ein Haus wurde mit Farbbeuteln beworfen
Das Haus in der Adam-Kuckoff-Straße nach dem es mit Farbbeuteln beworfen wurde (Archiv). Bildrechte: IMAGO

Identitäre Bewegung in Halle Angriff auf Polizisten: "Neue Eskalationsstufe erreicht"

Mit Baseballschlägern und Pfefferspray haben Anhänger der sogenannten "Identitären Bewegung" in Halle zwei Polizisten angegriffen. Die Gruppe gebe sich zwar intellektuell, sei aber gewaltbereit, schätzt der Verein Miteinander ein.

ein Haus wurde mit Farbbeuteln beworfen
Das Haus in der Adam-Kuckoff-Straße nach dem es mit Farbbeuteln beworfen wurde (Archiv). Bildrechte: IMAGO

Das Haus der sogenannten "Identitären Bewegung" in Halle am Uni-Campus sorgt seit Monaten für Spannungen in der Stadt. Anwohner protestierten gegen die rechten Aktivisten und bildeten eine Bürgerinitiative. Die Polizei ist deshalb in der Adam-Kuckoff-Straße besonders aufmerksam – und schickt auch Zivilstreifen dorthin. Am Montagabend gingen zwei "Identitäre" auf die Beamten in Zivil los, teilte die Polizei mit.

Neue Eskalationsstufe erreicht

Der Rechtsextremismus-Experte vom Verein Miteinander, Torsten Hahnel, schätzt den Vorfall als sehr ernst ein:

"Ich glaube, dass man von einer neuen Eskalationsstufe reden kann, weil es einen solch massiven Angriff aus dem Haus von den Vertretern der Identitären noch nicht gegeben hat."
Hahnel sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man müsse sich die Frage stellen, was passiert wäre, wenn nicht Polizisten, sondern Unbeteiligte angegriffen worden wären, die sich nicht mit einer Dienstwaffe hätten wehren können: "Man muss davon ausgehen, dass es dann zu schweren Verletzungen gekommen wäre."

Wie sich der Angriff abgespielt hat In Halle hatten am Montagabend zwei Männer am Haus der als rechtsextrem eingestuften "Identitären Bewegung" in der Adam-Kuckoff-Straße zwei Polizisten angegriffen. Die Polizisten waren zuvor wegen Pöbeleien und Flaschenwürfen dorthin gerufen worden. Als sie vor Ort eintrafen, gingen zwei Männer aus dem Haus mit Schutzschilden, Schutzhelmen und Baseballschlägern auf sie los. Einer der beiden Männer besprühte die Polizisten mit Pfefferspray. Die Beamten mussten ambulant behandelt werden. Gegen die Angreifer wird wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Torsten Hahnel sagte, es sei grundsätzlich davon auszugehen, dass die "Identitären" versuchten, sich formal von militanten Neonazi-Strukturen abzugrenzen, sich intellektueller zu geben und Studenten anzuziehen. Das Ziel dieser Strategie sei es, alte Ideen neuer zu verpacken.

Mit dem Übergriff auf die Polizisten sei der Widerspruch der "Identitären" zwischen Selbstdarstellung und ihrer tatsächlichen Gewaltbereitschaft aber so offensichtlich geworden wie schon lange nicht mehr.

Stadt Halle unterstützt Bürgerinitiative gegen Identitäre

Derweil ringt die Stadt Halle um eine klare Haltung und um ein schrittweises Vorgehen gegen die Identitären. Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) positioniert sich klar, aber andere Stadträte erscheinen eher ratlos.

Für uns ist es eben deutlich, dass ein rechtsextremes Zentrum in der Stadt Halle nicht erwünscht ist.

Bernd Wiegand, Oberbürgermeister von Halle

Wiegand zufolge komme die Bürgerinitiative im Steintorvierel häufig auf ihn zu, um sich mit ihm abzustimmen und einzelne Maßnahmen zu diskutieren. Verbieten lassen kann der Oberbürgermeister das legale Hausprojekt der Identitären allerdings nicht.

CDU-Stadtrat Andreas Scholtyssek äußert sich resignierend: "Die Identitäre Bewegung hat sich an diesem Standort niedergelassen, die haben das Haus gekauft. Das ist nicht schön, damit müssen wir aber umgehen. Aber wie gesagt: Wir als Rat können da nix tun."

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 22.11.2017 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/rj

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2017, 20:59 Uhr

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72 Kommentare

24.11.2017 19:16 ralf meier 72

Hallo Anonymus Nr 70: meinen herzlichen Dank für ihre freundliche Rückmeldung. Da möchte ich mich für meine kleinen Spitzen am Anfang meiner Rückmeldung an Sie aufrichtig entschuldigen.

Zu Ihrer Rückmeldung: Ich habe keinen MDR Artikel gelesen, in dem der MDR einen Anschlag auf das Heim der Identitären klar verurteilte. Anschläge auf das Heim der Identitären wurden immer ohne jede eigene Wertung erwähnt. Dafür wurden immer wieder zahlreiche empörte Demokraten zitiert, die sich u.a. im Zusammenhang mit den Anschlägen über zwei Überwachungskameras aufregten. Wenn das kein Whataboutism ist ? Mich würde interessieren, ob einer von den Empörten schon das neue handy eines bekannten Herstellers mit faceid und ständiger Weitergabe der Position an den Hersteller besitzt. Lassen Sie doch einfach mal sacken, was ich Ihnen so geschrieben habe und denken Sie später noch mal darüber nach. Das mach ich auch so bei Positionen, die konträr zu meinen bisherigen Erfahrungen sind.

24.11.2017 17:46 Janes 71

@MDR! Wieso wird sowas veröffentlich, aber meine Reaktion darauf nicht? Das verstößt gegen die Kommentarrichtlinien und ist zudem eine Straftat!

"Nike 60
Und @ Janes, Gewalt ist ein Ausdruck geistiger Schwäche, das sollten sich ihre Freunde die Fassadenbeschmierer auch merken."

Also-Passage löschen, Anzeige, oder Möglichkeit zur Äußerung? Wie wollen wir es halten? Eine Anzeige geht dann aber auch an euch...


ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:

Wir dürfen Passagen aus Ihren Kommentaren nicht löschen. Also bitte neu formulieren.



24.11.2017 15:17 @24.11.2017 10:38 ralf meier 70

Danke, dass Sie sich die Mühe machen so ausführlich zu antworten. Ich fragte nur nach der Defintion von Whataboutism, weil ich beim besten Willen nicht in der Lage war die Berichterstattung des MDR darunter zu subsumieren. Auch Ihre Erklärung hilft mir hier nicht weiter. In einem Bericht geht es um die Angriffe auf das Haus der Identitären. In einem anderen um die Überwachungskameras, die datenschutzrechtl. durchausfragwürdig sind, weil sie auch öffentlichen Raum überwachen. Hier, in diesem Bericht geht es um den Angriff auf zwei zivile Polizisten.
Es handelt sich um unterschiedliche Berichte zu verschiedenen Themen und keineswegs um Ablenkungen von anderen Themen. Aber ich denke natürlich nicht, dass ich Sie überzeugen kann. Trotzdem Danke. So hat halt jeder seine Meinung, die man respektieren, aber nicht akzeptieren muss.