Jan Eike Andresen
Jan Eike Andresen betreut mehrere Kläger im Diesel-Abgas-Skandal. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diesel-Skandal Anwalt: Urteil in Stendal hat Signalwirkung

Der Volkswagen-Konzern muss einer Autobesitzerin aus Stendal 17.000 Euro Schadenersatz zahlen. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig. VW kann vor dem Oberlandesgericht in Naumburg noch Berufung einlegen. Doch dieser Prozess ist bei weitem nicht der einzige in Deutschland. MDR SACHSEN-ANHALT hat mit einem der Anwälte der Kläger, Jan Eike Andresen, gesprochen.

Jan Eike Andresen
Jan Eike Andresen betreut mehrere Kläger im Diesel-Abgas-Skandal. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR SACHSEN-ANHALT: Der Prozess in Stendal ist kein Einzelfall. Hat dieser Prozess in Stendal eine Signalwirkung?

Andresen: "Aus meiner Sicht hat er eine ganz wichtige Signalwirkung. Keine juristische Signalwirkung, aber eine an die Betroffenen VW-Kunden. Nämlich, dass es sich lohnt sein Recht anzuklagen. Ich habe in den letzten zwei Wochen ungefähr einhundert Urteile auf den Tisch bekommen, von ganz verschiedenen Landgerichten in Deutschland, und die gehen alle für den Kunden aus.

Es ist in dem Sinne kein Novum mehr, dass die Verbraucher gegen Volkswagen gewinnen. Ganz im Gegenteil, wer Recht auf Schadenersatz hat, der bekommt ihn auch zugesprochen. Die Betroffenen im Abgas-Skandal haben dieses Recht und deshalb ist es nur konsequent was das Landgericht in Stendal angewandt hat, nämlich deutsches Recht. "

VW versucht auch viele Dinge außergerichtlich zu klären, mit Geld… Versucht VW da einen Präzedenzfall zu verhindern?

"VW hat das beste Jahr der Firmengeschichte geschrieben, habe ich der Presse entnommen. Es werden Rekordgewinne eingefahren und da ist Geld natürlich eines der probatesten Mittel, an das man denkt, wenn man Probleme aus der Welt schaffen möchte.

Wir bekommen immer wieder Berichte von, ich nenne es mal, Schweigegeld-Vergleichen, wo Volkswagen die Betroffenen auffordert, das Ergebnis eines Vergleiches unter Androhung einer gewissen Vertragsstrafe über mehrere Tausend Euro, geheim zu halten. So was kann man langfristig natürlich nicht geheim halten und es zeigt nur eins, dass nämlich diese Aussprache von Volkswagen 'in Deutschland gibt es kein Recht auf Schadensersatz im Abgasskandal' schlichtweg falsch ist.

Natürlich gibt es in Deutschland ein Recht auf Schadensersatz. Wer belogen und betrogen wurde, hat ein Recht auf Ersatz seiner Schäden. Und das gilt auch im Abgas-Skandal, da kann es keine Zweifel geben. Und dafür sind die jüngsten Gerichtsurteile alle ein Beleg."

Grafik
Beim Blick auf den Schadstoff-Ausstoß in Deutschland wird deutlich: Diesel-Pkw verschmutzen die Luft am meisten. Bildrechte: MDR/Max Schörm

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Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. März 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2018, 22:08 Uhr

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6 Kommentare

08.03.2018 10:53 Hauruck 6

Hallo Hr.Andresen
Daumen drücken für ihre weiteren Prozesse.
Aber, haben sie schon einmal auf das Landgericht in Braunschweig geschaut. Die dortige Kammer bzw. Richter sehen die ganze Sache völlig anders, alle Klagen, bis auf Zwei im Jahr 2016, werden dort für VW entschieden. In Dresden sieht die Sache ähnlich aus.
Braunschweig= VW-Standort Niedersachsen
Dresden=Gläserne Manufaktur
Rechtssicherheit in Deutschland?
Ein Schelm, der dabei Böses denkt!

In diesem Sinne ,Munter bleiben ...

07.03.2018 13:40 Karl Stülpner 5

Dass VW für betrügerische Handlungen zur Verantwortung gezogen wird ist richtig.
Ich habe im MDR - Radio einen Beitrag mit dem Professor Köhler gehört. Das habe ich dann noch mal im Internet nach recherchiert. Und wirklich, die da oben belügen wieder das Volk mit der Abgaslüge. Dass, was der Diesel oder Benziner hinten raus lassen, dass ist so verschwindend gering, dass die Werte beim Rauchen deutlich problematisch sind. Einfach mal bei Professor Köhler informieren.
Auch halte ich die oben gezeigte Darstellung für populistisch.
Da sollten Sie mal noch Flugzeuge und die großen Kreuzfahrtschiffe mit erwähnen.
Und dann sieht man, dass die Diesel - und Abgasproblematik aufgebauscht und unredlich ist.

07.03.2018 10:47 Fragender Rentner 4

Unter welche Kategorie fallen die Schiffe, die das so "saubere Schweröl" verarbeiten? :-(