Olympiade der Köche Wie die Weißenfelserin Anke Weigelt mit 40 Kilo Parmesan-Käse Gold gewann

Johanna Daher
Bildrechte: MDR/Marieke Polnik

Andere schneiden in der Küche Obst und machen daraus Essen. Bei Anke Weigelt aus Weißenfels ist das anders: Sie ist Food-Artistin und verwandelt Lebensmittel in Kunstwerke. Damit hat sie bei der Olympiade der Köche sogar Gold geholt. Ein Einblick in ihre Arbeit, die in Deutschland noch ziemlich selten ist.

Food-Artistin Anke Weigelt aus Weißenfels hat mit ihrer Poseidon-Skulptur aus 40 Kilo Parmesan-Käse eine Gold-Medaille auf der Olympiade der Köche gewonnen.
Aus 40 Kilo Parmesan hat Anke Weigelt Poseidon geschnitzt und dafür Gold gewonnen. Bildrechte: Uwe Weigelt

Eigentlich wollte Anke Weigelt nicht noch einmal bei der Olympiade der Köche antreten, nachdem sie 2016 mit Silber und Bronze ausgezeichnet worden war. "Ich hatte sogar gehofft, dass mein Mann die Anmeldung vergisst", sagt sie schmunzelnd. Doch ihr Mann Uwe Weigelt dachte daran, die Food-Artistin fuhr diese Woche nach Stuttgart und gewann: Gold gab es für ihre Skulptur des griechischen Meeresgottes Poseidon aus 40 Kilo Parmesan-Käse. Zwei Mal Silber erhielt sie für eine Kneipenszene aus 40 Kohlrüben und einen filigranen Damenkopf aus Butter. Die Weißenfelserin kreiert also aus Lebensmitteln Kunstwerke. Damit ist sie eine von wenigen Food-Artisten aus Deutschland – das Handwerk kommt ursprünglich aus China. Dort sei das ein normaler Ausbildungsberuf, sagt sie.

Am liebsten modelliert sie Melonen, weil sie nicht so empfindlich wie Butter oder Käse seien. Das Besondere bei der Wassermelone: Sie könne kreativ mit ihren drei Farben Rot, Weiß und Grün arbeiten. "Es eignen sich alle festen Lebensmittel. Ob es Gemüse, Salzteig, Margarine, Käse oder Schokolade ist – alles machbar", erklärt die Food-Artistin. Je nach Kunstwerk braucht sie dafür unterschiedlich lang. Die Rose, die sie im Zeitraffer-Video beim Besuch von MDR SACHSEN-ANHALT geschnitzt hat, dauert etwa 20 Minuten. Große Werke, wie für die Olympiade, können Monate in Anspruch nehmen.

Food-Artistin Anke Weigelt aus Weißenfels hat für ihre Kneipenszenen-Skulptur aus 40 Kohlrüben eine silberne Medaille auf der Olympiade der Köche gewonnen.
Silber gab es für diese Kneipenszene, die Weigelt aus 40 Kohlrüben geschnitzt hat. Bildrechte: Uwe Weigelt

"Ich bin total dankbar, dass ich die Zeit habe, die Kunstwerke anfertigen zu können. Dass meine Kollegen währenddessen meine Schichten übernehmen, ist nicht selbstverständlich", sagt Weigelt. Größter Unterstützer: ihr Mann, in dessen Hotel sie arbeitet. Er ist auch der Grund, weshalb sie überhaupt mit dieser besonderen Kunst angefangen hat. Vor einigen Jahren meldete er sie einfach zu einem Kurs an, um ihr eine Freude zu machen. Die hielt sich bei Anke Weigelt zunächst in Grenzen, dann entdeckte sie ihr Talent und die Freude daran.

Lebensmittel-Verschwendung?

Sie fertigt ihre Skulpturen aus Lebensmitteln an und nicht wie andere Künstler beispielsweise aus Marmor. Dass deshalb Essen verschwendet wird, verneint Anke Weigelt:

Die Kunstwerke, die ich für unser Catering mache, zum Beispiel für Hochzeiten und Geburtstage, sind alle so gearbeitet, dass sie Punkt 24 Uhr verspeist werden können. An den Melonen ist nichts dran, was nicht essbar ist – außer natürlich die Schale, die sowieso die Natur vorgibt.

Anke Weigelt Food-Artistin aus Weißenfels

Manche Gäste würden die Kunstwerke dann doch gerne behalten statt sie zu essen. Das könne Weigelt dann aber natürlich nicht nachvollziehen.

Die nächste Olympiade wieder mit Weigelt?

Nach der aufregenden Woche bei der Olympiade wolle sie jetzt erst einmal zur Ruhe kommen. Ob sie auch beim nächsten Mal wieder antritt? "Also wenn man mich das gerade fragt, dann: Nein. Das ist so viel Arbeit, auch wenn es total viel Spaß macht", meint die Weißenfelserin.

Food-Artistin Anke Weigelt aus Weißenfels hat für ihren filigranen Damenkopf aus Butter eine Silber-Medaille auf der Olympiade der Köche gewonnen.
Dieser filigrane Damenkopf aus Butter brachte der Food-Artistin die zweite Silber-Medaille ein. Bildrechte: MDR/Johanna Daher

Dafür habe sie sich von den anderen Teilnehmern und deren Kunstwerken inspirieren lassen, tausende Fotos mit ihrem Smartphone festgehalten. Insgesamt 1.497 Aussteller aus 29 Ländern waren dieses Jahr bei der Olympiade, außerdem über 100.000 Besucher. Auch andere Elemente würde sie gerne mal ausprobieren, wie Sand. Und Skulpturen aus Eis? "Nee, nee. Eis werde ich nicht machen. Ich bin so eine Frostbeule", sagt sie lachend. Dafür hat sie noch einen Tipp für Anfänger: "Mal einen schönen roten Apfel nehmen und mit einem spitzen Küchenmesser ausprobieren. Auch das ist schön an Obst und Gemüse: Wenn es schief geht, dann kann man es danach noch essen."

Johanna Daher
Bildrechte: MDR/Marieke Polnik

Über die Autorin Seit Februar 2018 ist Johanna Daher Teil der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Ihr typischer Satz in den sozialen Medien beschreibt sie ihrer Meinung nach ziemlich gut: "Christin, Journalistin und Optimistin mit einer Liebe zum Multimedialen, Interaktiven und Programmieren."

Johanna Daher kommt gebürtig aus Nordhessen, hat in Dortmund Journalistik und in Wernigerode an der Hochschule Harz "Medien- und Spielekonzeption" studiert.

Quelle: MDR/jd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Februar 2020 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

Erichs Rache vor 13 Wochen

Cool. Herzlichen Glückwunsch.

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