Schlachthof in Weißenfels Wie sich der Burgenlandkreis gegen einen Corona-Ausbruch bei Tönnies wappnet

Nach dem Corona-Ausbruch in einem Schlachthof in Nordrhein-Westfalen fürchten viele, dass sich etwas ähnliches in Sachsen-Anhalt wiederholen könnte. Am Tönnies-Schlachthof in Weißenfels etwa. Der Burgenlandkreis trifft deshalb Vorkehrungen.

Frisch geschlachtete Schweine hängen in einem Kühlhaus des Fleischunternehmens Tönnies.
Nach dem Corona-Ausbruch in NRW fürchten viele, dass etwas Ähnliches in Sachsen-Anhalt passieren könnte. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Mehr als 1.500 Infizierte und ein Lockdown für 650.000 Menschen in zwei Landkreisen in Nordrhein-Westfalen – das sind die Folgen eines Corona-Ausbruchs am Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück. Nun ist die Angst groß, dass sich etwas Ähnliches in Sachsen-Anhalt wiederholen könnte. In den Tönnies-Schlachthöfen in Weißenfels oder Zerbst etwa.

Das Gesundheitsministerium Sachsen-Anhalts hält deshalb Corona-Tests in allen Schlachtbetrieben des Landes für angebracht. Wie das Ministerium MDR SACHSEN-ANHALT mitteilte, könnten diese aber nur auf freiwilliger Basis durchgeführt werden. Eine Rechtsgrundlage für verpflichtende Tests gebe es derzeit nicht. Diese würde nur bestehen, wenn Infektionsfälle in den Schlachtbetrieben aufgetreten wären. Laut Ministerium gibt es nach derzeitigem Stand in den beiden Tönnies-Fleischbetrieben Weißenfels und Zerbst bislang keine Corona-Fälle.

Große Testaktion im Mai

Götz Ulrich, der Landrat des Burgenlandkreises, fordert vom Fleischverarbeiter Tönnies dennoch regelmäßige Corona-Tests für die gesamte Belegschaft im Werk in Weißenfels. Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert verpflichtende Tests in Weißenfels.

Bislang wurden vom Unternehmen lediglich Mitarbeitende getestet, die mehrere Tage nicht im Werk waren. Tönnies selbst sprach von etwa 100 Tests pro Woche. Zudem gab es im Mai mithilfe der Bundeswehr eine große Testaktion, bei der 1.200 der etwa 2.200 Beschäftigten im Werk Weißenfels überprüft wurden. Die Tests damals fielen alle negativ aus.

Mitarbeiterinnen des Burgenlandkreises bereiten sich in einem Zelt auf den Start des Corona-Screenings vor.
Am Tönnies-Standort in Weißenfels soll es nach dem Willen des Burgenlandkreises erneute Tests auf das Coronavirus geben. Bei der Testreihe im Mai waren 1.200 Beschäftigte negativ getestet worden. (Archivfoto) Bildrechte: dpa

Burgenlandkreis fordert Kontaktdaten an

Um einen Lockdown wie in Gütersloh zu verhindern, hat der Burgenlandkreis nun einen Maßnahmenplan vorgelegt. Neben der Forderung nach regelmäßigen Tests hat die Verwaltung die Kontaktdaten aller Mitarbeitenden des Werks in Weißenfels angefordert – egal, ob sie in abhängiger oder selbstständiger Beschäftigung tätig sind. Bis Ende Juni sollen die Daten vorsorglich an das Gesundheitsamt übermittelt werden.

Der Landkreis plane außerdem die Versorgung unter Quarantäne gestellter Menschen, das Hinzuziehen von Dolmetschern und beschäftige sich mit der logistischen Planung erneuter Corona-Massenabstriche. Die Wohnanschriften werden für den Fall benötigt, dass eine Quarantäne verhängt werden muss. Aber auch die vorsorgliche Ermittlung von Kontaktbereichen – wie Schulen und Kindertagesstätten – gehören dazu, weil diese von einem Ausbruch besonders stark betroffen wären.

Tests auch in Zerbst

In Zerbst hatten am Dienstag Corona-Tests bei den Mitarbeitern begonnen. Wie eine Sprecherin des Landkreises Anhalt-Bitterfeld sagte, sind die Tests freiwillig. Vor dem Werk in Zerbst wollte am Mittwochmittag die Tierschutzorganisation Peta demonstrieren. Eine weitere Demonstration war in Weißenfels geplant.

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Der Tönnies-Schlachthof in Weißenfels ist mit seinen rund 2.200 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Stadt. Täglich werden hier bis zu 20.000 Schweine geschlachtet.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. Juni 2020 | 10:00 Uhr

1 Kommentar

ossi1231 vor 6 Wochen

Neue Verordnung Corona-Meldepflicht bei Haustieren kommt

Von Isabel Reifenrath, ARD-Hauptstadtstudio
(Corona explizit bei Schweinen und Hühnern ausgeschlossen! Es ist nur vielleicht nicht ganz richtig!)

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