Saalekreis Winzer verärgert: Diebe stehlen massenweise Weinblätter

Gefüllte Weinblätter gelten als orientalische Spezialität. In den Weinbergen rund um Höhnstedt im Saalekreis verschwinden sie seit einiger Zeit massenweise unerlaubt von den Rebstöcken. Der Haken: Die Blätter sind gespritzt und sollten eigentlich nicht verzehrt werden.

Rebstock
Die Langfinger haben es auf die Blätter des Rebstocks abgesehen. Doch die unreifen Trauben brauchen die Blätter zum Wachsen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In die Weinberge rund um Höhnstedt kommen seit geraumer Zeit fast täglich ungebetene Gäste. Sie pflücken Weinblätter von den frei zugänglichen Rebstöcken. Allerdings nicht in Maßen, sondern in Massen.

Sehr zum Ärger der Winzer im Saalekreis. Sie finden es unmöglich, dass Leute einfach in den Weinberg gehen und die Blätter "abzerren". Jochen Born sagte MDR SACHSEN-ANHALT, es sei sehr frustrierend, wenn die Handarbeit mit Füßen getreten werde.

Blätter werden säckeweise gepflückt

Winzer Jochen Born in Weinberg.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn einer käme und sagte, dein Wein schmeckt mir nicht, das wäre okay, denn jeder hat einen anderen Geschmack – aber das muss nicht sein.

Winzer Jochen Born

Born fügt hinzu, der Diebstahl habe über die Jahre Dimensionen angenommen, sodass man von einer Organisation ausgehen könne. Die Beutel seien immer größer geworden – bis zu vollen blauen Müllsäcken.

Zutat für orientalische Spezialität

Blick in Kofferraum mit gefüllten Plastetüten mit Weinblättern.
Einige Diebe wurden bereits auf frischer Tat ertappt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gefüllte Weinblätter sind eine orientalische Spezialität, preiswert und unkompliziert zuzubereiten. Die Winzer hier haben allerdings den Verdacht, dass die Blätter aus Höhnstedt nicht nur für den Eigenbedarf verarbeitet werden, sondern auch gewerblich in den Umlauf gebracht werden.

Nach MDR-Informationen konnten einige Diebe bereits auf frischer Tat ertappt werden. Gegen sie wurde Anzeige erstattet. Ob sie die Weinblätter in den Handel bringen, wird derzeit ermittelt.

Experte warnt vor Verzehr der gespritzten Blätter

Dietrich Mäde in Labor
Experte Mäde: "Die Weinblätter dürfen nicht verzehrt werden". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Problem an dem Weinblatt-Klau ist, dass die Pflanzen gespritzt werden. Prof. Dr. Dietrich Mäde vom Landesamt für Verbraucherschutz sagt, man könne die Behandlungsmittel zwar teilweise abwaschen, aber die meisten dieser Mittel wirkten in der Pflanze. Sie würden über Blatt und Wurzel aufgenommen, um die Pflanze gegen Pilze, Insekten oder Milben zu schützen. Deswegen dürften diese Weinblätter nicht verzehrt werden, so Mäde. Der Experte warnt, dass Langzeitschäden wie Allergien oder gar Krebs momentan schwer einschätzbar, aber durchaus möglich seien.

"Ein Weinstock ohne Blätter ist verloren"

Schäden erleiden in jedem Fall die Pflanzen, denn die Trauben brauchen die Weinblätter fürs Wachstum. Albrecht Zieger von der Winzervereinigung Freyburg erklärt, jeder Stock, der intensiv entlaubt ist, sei verloren. Gerade in unserer Region, die im Moment sehr stark mit Trockenheit zu kämpfen habe, sei man froh über jede Traube, die man ernten könne.

Quelle: MDR/agz

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Juni 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juni 2019, 11:03 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

17 Kommentare

24.06.2019 09:34 Bördejung 17

Dem organsierten Diebstahl mit gewerblichem Hintergrund muss Einhalt geboten werden. Ähnliches sieht man ja auch bei den einigen "Pilzsammlern", wo mittlerweile ganze Palettenstapel im Wald vorbereitet werden.

Das die Blätter so giftig gespritzt sind, fördert jetzt aber auch nicht gerade unsere Kauflust nach lokalem Wein. Das hat unserem Vertrauen in lokale nachhaltige Landwirtschaft gerade einen weiteren herben Schlag versetzt.

Wir werden noch mehr darauf achten diese Giftcocktails (für Mensch und Tier) im Regal zu lassen und müssen dann wohl auf importierte Produkte zurückgreifen.

24.06.2019 09:07 Leser 16

@11. Den Sinn meiner Zeilen nicht verstanden? Die Schilder sollen die Diebe abschrecken. Und im Text steht, dass die Spritzmittel nicht in die Früchte gehen. Das fehlende Laub schädigt die Pflanzen und den Ertrag. Richtig lesen hilft.

23.06.2019 22:47 Max W. 15

@23.06.2019 18:24 ergon (Ich denke mich zu erinnern das der MDR voriges Jahr oder davor daselbe Thema aufgegriffen hat über den Weinblattklau.

Aber damals war noch signifikant die Rede von Syrern,die sagten bei Ihnen zu Hause sei das eine Spezialität.

Also summa sumarum hat sich nichts geändert.)

Oh, doch: Es ist schlimmer geworden. Denn offensichtlich ist es den Dieben völlig egal, was sie da tun - TROTZ Vorgeschichte. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen.

Mehr aus Burgenlandkreis und Saalekreis

Mehr aus Sachsen-Anhalt