Buch über Meckelsche Sammlungen "Wunder-Kammer" der Anatomie in Halle

Wer das Anatomie-Institut in Halle betritt, könnte meinen, er sei in einem Gruselkabinett. Tatsächlich handelt es sich aber um eine der größten Anatomie-Sammlungen Deutschlands. Und über diese gibt es nun ein Buch.

Ein Schädel
Angehende Mediziner lernen an den Präparaten. Bildrechte: MDR/Anja Nititzki

Das Institut für Anatomie in Halle ist eine wahre Wunder-Kammer. Zwar mögen die dort ansässigen Meckelschen Sammlungen auf den ersten Eindruck wie ein Gruselkabinett wirken. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um einen wissenschaftlichen Fundus. Sie gelten als eine der größten anatomischen Sammlungen in Deutschland und Europa. 8.000 menschliche Präparate sind hier zu finden – gefertigt von der halleschen Anatomen-Familie Meckel im 18. Jahrhundert.

Der "Hüter" der Sammlung

Ein ältere Professor in Mitten einer Anatomie-Sammlung
Anatomie-Professor Rüdiger Schultka Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Präparate stehen dort zu Lehrzwecken. Nur an wenigen Tagen im Jahr sind die Meckelschen Sammlungen für die Öffentlichkeit zugänglich. Wer sich dennoch dafür interessiert, der kann ab jetzt nachschlagen. Anatomie-Professor Rüdiger Schultka hat jetzt das Buch "Die Meckelschen Sammlungen" veröffentlicht. Darin hat Schultka sein Lebenswerk zu Papier gebracht.

Seit 60 Jahren arbeitet Schultka am Institut und ist der "Hüter" dieses historischen Erbes. "Ich habe in dem Buch sehr viele meckelsche Präparate untergebracht und erklärt. Ich glaube, es ist wichtig, dass  man gerade die jüngere Generation darauf hinweist, welche Kulturschätze hier eigentlich existieren", erklärte der Anatomie-Professor MDR SACHSEN-ANHALT seine Motivation hinter dem Werk. Die Anatomie sei ein fantastisches Lehrfach und so wichtig für medizinische Berufe, dass er sich einfach habe entschließen müssen, ein solches Buch entstehen zu lassen.

Blick auf ein anatomisches Präparat, dass die einen Menschen von hinten mit Einsicht auf seine Organe zeigt
Mit rund 8.000 menschlichen Präparaten hat Halle eine der größten Anatomie-Sammlungen Deutschlands. Bildrechte: MDR/Anja Nititzki

Auf den Spuren der Meckels

Der 78-jährige Schultka selbst hat während seines Medizinstudiums am halleschen Anatomie-Institut an den Präparaten gelernt. Danach lehrte er selbst. Zwar ist er seit 13 Jahren im Ruhestand, kommt aber fast täglich von Naumburg nach Halle ans Institut. Vier Jahre hat er dort am Buch über Meckel gearbeitet.

Im Buch geht es dabei nicht nur um die einzelnen anatomischen Präparate, sondern auch um die Familiengeschichte der Meckels – eine ganze Anatomen-Dynastie. Schultka war gemeinsam mit dem Verleger und Fotografen Janos Stekovicz auf Spurensuche der Meckels.

Ein Mann mit Anzug sitzt in einem Anatomie-Raum und blättert durch ein Buch
Janos Stekovicz, Fotograf und Verleger Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die einzelnen Präparate sind schon Kunstwerke an sich. Alle sind mit hohem fachlichen und handwerklichen Können hergestellt.

Für Fotograf Stekovicz war es dabei eine große Herausforderung die Fotos der anatomischen Präparate wissenschaftlich, aber auch ästhetisch aussehen zu lassen. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, zwei Wochen seien sie mit dem kompletten Fotostudio in das Institut eingezogen. Dabei hätten sie sich die einzelnen Präparate ganz genau angeschaut. "Die sind einzeln schon Kunstwerke an sich. Alle sind mit hohem fachlichen und handwerklichen Können hergestellt," so Fotografen Stekovicz. Und das habe er auf den Fotos rüberbringen wollen. "Ich hoffe, dass ist uns auch gelungen."

Buchpräsentation Am Freitag, 1. Dezember 2017, gibt es um 17:30 Uhr eine öffentliche Buchpräsentation. Und natürlich dort, wo auch schon am menschlichen Körper gelehrt wurde: im historischen Hörsaal der Anatomie.

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Eine Frau in schwarzem Oberteil lehnt an eine graue Brüstung.
Bildrechte: Medizinische Fakultät der Universität Halle

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 30. November 2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. November 2017, 21:08 Uhr

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