Zeitz – eine Stadt sucht ihre Zukunft Wie junge Zeitzer ihre Stadt lebenswerter machen

In Zeitz gibt es zwar ein paar Angebote für junge Menschen. Aber gerade für ältere Jugendliche sind sie eher rar. Ein Problem, besonders wenn es um das Thema Abwanderung geht. Einige junge Zeitzer wollen das ändern und starten deshalb eigene Projekte.

Blick über die Schulter einer Band, die auf der Bühne steht
Die Konzerte beim Septemberluft-Festival fanden im Haus der Jugend statt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rund 3.600 Kinder und Jugendliche leben in Zeitz. Ein wichtiger Treffpunkt für sie ist schon sehr lange das Haus der Jugend. 1915 schenkte es ein Kinderwagenfabrikant der Stadt. Und mit rund 78.000 Euro fließt ein großer Teil des städtischen Jugendetats in die Begegnungsstätte für verschiedene Altersgruppen.

Mit Angeboten für ältere Jugendliche tut sich die Stadt nicht ganz so leicht. Das ist vor allem dann ein großes Problem, wenn es um das Thema Abwanderung geht. Denn gerade ältere Jugendliche gehen häufig zur Ausbildung weg. Und wenn Anreize fehlen, später wieder zurückzukommen, bleiben sie auch weg.

Möglichkeit zur Selbstverwirklichung

MDR SACHSEN-ANHALT hat junge Zeitzer getroffen, die deshalb selbst etwas in der Stadt auf die Beine stellen wollen: politisch und musikalisch, wie Tom Düringer und Phil Holstein von der Band Meilenläufer. Eine Liedzeile der Band lautet "Sachen packen und gehen". Und tatsächlich haben das beide jungen Männern auch bereits getan. Sie kommen aus Zeitz, waren zwischenzeitlich weg. Aber sie sind zurückgekommen.

Die Stadt mache unter anderem attraktiv, so Tom Düringer, dass man sich mit ein bisschen Engagement sehr gut selbst verwirklichen könne. Sein Fazit:

Zwei junge Männer sitzen in einem VW-Bus
Tom Düringer (l.) und Phil Holstein von der Band "Meilenläufer" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich liebe Zeitz, tatsächlich. Ich habe lange gebraucht, mir das einzugestehen, aber es ist so.

Tom Düringer, Bandmitglied "Meilenläufer"

Bandkollege Phil Holstein ergänzt: "Es wohnt mittlerweile so eine große Gruppe an Leuten hier, die wirklich etwas bewegen wollen. Die versuchen, an einem Strang zu ziehen und aus dieser Stadt einen schönen bunten Ort zum Leben zu machen."

Ein altes, leerstehendes Gebäude
Das Kulturcafé Muckefuck wurde vor zehn Jahren geschlossen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So erwecken die Bandmitglieder von Meilenläufer beispielsweise zehn Jahre nach seiner Schließung das ehemalige Kulturcafé Muckefuck wieder zum Leben. Vor zwanzig Jahren eröffnet, war das Muckefuck eine Kultureinrichtung für Jugendliche. Holstein sagte: "Es ging da hauptsächlich um Konzerte und einfach einen alternativen Freiraum für die Jugendlichen. Wir sind alle zur Schule gegangen und wollten in unserer Freizeit ein bisschen Musik machen, rumhängen und nicht den Tag sinnlos auf der Straße verbringen. Irgendwann hieß es, wir müssen aus dem Proberaum raus, denn das Café macht dicht."

Selbst anpacken statt abwarten

Im August planen sie anlässlich des 20-jährigen Jubiläums eine Veranstaltung in dem Café. Aber nicht aus Nostalgie-Gründen, wie Holstein weiter erklärt. "Wir wollen vielmehr zeigen, was es hier mal gab in Zeitz, was wirklich aktiv funktioniert hat und was ein super Anlaufpunkt war. Es ist also in dieser Stadt möglich."

Das wäre nicht die erste Veranstaltung, die die jungen Männer stemmen. Bereits im vergangenen Jahr haben sie das Septemberluft-Festival in Zeitz veranstaltet, im Skate-Park und im Haus der Jugend. 600 Besucher haben sie gezählt. Diesen Mai wollen sie den Goethepark, der Stadtgarten von Zeitz, der ein wenig verrufen ist, bereits zum zweiten Mal beleben – unter anderem mit einem Fahrradkino, Live-Acts und Kinderbespaßung, wie Holstein erzählt.

