrepanz wird Sachsen-Anhalt mit einer besonderen Wucht treffen, weil die Landesregierung entscheidende Entwicklungen gerade im Grundschulbereich weiter verschläft.

Eva Gerth, Vorsitzende der GEW Sachsen-Anhalt

Laut Gerth wächst auch die Konkurrenzsituation unter den Bundesländern. Sie forderte, die Bezahlung an Grundschulen anzuheben, wie es andere Bundesländer auch schon getan hätten, um Absolventen zu locken. Des Weiteren müssten Studienplätze ausgebaut und gezielte Stipendienprogramme in der Lehrkräfte-Ausbildung eingeführt werden. Für Seiten- und Quereinsteiger brauche es zudem verlässliche Programme, so die Vorsitzende der Landes-Gewerkschaft.  

Weniger Lehrer, dafür mehr Schüler

Gerth reagierte damit auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die besagt, dass in sechs Jahren bundesweit über 26.000 Grundschullehrer fehlen werden. Das sind 11.000 mehr als gedacht. Die Studie sagt für die nächsten zehn Jahre einen Anstieg auf etwa 3,2 Millionen Grundschulkinder voraus.

Die bisherigen Berechnungen der Kultusministerkonferenz gingen hingegen von nur etwa drei Millionen Kindern aus. Grundlage für die Bertelsmann-Studie ist die Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamtes.

Bildungsministerium: GEW-Berechnung nicht nachvollziehbar

Das Bildungsministerium wies die Kritik der GEW hingegen zurück. Es sei für Sachsen-Anhalt keine Überraschung, dass es künftig einen steigenden Bedarf an Grundschullehrkräften gebe, teilte Ministeriumssprecher Stefan Thurmann auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT mit. Deswegen habe das Land auch bereits Maßnahmen ergriffen. So sei die Zahl der Studienplätze deutlich erhöht und Vorbereitungsseminare ausgebaut worden. Außerdem gebe es für Seiteneinsteiger berufsbegleitende Referendariate. Darüber hinaus würden kontinuierlich die steigenden Schülerzahlen und die Abgänge in die Ermittlungen zum aktuellen Einstellungsbedarf eingearbeitet und ausgeschrieben, so Thurmann weiter.

Die Berechnung seitens der GEW könne das Ministerium nicht nachvollziehen. Thurmann zufolge befinden sich 4.200 Lehrkräfte an den Grundschulen. Etwa zwei Drittel dieser Lehrer, also 2.700, seien im Moment älter als 50 Jahre. Das ergebe einen durchschnittlichen jährlichen Abgang von 225 Lehrkräften für die kommenden zwölf Jahre. Der Ministeriumssprecher wies aber auch darauf hin, dass die konkrete Zahl in den Jahren schwanken könne, wenn zum Beispiel Lehrer die Rente mit 63 in Anspruch nehmen.

Quelle: MDR,dpa/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 09. September 2019 | 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2019, 16:41 Uhr

1 Kommentar

Geogis vor 1 Wochen

Ob die Studie nachvollziehbar ist oder nicht. Lehrermabgel in S-A ist Tatsache und z. T. hausgemacht. Während in Sachsen ein Seiteneinsteiger Programm ins Leben gerufen wurde, macht man hierzulande Job nach Schema F. Bewerbungen auch für Seiteneinsteiger nur sind nur über ein zentrales Portal möglich. Die Zuständigen scheinen mit Ableitbarkeiten von Studieninhalten der Bewerber überfordert zu sein oder hierfür nicht ausreichend Kompetenzen zu besitzen. Als promovierte und nachweislich interdisziplinär arbeitender Geisteswissenschaftler hatte ich mich die letzten beiden Male für über 90 Stellen(!) beworben. Ohne Erfolg - für zahlreiche langjährig tätige Lehrer im Bekanntenkreis nicht nachvollziehbar, da diese sowohl meinen Bildungsweg als auch ihren Bedarf sehr gut einschätzen können. In Sachsen hatte ich Erfolg. Noch einmal vielen Dank Sachsen-Anhalt und noch mehr Erfolg bei der Lehrersuche.

Liebe Nutzer*Innen, wir haben unseren Kommentarbereich weiter entwickelt! Grundlage dafür waren auch die vielen konstruktiven Hinweise von Ihnen, wie z.B. zu doppelten Nutzernamen und das direkte Antworten auf einzelne Kommentare. Um nun mitzudiskutieren, registrieren Sie sich mit einer funktionierenden E-Mail-Adresse und klicken den Bestätigungslink an. Dann sollte es schon losgehen.
Einmal eingeloggt, können Sie in allen kommentierbaren Artikeln bei MDR.DE mitdiskutieren, können Ihre Kommentare verwalten und jederzeit einsehen. Wir können besser in die Diskussion kommen, Kommentare können von Ihnen bewertet und auch beantwortet werden, es ist ein übersichtlicherer Austausch möglich. Kommentare funktionieren in allen modernen Browsern. Gegebenenfalls müssen Sie ihren Browser aktualisieren.

Mehr aus Sachsen-Anhalt