Saaleufer mit Blick auf Schloss Bernburg
Bernburg wäre ein möglicher Austragungsort für den Kulturkampf Sachsen-Anhalts. Bildrechte: Thomas Nierlich

Reaktionen aus dem Netz Halle und Magdeburg streiten im #Culturebeef

Magdeburg bereitet sich seit Jahren auf die Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt vor. Nun steigt auch Halle in das Rennen ein. Im Internet sorgt das für eine muntere Debatte. Im "culturebeef" genannten Streit entwickelte sich am Ende ein ungewöhnliche Lösungsidee.

Saaleufer mit Blick auf Schloss Bernburg
Bernburg wäre ein möglicher Austragungsort für den Kulturkampf Sachsen-Anhalts. Bildrechte: Thomas Nierlich

Alles begann mit einem Facebook-Post von Bernd Wiegand. Halles Oberbürgermeister kündigte an, im Stadtrat eine Beschlussvorlage zum Thema "Kulturhauptstadt Europas 2025" einzubringen. Gibt der Stadtrat seine Zustimmung, will er ein Konzept dafür erstellen.

Während Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper die Initiative nicht kommentieren wollte, entspann sich im Land eine muntere Debatte. Unter dem Hashtag #culturebeef, was so viel wie Kulturstreit bedeutet, tauschten Befürworter beider Städte auf Twitter mehr oder weniger sinnvolle Argumente aus. Politiker meldeten sich genauso zu Wort, wie Kultur- und Medienschaffende.

Kampf auf neutralem Boden

Schließlich kam die Idee auf, man könnte die Frage, welche Stadt sich bewerben sollte, mit einem Kampf entscheiden. Dabei sollte Magdeburgs Lutz Trümper wahlweise gegen Bildungsminister Marco Tullner oder gegen Bernd Wiegand antreten. Als neutrale Austragungsorte kamen Dessau oder Bernburg in Frage. Für die Ausführung wurde ein Poetry Slam als sinnvoll erachtet.

Zum Ende entstand die Idee, dass beide Städte sich gemeinsam bewerben sollten. Immerhin hat das auch im Ruhrgebiet gut funktioniert. 2010 war Essen die bislang letzte deutsche Kulturhauptstadt. Doch damals präsentierte sich nicht nur Essen, sondern vereinte sich der komplette "Pott" zur gemeinsamen Kulturregion. Eine solche Zusammenarbeit könnte auch der Kulturhauptstadt aus Sachsen-Anhalt, egal welche es dann wird, einen Schub verleihen.

Land unterstützt Magdeburg

Sachsen-Anhalts Landesregierung wird nur die Stadt Magdeburg bei der Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas unterstützen. Das kündigte Kulturminister Robra an und verweist auf den Koalitionsvertrag. Das Land sei schlicht nicht in der Lage, eine weitere parallele Bewerbung finanziell zu unterstützen. Natürlich stehe es jeder Stadt frei, sich um den Titel zu bemühen.

Kritik an den Plänen Halles kommt von Bildungsminister Marco Tullner. Er nannte sie bei MDR SACHSEN-ANHALT "unglücklich und aktionistisch". Tullner hatte unlängst mit seinen Äußerungen zur Kulturhauptstadt Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper verärgert. Tullner hatte in einem Zeitungsinterview erklärt, dass Halle Sachsen-Anhalts Kulturhauptstadt sei.

Trümper hatte daraufhin erwidert, Tullner solle sich daran erinnern, dass er nicht nur CDU-Kreisvorsitzender sei, sondern auch Regierungsmitglied. Damit sollte er Neutralität beweisen und nicht verschiedene Regionen oder Städte im Land gegeneinander aufbringen. Tullner sprach von einem Missverständnis. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er habe mit seiner Äußerung lediglich eine Debatte anstoßen wollen, welche Rolle Kultur in Halle spiele.

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2016, 11:57 Uhr

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1 Kommentar

19.08.2016 12:23 MaxRenn 1

Die Aussage von Kulturminister Robra, das Land sei nicht in der Lage, eine Parallelbewerbung zu finanzieren, bestätigt im Grunde die kulturelle Armut, die Sachsen-Anhalts Verantwortliche an den Tag legen. Es gibt tatsächlich viele kulturelle Glanzlichter in unserem Land, das ist unbestritten, nur zeigen die, die dafür bezahlt werden, sie auch zu erhalten, nur wenig Ehrgeiz, auch über den zu erwartenden Imagegewinn hinauszublicken. Das Kulturgeschehen Magdeburgs wird beherrscht von Sponsoren, Unternehmen und vor allem der Sparkasse, die sich nicht selten damit rühmen, entsprechende Güter aufzukaufen, um sie danach prestigeträchtig an Museen zu verleihen. Für Magdeburg jedenfalls war das Gläschen Schampus schon immer wichtiger, als ein gutes Drehbuch. Über Halle allerdings kann ich mich nicht äußern, dafür kenne die Stadt zu wenig. Mein Fazit für MD: Laßt es sein, überlaßt Kultur doch denjenigen, die sie auch lieben!