Wir können hier in der Stadt wirklich was machen. Das ist der Knackpunkt, zu sagen, wir warten nicht, dass jemand irgendetwas macht, sondern wir machen einfach selber mit.

Phil Holstein, Bandmitglied "Meilenläufer"

Das wolle man auch anderen mit auf den Weg geben.

Stadt sollte auf Jugend zugehen

Eine, die sich ebenso für die Belange der Jugend in der Stadt einsetzt, aber auf politischer Ebene, ist Tina Schindler. Die 23-Jährige wünscht sich, dass die Stadt mehr auf Jugendliche zugeht und nachfragt, welche Angebote sie überhaupt bräuchten. "Wenn die alten Herren darüber diskutieren, kommt natürlich nicht das dabei raus, was die Jugend sich wirklich wünscht. In der heutigen Zeit, wo es Facebook gibt und überhaupt das Internet gibt, ist es ein Leichtes, so eine Umfrage zu machen.

Auch Schindler will nicht nur abwarten. Um für die nachfolgenden jugendlichen Generationen mehr bewegen zu können, ist sie Mitglied in der neugegründeten Wählergruppe "Zeitz 21", die erstmal zur Kommunalwahl im Mai mit antritt. Schindler: "Der Jüngste bei uns ist 19, der Älteste 36. Alles junge Menschen und die wissen natürlich, was die Jugend in Zeitz braucht."

Antworten auf drängende Fragen Im Reportage-Projekt "Zeitz – eine Stadt sucht ihre Zukunft" hat MDR SACHSEN-ANHALT mit vielen Bürgern gesprochen. Jede der fünf Folgen der TV-Serie beschäftigt sich mit einem kommunalpolitischen Schwerpunkt-Thema: Straßenausbaugebühren, Braunkohleausstieg, Leerstand in den Innenstädten, Abwanderung und leere Stadtkassen.

Diese Probleme sind überall im Land wichtig. Doch welche Ideen und Lösungsvorschläge haben die Parteien, die jetzt landesweit in den Wahlkampf ziehen? MDR SACHSEN-ANHALT hat alle 15 zugelassenen Parteien dazu befragt. Bis Freitag veröffentlichen wir täglich im Anschluss an unsere Zeitz-Reportage auf der Online-Seite die Antworten der Parteien auf unsere Frage. Wir schaffen Transparenz und die Nutzer bekommen einen Gesamtüberblick über fünf drängende Probleme. So können sie die Parteien-Positionen in Ruhe miteinander vergleichen und sich vor der Wahl ihr eigenes Urteil bilden.

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. April 2019 | 19:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

2 Kommentare

06.04.2019 13:53 Heiko 2

Teil 2
Wenn man von Ausgeht das bei der Zentralisierung in die Städte insgesamt (nicht nur Katasteramt auch Polizei, Landesverwaltungsamt Geologieamt das aus Staßfurt verschwindet und und und) 4000 (und das das ist eine untere Schätzung) Haushalte sozusagen verschoben wurden in die großen Städte (die meisten haben Partner und Kinder) so ist sagen wir mal pro Jahr 4000 mal die Kaufkraft von 25000 Euro vom Land in die Stadt gewandert! Das sind 100 Millionen Euro pro Jahr in 10 Jahren 1 Mrd Euro! Also Bitte! Man soll dann doch ehrlich sein!
Da würde ich mir wünschen, das auch die Massenmedien mal Kritischer sind!
Ich wünsche Zeitz eine gute Zuknunft trotz dieser Landesregierung!

06.04.2019 13:49 Heiko 1

Ich kann es voll verstehen, das Zeitz um die Zukunft kämpft! Was ich nicht verstehen kann, ist die Landesregierung! Die alles tut um Kaufkraft,
Menschen und Zukunft sozusagen vom Land in die großen Städte des Landes zu verschieben!
Eine einfache Rechnung Zeitz hatte ein Katasteramt wo ist das hin oder andere Behörden!
Teil 1

Mehr aus Burgenlandkreis und Saalekreis

Mehr aus Sachsen-Anhalt